Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Begriff der Potentiellen Natürlichen Vegetation (PNV)

Die potentielle natürliche Vegetation (PNV) stellt einen gedachten Zustand dar, bei dem die abiotische Qualität des Standortes (Boden- und Klimafaktoren) in Beziehung gesetzt wird zu der jeweils zugeordneten, als höchstentwickelbar zu denkenden Vegetation. Der direkte Einfluss des Menschen auf die Vegetationsentwicklung wird dabei gedanklich ausgeblendet und es verbleibt nur das Beziehungsgefüge zwischen Vegetation und der Summe der Standortfaktoren. Letztere können gegenüber dem ursprünglichen Zustand vom Menschen deutlich abgewandelt sein, sei es durch Beeinflussung des Grundwasserhaushaltes oder der Flussdynamik, dauerhafte Aufdüngung und mehr. Die PNV folgt einem aktualistischen Ansatz und kann für unterschiedliche Zeitstellungen entworfen werden. Die vorliegende Karte beschreibt die "heutige" PNV auf der Grundlage vegetationskundlicher Forschungen vor allem seit 1950 sowie von Kartierungen etwa von 1990–2005.

Das Konzept der PNV wurde erstmals von TÜXEN (1956) als Gesamtkonzept formuliert. TRAUTMANN (1966) stellte noch einmal die Beziehung zwischen PNV und Standort heraus, d.h. jede PNV-Einheit repräsentiert eine Standortqualität, deren Amplitude auch vom gewählten Maßstab abhängt. Weitere theoretische Überlegungen zum PNV-Konzept wurden v.a. von KOWARIK (1987) und HÄRDTLE (1990), unter besonderer Berücksichtigung der bayerischen Vegetationsverhältnisse auch von JANSSEN & SEIBERT (1991) sowie von SEIBERT & CONRAD-BRAUNER (1995) angestellt. LINDACHER (1996) wies nach, dass PNV-Karten grundsätzlich nicht verifiziert ("bewiesen"), sondern allenfalls falsifiziert werden können. Außerdem entwickelte er ein Verfahren, wie die PNV mittels eines mathematischen Simulationsmodells aus standörtlichen Daten abgeleitet werden kann.

Die PNV als Ausdruck bestimmter Standortsqualitäten wird in einem Expertenkonsens festgelegt, der auf allgemein bekannten Zusammenhängen wie auf konkreten Einzelerfahrungen beruht. Sie ändert sich nicht nur bei Veränderungen des Standortes, sondern auch bei zunehmender wissenschaftlicher Erkenntnis. Die vorgelegte Karte erhebt keinen Anspruch auf Endgültigkeit, sondern fasst den Kenntnisstand für Bayern zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einer Gesamtdarstellung zusammen.