Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Saatkrähe

Saatkrähe am Boden Bild vergrössern Saatkrähe (Corvus frugilegus) – gut ist der hellgraue Schnabelansatz, eine wichtige Unterscheidung zur Rabenkrähe – zu erkennen. Foto: Hans-Joachim Fünfstück

Die Saatkrähe gehört zusammen mit der Raben- und Nebelkrähe sowie dem Kolkraben zur Gattung Corvus aus der Familie der Corvidae – Krähenverwandte.
Der Name Krähe stammt von altdeutschen Formen wie krawa oder kraja ab, was soviel wie "krächzen" heißt. Der wissenschaftliche Artname frugilegus bedeutet "Früchte sammelnd"; was sich bei der Saatkrähe sicher auf Feldfrüchte wie Getreidekörner bezieht. Sie ist nahezu genauso groß wie die Rabenkrähe, die sich im Alterskleid durch ihr rein schwarzes Gefieder deutlich von ihr unterscheidet. Die Jungvögel der Saatkrähe sind der Rabenkrähe allerdings sehr ähnlich, was sehr oft zu Verwechslungen der beiden Arten führt. Wie bei allen Krähenvögeln sind die Geschlechter äußerlich gleich. Das Gefieder der Saatkrähe ist schwarz und besitzt einen violetten Glanz (Rabenkrähe eher grünmetallisch). Das wichtigste Bestimmungsmerkmal ist die ungefiederte Schnabelwurzel, die bei den Altvögeln durch ihre hellgraue Färbung sehr deutlich erkennbar ist. Erst im Mittwinter verlieren die jungen Saatkrähen langsam die Federn an der Schnabelwurzel, und bekommen dann das typische Aussehen der Saatkrähe. Der Schnabel der Saatkrähen ist schlanker als der der Rabenkrähen, was das eckige Kopfprofil der Saatkrähe unterstreicht.

Durch die etwas längeren und tiefer gefingerten Schwingen ist die Saatkrähe im Flug recht gut von der Rabenkrähe zu unterscheiden. Als gesellig lebende Vogelart hat die Saatkrähe ein ausgeprägtes Sozialverhalten entwickelt.
Saatkrähen werden am Ende des zweiten Lebensjahres geschlechtsreif. Von Mitte März bis in den April hinein werden drei bis sechs Eier gelegt, die 16-19 Tage bebrütet werden. Das Männchen füttert während dieser Zeit das allein brütende Weibchen. Beide Partner füttern die Jungvögel ca. einen Monat im Nest. Nach dem Ausfliegen werden die flüggen Jungvögel noch mindestens vier bis sechs Wochen betreut.

Die Saatkrähe – Wintergast in Bayern

Saatkrähenschwarm Bild vergrössern Saatkrähenschwarm: Ein häufiger Anblick über den größeren Städten Bayerns vor allem im Winterhalbjahr. Foto: Rüdiger Kaminski

Besonders im Winterhalbjahr fallen innerhalb und in der Umgebung von München, Nürnberg, Augsburg, aber auch in anderen Städten Bayerns große Schwärme von Saatkrähen auf. Innerorts trifft man die Saatkrähe vor allem in der Nähe von Großparkplätzen, Schulen oder Grünanlagen an. Hier bedienen sich die Saatkrähen wie andere Rabenvögel auch an Essensresten, die oft reichlich zu finden sind. In Grünanlagen werden, wie auf Wiesen und Äckern, Boden bewohnende Kleinlebewesen erbeutet. Außerhalb der Ortschaften sind Wiesen die bevorzugten Nahrungshabitate. In der Regel sind in diesen Wintertrupps auch Dohlen vergesellschaftet. Während die Dohlen für die meisten Menschen keine Probleme darstellen sind die Saatkrähen angesichts der großen Schwärme und in Anbetracht des negativen Images als (schwarzer) Rabenvogel unheimlich. Vor allem früh morgens oder am Abend, wenn die Saatkrähen von ihrer Schlafplätzen kommen oder sich an diesen sammeln, fühlen sich manche Menschen in der Nachbarschaft der Plätze auch gestört.

Die Saatkrähe – seltener Brutvogel in Bayern

Vor mehr als 100 Jahren war die Saatkrähe auch ein häufiger und verbreiteter Brutvogel Bayerns. Der Bestand wurde um 1898 auf 10.425 Nester beziffert. Durch intensive Verfolgung – die Saatkrähe galt als Schadvogel für die Landwirtschaft –wurde der Bestand stark dezimiert und erreichte 1955 einen Tiefstand von nur noch 600 Brutpaaren. Die Saatkrähe brütet in Kolonien, die mehrere Hundert Brutpaare umfassen können. Die Bildung von Kolonien stellt eine Anpassung an den ursprünglichen Lebensraum, die baumarme Steppenlandschaft, dar. Als Vogelart mit starken, traditionellen Bindungen an ihre Brutplätze versuchte die Saatkrähe trotz der anhaltenden Verfolgung immer wieder, bestehenden Kolonien zu halten oder neue zu gründen.

Bayernkarte mit Verbreitungsgebieten der Saatkrähen Bild vergrössern Verbreitung der Saatkrähe in Bayern auf der Grundlage der ADEBAR-Kartierung 2005-2009

Erst mit in Kraft treten des Bundesnaturschutzgesetzes wurde am 01.01.1977 die Saatkrähe unter Schutz gestellt; in der Folge trat eine langsame Bestandserholung ein, die bis heute anhält. Die Anlage von Kolonien in der Feldflur gilt aber vielen Landwirten und Jägern immer noch als problematisch und immer wieder kommt es zu illegalen Verfolgungen oder Störungen an den Kolonien. Die Saatkrähe hat daraus gelernt und siedelte sich nach und nach immer häufiger im direkten Umfeld des Menschen, d.h. innerhalb der Ortschaften, in denen keine Jagd ausgeübt wird, an. Bevorzugte Brutplätze sind hier Parks und andere Grünanlagen und Baumbestände. Autoverkehr oder Spaziergänger nehmen die Vögel nicht als Gefahren war, selbst wenn sie sich direkt unter den Nestern aufhalten.

Saatkrähen sind aufgrund ihres sozialen Verhaltens sehr kommunikationsfreudig. Viele Krähen können viel Lärm erzeugen. Deshalb verursacht die Besiedelung von Ortschaften in manchen Fällen Probleme mit den Anwohnern. Dies ist zwar meist nur auf die Monate März bis Mai beschränkt, die Probleme sind jedoch für die direkten Anwohner von großen Kolonien gravierend. Die Folge sind sowohl legale (durch die Naturschutzbehörden genehmigte Maßnahmen zur Minderung der Beeinträchtigungen) als auch häufig illegale Übergriffe in Eigeninitiative, die zur Zerstörung einzelner Koloniestandorte bzw. zur Vertreibung der Vögel führen. Dies bedeutet aber in der Regel eine Aufsplitterung der Kolonien in mehrere Teilkolonien und somit häufig eine Verlagerung und Vervielfachung der Probleme.

Monitoring

Bild vergrössern Prozentualer Anteil der Brutpaare 2013 in den Regierungsbezirken; Grafik: LfU

Aus den vergangenen Jahrzehnten gibt es nur einzelne Zählungen des landesweiten Brutbestandes, u.a. die landesweiten Erfassungen 1986, 1996 und 2008, die im Auftrag des LfU durch den Landesbund für Vogelschutz e.V. organisiert wurden.
Seit 2009 wird die jährliche Zählung der Kolonien und Brutpaare ehrenamtlich durchgeführt und durch Frau Hilde Abold, Weilheim, koordiniert.

Die Ergebnisse werden dem LfU und den Naturschutzbehörden in Form eines Datenankaufes zur Verfügung gestellt.

Das Monitoring erweist sich zunehmend schwieriger, da die Zahl der Kolonien durch die Aufsplitterungen nach Vergrämungsaktionen zunimmt.

Problembewältigung

Die zunehmenden Konflikte mit Saatkrähenkolonien in Städten haben das bayerische Umweltministerium veranlasst, das Landesamt für Umwelt mit der Suche nach Lösungswegen zu beauftragen. Das "Konzept zum Umgang mit Saatkrähenkolonien in Bayern" soll den fachlichen Rahmen aufzeigen und ein einheitliches Vorgehen gewährleisten. Es zeigt, dass jeder Fall gesondert betrachtet werden muss und die Erfolgsaussichten bei einem abgestimmten und langfristig geplanten Vorgehen größer sind. Kernstück des Konzepts ist die Empfehlung für ein abgestuftes Vorgehen bei der Konfliktanalyse. Eine allgemeine, pauschale Lösung zur Behebung von Konflikten ist leider nicht möglich. In vielen Fällen erscheint es als das geringere Übel, vorübergehende Beeinträchtigungen durch Lärm zu ertragen, als sich der Gefahr auszusetzen, die Probleme nur zu verlagern.

Ein Beispiel für einen unproblematischen Standort mit allenfalls leichten Beeinträchtigungen, die während der Brutzeit auftreten, ist die Kolonie am zentralen Königsplatz in Augsburg mit ca. 130 Brutpaaren im Mittel der letzten fünf Jahre. Der Park am Königsplatz ist von verkehrsreichen Straßen umgeben, das Krächzen der Krähen geht im Verkehrslärm unter. Probleme entstehen durch die Verschmutzung von Parkbänken. Der Vorschlag lautet, daher, die Parkbänke unter Bäume ohne Nester zu platzieren. 2012/13 wurde der Platz umgestaltet, was auch erhebliche Eingriffe in den Baumbestand nach sich zog – etwa 70 Bäume mussten gefällt werden. Die Saatkrähenkolonie hat Rodungen und Bauarbeiten erstaunlich gelassen genommen. 2013 war brüteten nur geringfügig weniger Paare (120) und am 20.03.2014 hatten auch bereits wieder 100 Brutpaare Nester bezogen.

Informationstafel Bild vergrössern Informationstafel während der Umbauphase am Königsplatz in Augsburg; Foto: Bernd-Ulrich Rudolph

Vorbildhaft bemüht sich die Stadt Augsburg um die Erhaltung der Kolonie im Zuge des Umbaus des Straßenbahnknotenpunktes am Königsplatz und bezog eindeutig Stellung für die geschützten Saatkrähen, auch wenn das Foto auf dem Schild einen Kolkraben zeigt.

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