Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Haselmaus (Muscardinus avellanarius)

Rote Liste Bayern:
Rote Liste Deutschland: Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt
561720
Foto: Peter Schild

Verbreitung und Bestandssituation

Die Haselmaus ist - mit Lücken in Norddeutschland - über das gesamte Mitteleuropa verbreitet. Das osteuropäische Areal setzt sich bis zum Mittellauf der Wolga fort. Im Mittelmeergebiet und an der Ostsee finden sich Vorkommen auf Inseln, autochthone Vorkommen gibt es außerdem in England, Teilen Dänemarks und Südschwedens (Bitz & Thiele 2003). Die meisten Nachweise in Deutschland stammen aus den laubholzreichen Mittelgebirgen Süd- und Südwestdeutschlands.

In Bayern sind Haselmäuse landesweit verbreitet. Besonders hohe Nachweisdichten gibt es in Nordwest- und Ostbayern, in der Frankenalb und Teilen des Alpenvorlandes. Weil es aber keine aktuellen systematischen, d. h. flächendeckenden Untersuchungen gibt, ist unklar, ob die Lücken Insbesondere im Tertiärhügelland Kenntnisdefizite darstellen. In den überwiegend landwirtschaftlich genutzten (waldarmen) Gäuen sowie in von Kiefernforsten dominierten bodensauren Gebieten dürfte die Art aber heute tatsächlich selten sein oder gebietsweise fehlen.Ob Bestandsrückgänge wie sie aus Hessen oder auch aus England gemeldet werden auf Bayern übertragen werden können, ist nicht bekannt.

Fundortkarte

Haselmaus (Muscardinus avellanarius)

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5525 Gersfeld (Rhön)
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5534 Lehesten
5624 Bad Brückenau
5625 Wildflecken
5626 Sandberg
5628 Bad Königshofen i.Grabfeld
5629 Römhild
5630 Bad Rodach
5631 Meeder
5634 Teuschnitz
5635 Nordhalben
5723 Altengronau
5724 Zeitlofs
5725 Stangenroth
5726 Bad Kissingen Nord
5727 Münnerstadt
5728 Oberlauringen
5729 Alsleben
5731 Coburg
5735 Schwarzenbach a.Wald
5736 Helmbrechts
5821 Bieber
5823 Burgsinn
5824 Gräfendorf
5825 Hammelburg
5826 Bad Kissingen Süd
5827 Maßbach
5828 Stadtlauringen
5829 Hofheim i.UFr.
5830 Pfarrweisach
5921 Schöllkrippen
5923 Rieneck
5925 Gauaschach
5926 Geldersheim
5927 Schweinfurt
5928 Obertheres
5929 Haßfurt
6022 Rothenbuch
6023 Lohr a.Main
6024 Karlstadt
6025 Arnstein
6026 Werneck
6027 Grettstadt
6028 Gerolzhofen
6029 Knetzgau
6030 Eltmann
6122 Bischbrunn
6123 Marktheidenfeld
6124 Remlingen
6125 Würzburg Nord
6128 Ebrach
6129 Burgwindheim
6131 Bamberg Süd
6133 Muggendorf
6137 Kemnath
6138 Erbendorf
6221 Miltenberg
6226 Kitzingen
6227 Iphofen
6228 Wiesentheid
6229 Schlüsselfeld
6232 Forchheim
6233 Ebermannstadt
6240 Flossenbürg
6327 Markt Einersheim
6328 Scheinfeld
6425 Röttingen
6427 Uffenheim
6440 Moosbach
6441 Eslarn
6527 Burgbernheim
6528 Marktbergel
6531 Fürth
6533 Röthenbach a.d.Pegnitz
6540 Oberviechtach
6628 Leutershausen
6632 Schwabach
6640 Neunburg vorm Wald
6641 Rötz
6727 Schillingsfürst
6740 Neukirchen-Balbini
6741 Cham West
6743 Neukirchen b.Hl.Blut
6830 Gunzenhausen
6839 Nittenau
6840 Reichenbach
6841 Roding
6844 Lam
6938 Regensburg
6939 Donaustauf
6940 Wörth a.d.Donau
6941 Stallwang
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
7029 Oettingen i.Bay.
7031 Treuchtlingen
7032 Bieswang
7033 Titting
7036 Riedenburg
7037 Kelheim
7039 Mintraching
7040 Pfatter
7043 Ruhmannsfelden
7044 Regen
7046 Spiegelau
7131 Monheim
7136 Neustadt a.d.Donau
7140 Geiselhöring
7144 Lalling
7145 Schöfweg
7146 Grafenau
7147 Freyung
7148 Bischofsreut
7230 Donauwörth
7231 Genderkingen
7232 Burgheim Nord
7236 Münchsmünster
7245 Schöllnach
7248 Jandelsbrunn
7329 Höchstädt a.d.Donau
7330 Mertingen
7331 Rain
7342 Landau a.d.Isar
7427 Sontheim a.d.Brenz
7441 Frontenhausen
7448 Untergriesbach
7529 Zusmarshausen
7530 Gablingen
7531 Gersthofen
7537 Moosburg a.d.Isar
7630 Westheim b.Augsburg
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7742 Altötting
7832 Türkenfeld
7836 München-Trudering
7837 Markt Schwaben
7840 Kraiburg a.Inn
7842 Burghausen
8031 Denklingen
8037 Glonn
8136 Holzkirchen
8238 Neubeuern
8243 Bad Reichenhall
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8338 Bayrischzell
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8435 Fall
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Die Haselmaus kann verschiedenste Waldtypen besiedeln. Sie gilt als eine Charakterart artenreicher und lichter Wälder mit gut ausgebildeter Strauchschicht. In Haselmauslebensräumen muss vom Frühjahr bis zum Herbst ausreichend Nahrung vorhanden sein, die aus Knospen, Blüten, Pollen, Früchten und auch kleinen Insekten besteht. Wichtig sind energiereiche Früchte im Herbst, damit sich die Tiere den notwendigen Winterspeck anfressen können.

Haselmäuse sind Bilche und können im Unterschied zu echten Mäusen keine Gräser und Wurzen verdauen; sie sind damit gezwungen, einen Winterschlaf zu halten. Dieser dauert je nach Witterung von Oktober/November bis März/April.

Die Tiere bauen kugelige Nester mit seitlichem Eingang aus fest gewebtem Gras und Blättern. Diese werden in Höhlen, auch künstlichen (Vogelnistkästen), in dichtem Blattwerk (z. B. Brombeerbüschen) oder in Astgabeln der Strauch- oder Baumschicht ab ca. 0,5 - 1 m Höhe bis in die Wipfel angelegt. Überwintert wird in einem speziellen Winterschlafnest zumeist unter der Laubstreu oder in Erdhöhlen, aber auch zwischen Baumwurzeln oder in Reisighaufen.

Adulte Haselmäuse sind sehr ortstreu und besetzen feste Streifgebiete. In den meisten Lebensräumen kommen sie natürlicherweise nur in geringen Dichten (1-2 adulte Tiere / ha) vor. Die Tiere können bis zu sechs Jahre alt werden, die Weibchen bekommen allerdings nur ein- bis zweimal pro Jahr Nachwuchs, und dann auch nur höchstens vier bis fünf Junge.

Haselmäuse sind nachtaktiv und bewegen sich meist weniger als 70 m um das Nest. Dabei sind sie fast ausschließlich in der Strauch- und Baumschicht unterwegs. Gehölzfreie Bereiche können daher für die bodenmeidende Art bereits eine Barriere darstellen. Erschließungslinien im Wald werden meist nur bei Astkontakt im Kronenbereich gequert.

Anders als die übrigen Bilche wie Garten- oder Siebenschläfer galt die Haselmaus lange Zeit als sehr störungsempfindlich (vor allem lichtscheu!). Dies wurde inzwischen jedoch durch "näheres Hinsehen" gründlich widerlegt. So berichten bereits Juskaitis & Büchner (2010) von Haselmäusen nicht nur am Rand, sondern auch innerhalb von menschlichen Siedlungen. Haselmäuse entlang von Straßen sind schon länger bekannt. Im Zuge des FFH-Monitorings in Hessen wurden dann im Jahr 2010 Nester unmittelbar an einem Autobahnkreuz gemeldet; sie besiedelt dort durchgehende Begleitgehölze entlang der Fahrbahnen sowie flächige Gehölzbestände in den Auffahrtsschleifen. Untersuchungen (Schulz et al. 2012) belegen inzwischen regelmäßige Vorkommen der Haselmaus in Gehölzen entlang von Straßen einschließlich Autobahnen, sofern diese zumindest teilweise an größere Wälder anschließen. obwohl hier erhebliche Störungen durch Licht, Lärm, Emissionen und Luftwirbel vorhanden sind. In England wurden sogar Haselmausvorkommen im Mittelstreifen von Autobahnen (Chanin & Gubert 2012) gefunden; damit diese Populationen überleben können, müssen die Straßen regelmäßig gequert werden, was auch durch Telemetrie nachgewiesen wurde!

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Verluste von lichten, gebüschreichen Lebensräumen durch Aufforstungen, Entfernen von Waldrändern, Rodung von Hecken und Feldgehölzen
  • Schäden an der Strauchschicht sowie Verluste an beerentragenden Straucharten
  • Zerschneidung von Lebensräumen z.B. durch Straßenbau
  • großflächige Verwendung von Rodentiziden.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Erhaltung und Entwicklung lichter, gebüsch- und strukturreicher Laubmischwälder und deren Ränder (Außen- wie Innenränder)
  • Erhalt von großräumigen, unzerschnittenen Waldlebensraumkomplexen
  • Erhalt von Biotopbäumen (v. a. Höhlenbäumen) und stehendem Totholz
  • Etablierung von Grünbrücken mit durchgehendem Gehölzbewuchs
  • Erhalt von Sukzessionflächen im Wald (z. B. Windwurfflächen)
  • Förderung der Strauchschicht (z. B. durch Lochhiebe)
  • Berücksichtigung möglicher Winterquartiere in der Bodenvegetation am Trassenrand, d. h. bei Straßenverbreiterungen oder Bahndammsanierungen Baufeldfreimachung erst nach dem Ende des Winterschlafs, sodass die Tiere flüchten können.

Sonstige Hinweise

Kleinere Bestände können nur in Kontakt mit benachbarten Vorkommen überleben. Die Mindestgröße für eine eigenständig überlebensfähige Population wird mit 20 ha Waldfläche angegeben.

Nachweise gelingen leicht mittels Haarfallen oder Nisthilfen (Nistkästen, Niströhren, "Haselmaustubes", s. Bright et al. 2006) erfolgen.

Ergänzende Informationen

Literatur

Bright P., P. Morris & T. Mitchell-Jones (2006): The dormouse conservation handbook (second edition). - English Nature, Peterborough.

Chanin P. & L. Gubert (2012): Common dormouse (Muscardinus avellanarius) movements in a landscape fragmented by roads. - Lutra 55 (1): 3-15.

Hessen-Forst FENA (Hrsg.) (2007): Die Haselmaus in Hessen - Verbreitung, Nachweismethoden und Schutzmaßnahmen. - Gießen.

Juskaitis R. & S. Büchner (2010): Die Haselmaus. - Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 670, Westarp Wissenschaften - Hohenwarsleben

Schulz B., S. Ehlers, J. Lang & S. Büchner (2012): Hazel dormice in roadside habitats. - Peckiana 8: 49-55.

Themen

Service

Wir

Presse