Bayerisches Landesamt für
Umwelt

PRESSEMITTEILUNG

Nr. 54 / Donnerstag, 08. Oktober 2009

’Bayerns schönste Geotope’
Niederbayern "vom Winde verweht": Geo-Gütesiegel für Sanddünen bei Offenstetten

Quelle: LfU
(Abensberg) +++ Heute wurden die Sanddünen im Seeholz bei Offenstetten im Landkreis Kelheim in die Bestenliste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. "Die Sanddünen bilden eine faszinierende Landschaft, die uns Einiges über die Klimaverhältnisse der jüngeren Erdgeschichte erzählt", sagte Dr. Richard Fackler, Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) bei der Übergabe des Geotop-Gütesiegels an den Landschaftspflegeverband Kelheim, den Bund Naturschutz und die Stadt Abensberg. In Südbayern gibt es nur an wenigen Stellen derartige Sanddünen-Gebiete. Die ursprünglich in der Eiszeit gebildeten Flugsande wurden, beeinflusst durch menschliche Aktivitäten, bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder umgelagert. "Die Dünen im Seeholz stellen ein wichtiges Forschungs- und Lehrobjekt dar: ein natürliches Archiv, das Ereignisse aus der Vorgeschichte und auch aus geschichtlicher Zeit überliefert hat, die kein Schreiber notiert hat.", so Fackler. Ein vom LfU herausgegebenes Faltblatt mit dem Titel "Vom Winde verweht!" erläutert die geologischen Besonderheiten, die Entstehung und laufende Veränderung dieser in Südbayern einzigartigen Landschaft. +++

Geotope sind bemerkenswerte Werke der Natur, deren Attraktivität es zu erhalten und touristisch sowie naturschutzfachlich zu nutzen gilt. Für jeden der schönsten Geotope bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und Informationstafeln. Einheimische und Touristen haben so die Möglichkeit, alles Wissenswerte über die Geologie ’mitzunehmen’. Einschließlich der Dünen im Seeholz wurden bislang insgesamt 83 Objekte mit dem Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" ausgezeichnet, davon neun in Niederbayern. In die Bestenliste wurden hier bereits der Pfahl bei Viechtach, die Weltenburger Enge, der Silberberg Bodenmais, der Wachsende Felsen von Usterling, die Buchberger Leite, das Blockmeer am Lusen, der Blockstrom Kaser Steinstuben und die Granite am Dreisesselberg aufgenommen.

Nur wenige "Orte auf der Erdoberfläche" (Geotope) ermöglichen es, das Wissen über die Entstehung unserer Erde und die Entwicklung des Lebens auf ihr zu gewinnen und zu vermehren. Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden rund 3.100 vom Geologischen Landesamt (jetzt: Bayerisches Landesamt für Umwelt) detailliert beschrieben und im Geotopkataster Bayern aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de. Ein Gremium von Geologie-Experten des LfU und der Umweltverwaltung wählt die 100 Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden.

Fakten-Kasten zum Geotop ’Dünen im Seeholz’

  • In Niederbayern herrschten während der "Eiszeiten" der vergangenen 2,5 Millionen Jahre oft Verhältnisse, die mit der heutigen Arktis vergleichbar sind. Auf weiten Schotterflächen entlang der Täler konnten kaum Pflanzen gedeihen. Sturmwinde nahmen hier Sand auf und lagerten ihn andernorts wieder ab.
  • Vor etwa 12.000 Jahren begann das Erdzeitalter des "Holozän", die "geologische Gegenwart". Das Klima in Mitteleuropa wurde wärmer und feuchter. Dadurch breitete sich die Vegetation wieder aus und stoppte schließlich die Umlagerung des Sandes weitgehend. Im selben Zeitraum entwickelte sich aber auch die menschliche Kultur, was dazu führte, dass auch die Landschaft in immer stärkerem Maße durch menschliche Aktivitäten geprägt wurde.
  • Seit die Menschen sesshaft wurden, rodeten sie große Gebiete. Einen langfristigen Erfolg brachte die Arbeit in Flugsandgebieten jedoch nicht: Durch die fehlende Pflanzendecke geriet der Sand bei Stürmen wieder in Bewegung und wurde zu neuen Dünen aufgehäuft. Heute ist durch Datierungen belegt, dass die Dünen im Seeholz spätestens ab der Bronzezeit vor etwa 4000 Jahren, vor allem aber mehrfach während des Mittelalters und bis in die 1950iger Jahre, umgelagert wurden.
  • Sandgebiete stellen wertvolle Lebensräume für einige vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten dar. Daher sind die Dünen im Seeholz bei Offenstetten seit 1984 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zu den ’Dünen im Seeholz’ im Internet unter
www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotope_schoensten/niederbayern/78/index.htm

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