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Wolf, Canis lupus
Verbreitung
Wölfe waren ursprünglich über die gesamte nördliche Halbkugel der Erde verbreitet. Durch die Jagd wurden sie überall in Europa zurückgedrängt. Um 1850 galt Deutschland als wolfsfrei. Seit der Wolf in den meisten Ländern geschützt wird, nehmen die Bestände allmählich wieder zu.
Derzeit leben in Europa rund 20.000 Wölfe. Die größten Populationen gibt es im Balkangebiet (5.000 Tiere), in den Baltischen Ländern (4.300 Tiere), den Karpaten (4.000 Tiere), in Spanien (2.500 Tiere), gefolgt von Italien mit 500 bis 800 Tieren und Finnland, Schweden, Frankreich mit je 200 Tieren. Auch in Nachbarländern Bayerns leben Wölfe, zum Beispiel in Österreich, der Schweiz und in Tschechien.
Seit 1996 sind in Deutschland wieder Wölfe nachgewiesen. Inzwischen leben in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt 12 Rudel. Einzelne Tiere gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen.
Seit Dezember 2009 hat sich ein männlicher Wolf italienischer Herkunft im Großraum Mangfallgebirge aufgehalten. Das Tier ist seit Januar 2011 nicht mehr nachgewiesen worden.
Merkmale und Ökologie
Mitteleuropäische Wölfe wiegen bei einer Schulterhöhe von etwa 70 cm durchschnittlich 40 kg. Dabei sind die Männchen schwerer als die Weibchen. Schäferhunde haben ein ähnliches Gewicht, Wölfe sind aber deutlich hochbeiniger. Die Ohren sind relativ klein und dreieckig. Wölfe haben einen buschigen Schwanz und häufig eine schwarze Schwanzspitze. Auf dem Rücken haben sie einen dunklen Sattelfleck, oft sind auch die Vorderseiten der Beine dunkel gefärbt.
Wölfe leben bevorzugt in Rudeln, die sich als Familienverband aus den Elterntieren und wechselnden Mitgliedern der nachfolgenden Generationen zusammensetzen. Paarungszeit ist im Februar und März, nach gut zwei Monaten Tragezeit werden durchschnittlich 4 bis 6 Junge geboren. Die Geschlechtsreife wird mit 10 Monaten erreicht. In den Folgemonaten verlassen die Jungwölfe das elterliche Rudel und suchen nach einem Geschlechtspartner und einem eigenen Territorium. Dabei wandern vor allem junge Rüden oft mehrere hundert Kilometer. Wölfe werden im Freiland nur selten älter als 10 Jahre.
Der Wolf hat ein sehr breites Nahrungsspektrum: Es reicht von Ratten und Mäusen bis zu Rehen, Rotwild, Wildschweine, selten auch Füchse oder Hasen. Schafe oder Ziegen stehen ebenfalls auf dem Speiseplan des Wolfes. Auch Aas verschmäht er nicht.
Raumnutzung
Jedes Rudel nutzt ein eigenes Territorium, dessen Größe von der verfügbaren Nahrung abhängt. In Polen betragen die Reviergrößen 150 bis 350 Quadratkilometer, ein radiotelemetrisch überwachtes Rudel in der Oberlausitz nutzte etwa 250 Quadratkilometer. Wölfe sind sehr anpassungsfähig und bevorzugen keine bestimmten Lebensraumtypen.
Der Wolf ist von Natur aus scheu und weicht dem Menschen aus: So passen sich Wölfe in ihrer Raumnutzung normalerweise an die Aktivität des Menschen an. Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen sind, werden nur in der Nacht genutzt.
Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben. In den letzten 50 Jahren sind in Europa neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland starben 2007 bis 2009 durch Insektenstiche 45 Menschen, seit 1989 gab es 40 Todesfälle durch Hunde.
Verhalten bei Begegnung mit einem Wolf
Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er flieht auch nicht - meist zieht sich das Tier gelassen und bedacht zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, beachten Sie bitte folgende Regeln:
- Haben Sie Respekt vor dem Tier.
- Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
- Falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
- Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
- Laufen Sie nicht hinterher.
- Füttern Sie niemals Wölfe - die Tiere könnten sich an den Menschen gewöhnen und dann eventuell aktiv die Nähe des Menschen aufsuchen.
Rechtliche Situation und Zuständigkeit
Der Wolf ist aufgrund seiner Einstufung im Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie der EU im Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt (§ 7 (2) Nrn. 13 und 14 BNatSchG). Es gelten Zugriffs-, Stör-, Besitz- und Vermarktungsverbote (§ 44 (1, 2) BNatSchG). Ausnahmen von diesen Schutzbestimmungen sind nur im Einzelfall und unter bestimmten Voraussetzungen möglich, z.B. zur Abwehr erheblicher Schäden (§ 45 (7) BNatSchG). Eine Ausnahme darf jedoch nur zugelassen werden wenn zumutbare Alternativen nicht gegeben sind und sich der Erhaltungszustand der Population einer Art durch den Abschuss nicht verschlechtert. Das letztgenannte Kriterium schließt eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung nahezu aus, da die Wolfspopulation in Bayern derzeit nur aus einem Tier besteht. Zulässig wäre jedoch ein Abschuss auf der Grundlage eines Notstands, wenn sich der Wolf gefährlich verhielte. Hierfür gibt es jedoch bisher keine Hinweise.
Der Wolf unterliegt ausschließlich dem Naturschutzrecht. Insofern liegt die Zuständigkeit für die Umsetzung aller naturschutzrechtlichen Regelungen bei den Naturschutzbehörden. Diese sind grundsätzlich für die Einhaltung aller Schutzvorschriften in ihrem Zuständigkeitsbereich zuständig.
Aktuelle Arbeiten
Derzeit wird intensiv an Lösungen für ein Nebeneinander von Mensch und Wolf gearbeitet. Schwerpunkte sind:
- Almaktionsplan
- Herdenschutz und Prävention
- Erarbeitung des Managementplans II (für wenige, standorttreue Tiere)
Weiterführende Informationen
Links
- Wölfe in Sachsen/Deutschland
- Wölfe in der Schweiz
- Herdenschutz: Informationen, Ansprechpartner, Beratung
