Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Nachwachsende Rohstoffe und Auswirkungen auf Natur und Landschaft

Was sind Nachwachsende Rohstoffe?

Nachwachsende Rohstoffe sind organische Stoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs, die der energetischen und stofflichen Verwertung außerhalb des Nahrungs- und Futtermittelsektors dienen.

Für die energetische Verwertung nachwachsender Rohstoffe werden derzeit vornehmlich folgende pflanzliche Rohstoffe angebaut bzw. genutzt:

  • Mais (überwiegend zur Verwertung in Biogasanlagen)
  • Raps (überwiegend zur Herstellung von Biodiesel)
  • Getreide (überwiegend als Ganzpflanzensilage für Biogasanlagen)
  • Holz (vor allem in der Form von Hackschnitzeln und Pellets)

Nachwachsende Rohstoffe können durch den Ersatz fossiler Rohstoffe grundsätzlich zu einer Verminderung der Treibhausgasemissionen beitragen. Darüber hinaus verringert ihr Einsatz die Abhängigkeit von endlichen fossilen Ressourcen.

Förderung und Entwicklung

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Zu diesem starken Anstieg führte insbesondere das Erneuerbare-Energien-Gesetz, mit den Novellierungen von 2004 und 2009.

In Bayern sind die nachwachsenden Rohstoffe die tragende Säule der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien. So betrug der Anteil der Biomasse am Gesamtbeitrag der Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch in Bayern im Jahr 2007 rd. 70 % (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Energiebilanz Bayern).

Die private und gewerbliche Wärmenutzung von Holz und Holzverarbeitungsprodukten (u. a. Hackschnitzel und in den letzten Jahren zunehmend auch Holzpellets) stehen dabei an erster Stelle. Laut Branchenverbänden stehen 43 % aller in Deutschland verkauften Holzpelletheizungen in Bayern. Die gestiegene Nachfrage führte zu einer starken Ausweitung der Produktionskapazitäten bei den Herstellern, die mittlerweile nicht nur Abfälle der Sägeindustrie verwerten, sondern zunehmend auch auf Waldhackschnitzel zurückgreifen müssen.

Eine flächenmäßig besonders wichtige Rolle unter den nachwachsenden Rohstoffen nimmt die Biogasproduktion in Bayern ein. Seit 2004 hat sich der Bestand an Biogasanlagen nahezu verdoppelt. Mittlerweile stehen etwa 1.600 Biogasanlagen in Bayern (Stand: 2009). Dies entspricht etwa einem Drittel aller Anlagen in Deutschland. Biogasanlagen werden überwiegend mit Maissilage betrieben, wobei auch andere organische Stoffe, insbesondere Gülle als Biogas-Substrat verwendet werden.

Auswirkungen auf Natur und Landschaft

Die starke Zunahme des Anbaus und der Nutzung nachwachsender Rohstoffe birgt Chancen und Risiken für Natur und Landschaft. Aus naturschutzfachlicher Sicht können folgende positive Auswirkungen auftreten:

  • CO2-neutrale energetische Nutzung. Die CO2-Emission bei der energetischen Nutzung entspricht grundsätzlich dem Anteil an CO2, den die Pflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat.*
  • Reduzierung des Einsatzes von mineralischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln
  • Sinnvolle energetische Verwertung von Material (wie Grünlandaufwuchs, Heckensschnitt) aus der Landschafts- und Biotoppflege
  • Erhöhung der Vielfalt bei den Fruchtfolgen und Flächennutzungen (z. B. durch Anbau alter Kultursorten, wie Flachs, Lein; Erhalt artenreichen Grünlandes, Anbau von Mischkulturen wie Sonnenblumen und Mais)

* Die energetische Nutzung von Biomasse ist nicht vollständig klimaneutral, da auch bei der Produktion und Weiterverarbeitung energiebedingte CO2-Emissionen entstehen.

Mögliche nachteilige Auswirkungen des Anbaus nachwachsender Rohstoffe können sein:

  • Erhöhung des Risikos von Bodenstrukturschäden, Bodenabtrag, negative Humusbilanz, Nährstoffeintrag in Gewässer, Reduzierung der Biodiversität und der Vielfalt der Kulturlandschaft durch die Ausdehnung der Anbauflächen, insbesondere von Mais sowie eine weitere Intensivierung der Nutzung.
  • Rückgang der Artenvielfalt durch die Intensivierung von Flächen, z. B. durch Umwidmung von Stilllegungsflächen, Grünlandumbruch und den Verlust von Kleinstrukturen in der landwirtschaftlichen Flur;
  • Beanspruchung naturschutzfachlich bedeutsamer Lebensräume z. B. durch den Energiepflanzenanbau;
  • Monotonisierung des Landschaftsbildes durch große Flächen mit Nawaros, z. B. Mais;
  • Überprägung von traditionellen Kulturlandschaften;
  • Beeinträchtigung der Erholungsfunktion der Landschaft.

Bei der Bewertung von positiven und negativen Auswirkungen des Anbaus nachwachsender Rohstoffe auf Natur und Landschaft ist grundsätzlich kein gravierender Unterschied zum konventionellen Nahrungs- und Futtermittelanbau festzustellen. Die Hauptprobleme liegen demnach nicht im Anbau von Energiepflanzen selbst, sondern in den Auswirkungen, die sich mit der Intensivierung der Flächennutzung einstellen. Diese umfassen die Bereiche Betriebsmitteleinsatz, Verengung der Fruchtfolge, Erhöhung der Nutzungshäufigkeit des Grünlandes, Nutzung bis an die Gemarkungsgrenzen, Wiederinkulturnahme von Stilllegungsflächen und Grünlandumbruch.

Empfehlungen zur nachhaltigen Bereitstellung

Die Bundesregierung hat die Nachhaltigkeitsanforderungen der EU-Richtlinie Erneuerbare Energien in zwei Verordnungen umgesetzt, die 2009 in Kraft getreten sind. Ab 1. Juli 2010 müssen Energieerzeuger nachweisen, dass die zur Strom- und Kraftstofferzeugung eingesetzte Biomasse nicht zur Zerstörung ökologisch wertvoller Flächen beiträgt und sich der Treibhausgas-Ausstoß durch die Verwendung deutlich vermindert.

Über die Zertifizierung hinausgehend besteht jedoch Handlungsbedarf auf regionaler Ebene, insbesondere dann, wenn bereits negative Effekte auf Natur und Landschaft aufgetreten sind. Es gilt, einen ausreichend großen Anteil an ökologisch und landeskulturell bedeutsamen Flächen zu erhalten und den Landschaftscharakter und seine ökologischen Funktionen zu bewahren. Der Grünlandumbruch sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Weitere Möglichkeiten, die Belange der Energieproduktion mit den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes in Einklang zu bringen, stellen die bessere Verwertung von Materialien aus der Landschaftspflege sowie die Verwertung von Rest- und Abfallstoffen dar.

Einen wichtigen Baustein stellen hierfür Agrarumweltmaßnahmen wie das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) und das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) dar. Die zukünftige Sicherung und Verstärkung der Mittel sind unabdingbar für die kontinuierliche Erbringung von Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft.

Damit der verstärkte Anbau von nachwachsenden Rohstoffen in Zukunft nicht zu Lasten der Umwelt geht, haben die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und das Bayerische Landesamt für Umwelt im Auftrag des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums gemeinsam Anbau- und Nutzungsempfehlungen für Energiepflanzen erarbeitet.

Diese Empfehlungen können beim Landesamt für Umwelt bezogen werden.