PRESSEMITTEILUNG

Nr. 29 / Mittwoch, 10. August 2011

Naturschutz
Ohrlöffel-Lichtnelke und Spargelschote: Naturschätze im Landkreis Donau-Ries

Kartierung der Biotop- und Lebensraumtypen abgeschlossen: über 5.100 Hektar und fast 2.400 Biotope erfasst

+++ Geschaffen von einem Meteoriteneinschlag vor 15 Millionen Jahren, faszinieren das Nördlinger Ries und sein Kontrast zur umliegenden Riesalb viele Menschen – für die Botaniker des Landesamtes für Umwelt (LfU) finden sich hier aber noch weitere Attraktionen: In der idyllischen und vielfältigen Landschaft aus Trockenrasen, Gebüschen und Säumen wachsen viele Arten der Roten Liste, zum Beispiel die Ohrlöffel-Lichtnelke und die Kugelblume. Auch die Spargelschote und das Wanzen-Knabenkraut sind herausragende Beispiele für die vielfältige Natur im Landkreis Donau-Ries. Diese Naturschätze wurden in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Donau-Ries zum zweiten Mal systematisch erfasst, nachdem die erste Inventur bereits mehr als 20 Jahre zurückliegt. Die Geländearbeiten wurden von einem Fachbüro aus Eichenau durchgeführt und im Herbst 2010 abgeschlossen. Etwa vier Prozent der Fläche wurden dabei als Biotop kartiert: über 5.100 Hektar und fast 2.400 Biotope. Damit bekommen Naturschutzbehörden, Planungsbüros und Wissenschaftler eine wichtige Arbeitsgrundlage, zum Beispiel für die Erarbeitung von Landschafts- und Grünordnungsplänen oder im Vertragsnaturschutz. Rund 280.000 Euro stellte der Freistaat für die neue Natur-Inventur im Landkreis zur Verfügung. +++

Der Landkreis Donau-Ries liegt überwiegend in den Naturräumen Ries, Riesalb, Südliche Frankenalb und Donauried. Auf den Naturraum Donauried fällt der größte Biotopanteil, was unter anderem den großen Niedermooren wie der Mertinger Höll zu verdanken ist. Die Trockenrasen am Riesrand präsentieren sich im Frühsommer mit einer überwältigenden Blütenpracht und einem enormen Artenreichtum. In den mediterran anmutenden Säumen finden sich die blauen Köpfe der Kalkaster neben den gelben der Goldaster und dem Blauroten Steinsamen. Eingestreut sind Felsfluren und Wacholderheiden, größtenteils sind die Flächen als FFH-Gebiet ausgewiesen (nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie). Erhalten werden kann diese abwechslungsreiche Landschaft nur mit traditioneller, extensiver Schafbeweidung, die aus dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm finanziert wird.

Weitere Informationen:

Biotopkartierungsdaten online unter Fin-Web oder als Download unter Biotopkartierung.

Fakten-Kasten


  • Die Naturschutzfachkartierung liefert eine Bestandsaufnahme der wertvollen Flächen und der Tier- und Pflanzenarten. Wiederholungskartierungen dienen dazu, die Daten auf den neuesten Stand zu bringen.

  • Im ersten Schritt der Naturschutzfachkartierung werden die Biotope im Maßstab 1:5000 kartiert. Dabei erfassen und beschreiben speziell ausgebildete Kartierer die für den Naturschutz wichtigen Flächen und ihre Pflanzen. Seit 2006 werden zusätzlich die Lebensraumtypen des europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000 erfasst. Rund vier Prozent der Landesfläche sind bisher als ökologisch wertvolle Lebensräume erfasst und beschrieben worden.

  • Der zweite Schritt der Naturschutzfachkartierung ist die Artenschutzkartierung: Gefährdete Tiergruppen wie Amphibien, Libellen und Tagfalter werden erfasst, um Verbreitung und Bestandssituation zu ermitteln. Die Ergebnisse werden in der landesweiten Datenbank der Artenschutzkartierung zentral gespeichert.

  • Die Ergebnisse bilden eine wichtige Grundlage für den Naturschutz: Naturschutzbehörden und Kommunen erstellen damit zum Beispiel Landschafts- und Grünordnungspläne. Auch Planungsbüros und wissenschaftliche Einrichtungen nutzen die Ergebnisse der Kartierung. Zudem fließen sie in die Bände der Arten- und Biotopschutzprogramme ein. Die Kartierung in Natura 2000-Gebieten ist außerdem eine wichtige Grundlage für die Managementplanung und für die Berichte an die EU.


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