Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG mit dem Landesfischereiverband Bayern e.V.

Nr. 30 / Freitag, 12. Juli 2013

Gewässerökologie
Jährliches Bachforellensterben nicht durch Umweltschadstoffe ausgelöst

Intensive Forschung deutet auf unbekanntes Virus als Ursache hin

+++ Jedes Jahr im Spätsommer setzt in den voralpinen Fließgewässern in Bayern, Österreich und der Schweiz ein massives Bachforellensterben ein. Die Ursache ist wahrscheinlich ein noch unbekanntes Virus. Zu diesem Ergebnis kamen das Landesamt für Umwelt (LfU) und der Landesfischereiverband Bayern e.V. (LFV) nach über zehnjährigen intensiven Forschungen an einer Versuchsanlage in Kempten. „Wir haben unterschiedlichste Untersuchungsstrategien verfolgt. Mittlerweile scheinen wir der Ursache für das mysteriöse Sterben einen Schritt näher gekommen zu sein“, so Claus Kumutat, Präsident des LfU, heute in Wielenbach. Albert Göttle, Präsident des LFV, betonte: „Zu Beginn mussten alle Beteiligten echte Detektivarbeit leisten. Schließlich gab es keinerlei Anhaltspunkte für die Ursache des jährlichen Bachforellensterbens.“ Im Laufe der Untersuchungen hat sich gezeigt, dass wahrscheinlich ein noch unbekanntes Virus in Kombination mit der speziellen genetischen Veranlagung der Bachforelle verantwortlich ist. Kumutat: „Umweltschadstoffe und Pflanzenschutzmittel sind definitiv nicht die Ursache.“ +++

Rund 100 Experten aus Bayern und dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz haben sich heute beim internationalen Symposium „Bachforellensterben in Bayern“ im LfU in Wielenbach über die neuesten Erkenntnisse der Forschung informiert. Praktikable Maßnahmen gegen das Bachforellensterben können erst ergriffen werden, wenn der unbekannte Erreger isoliert ist. LfU und LFV arbeiten in diesem Bereich mit renommierten virologischen Laboren in Deutschland und England zusammen. Seit dem Projektstart haben LfU und LFV gemeinsam rund eine Million Euro in die Ursachenforschung des Bachforellensterbens investiert.

Faktenkasten Bachforellensterben

  • Die Bachforelle gilt als Leitfischart der kühlen und schnell fließenden Oberläufe.
  • Das Bachforellensterben findet alljährlich im Spätsommer in einigen voralpinen Gewässern statt. Mittlerweile gibt es Gewässerstrecken, z. B. an Iller und Ammer, in denen die heimische Bachforelle nicht mehr vorkommt.
  • Das Geschehen ist nicht auf Bayern begrenzt sondern wird auch in den Nachbarländern Österreich und Schweiz beobachtet. Dabei reichen bereits vier Wochen im Flusswasser aus, um den tödlichen Verlauf der Krankheit nicht mehr aufhalten zu können.
  • Erkrankte Tiere weisen eine massive Schwächung des Immunsystems, innere Blutungen sowie eine große Blutarmut auf.
  • Der typische Verlauf der Erkrankung lässt sich nur durch eine UV-Behandlung des Wassers verhindert. An Fließgewässern ist diese Maßnahme aber nicht durchführbar.
  • Um der Ursache des Bachforellensterbens auf die Spur zu kommen, wurden in den letzten Jahren mehr als 5.000 Fische untersucht. Dabei wurde u. a. mit Hilfe modernster Analysenmethoden das Erbgut erkrankter Bachforellen entschlüsselt, um Fremdgenom, z. B. von Viren, zu identifizieren. Bisher konnte das Virus aber nicht nachgewiesen werden.

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