Moorschutz in Bayern
Moore gehören zu den wertvollsten Lebensräumen der bayerischen Landschaft. Sie sind charakteristische, unverzichtbare Bestandteile unseres Naturerbes.
Naturnahe Niedermoore und insbesondere Hoch- und Übergangsmoore sind einzigartige „Hotspots“ der Arten- und Lebensraumvielfalt; sie sind von großer Bedeutung für den Klimaschutz und für den regionalen Landschaftshaushalt.
Von der Moorentwicklung zum Klimaprogramm
Moore leisten einen wertvollen Beitrag zum Schutz hoch bedrohter Tier- und Pflanzenarten, zum Erhalt einer besonders vielfältigen Biodiversität, verfügen je nach Erhaltungszustand und Lage über ein enormes Wasserrückhaltevermögen und tragen durch ihre hohen Kohlestoffvorräte sehr wesentlich zum Klimaschutz bei. Durch die Bindung des Kohlenstoffs in Form eingelagerter Pflanzenreste, dem Torf, speichern Moore große Mengen an Kohlenstoff und wirken somit als klimafreundliche Stoffsenke: Moorschutz ist in besonderem Maße auch Klimaschutz.
Moore können diese wichtigen Funktionen im Naturhaushalt nur in einem intakten Zustand erfüllen. Die meisten bayerischen Moore werden diesen Bedingungen heute nicht mehr gerecht. Durch die Entwässerung und "Kultivierung" von Mooren entstanden zwar vielfach geeignete Flächen für die Land- und Forstwirtschaft. Durch die Zersetzung der einst unter Luftabschluss eingelagerten Pflanzen entsteht jedoch insbesondere Kohlendioxid. Jeder Hektar entwässertes Hochmoor setzt im Jahr die gleiche Menge an Kohlendioxid frei wie ein Mittelklassewagen mit einer Fahrtleistung von 20.000 km. Außerdem verlieren Moore durch die Torfzersetzung ihre Substanz und sacken zusammen.
Über die bisher schon geleistete Renaturierungsarbeit der Naturschutzbehörden, der Staatsforstverwaltung sowie der Bayerischen Staatsforsten und der Naturschutzverbände hinaus, besteht die Notwendigkeit einer durchgreifenden Verbesserung und Weiterentwicklung der Erhaltungszustände der Moore.
Das LfU hat im Jahr 2003 dazu die fachliche Grundlage geschaffen und das fach- und ressortübergreifende Moorentwicklungskonzept Bayern, kurz MEK erstellt. Die praktische Umsetzung des Moorschutzes erfolgt durch die Naturschutz- und Forstbehörden sowie die Naturschutz- und Landschaftspflegeverbände mit unterschiedlichen Förderungen angelehnt an das Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP).
- Das Moorentwicklungskonzept MEK als Vorläufer eines erweiterten Moorschutzprogramms für Bayern - PDF
Mit dem von der Bayerischen Staatsregierung 2008 aufgestellten Klimaprogramm Bayern KLIP 2020 und den dafür eingestellten Sondermitteln übernahm das LfU die Koordination zur inhaltlichen Erweiterung des Moorschutzes, um insbesondere auch eine Reduktion an Treibhausgasen zu bewirken.
Mit dem Ziel, das Moorentwicklungskonzept zu einem Bayerischen Moorschutzprogramm weiter zu entwickeln, befassen sich das LfU – Referat Arten und Lebensraumschutz, die zuständigen Naturschutzbehörden und das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, im Verbund mit den Naturschutzverbänden sowie den Erkenntnissen der Landesanstalten der Land- und Forstwirtschaft und den Erfahrungen der Bayerischen Staatsforsten.
Zur Entwicklung der Übergangs- und Hochmoore im Chiemgau zwischen den Jahren 1969-72 und 2010 wurde eine vergleichende Untersuchung durchgeführt. Die Auswertung und Aufarbeitung der aktuellen Wiederholungskartierung in den südostbayerischen Mooren mit dem Schwerpunkt im Chiemgau durch Gislher Kaule und Alexander Peringer wurde aus Mitteln des Bayerischen Landesamtes für Umwelt - Moorrenaturierung im Klimaprogramm 2020 gefördert.
Das Landesamt für Umwelt erstellte aus der Übersichtsichtsbodenkarte Bayern (ÜBK25) eine neue Karte über die Verbreitung der Moorböden. Diese Daten bilden auch die Grundlage für die erstmalige Aufstellung einer geplanten bundesweiten Verbreitungskarte Organischer Böden. Mit der neuen Moorkarte erfährt die Arbeit im Moor- und Klimaschutz in Bayern eine wesentliche Datengrundlage, auch für den Fördervollzug.
Die Auswahl der Böden für die neue Moorkarte richtet sich nach den GUIDELINES 2006 des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) und umfasst alle Boden- bzw. Substrattypen ab 9% C-org (=15 % und mehr Humusanteil) und nennt die Bodentypen Hochmoor, Niedermoor und Anmoor. Somit werden bundeseinheitliche Standards für die Meldung der organischen Böden und zugleich für die Aufstellung der neuen Moorkarte Bayerns festgelegt.
Mittelfristig ist beabsichtigt, die der Karte zugrundeliegenden Daten auch im Maßstab 1:25.000 zur Verfügung zu stellen.
Weiterführende Informationen
Links zu anderen Angeboten
- Niedermoor im Donaumoos – Bayerns Boden des Jahres 2012
- vTi Johann Heinrich von Thünen-Institut: Klimaschutz durch Moorschutz in der Praxis
- Allgäuer Moorallianz: chance.natur-Projekt
- Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen: Eine neue strategische Gesamtkonzeption
- Leihausstellung "Moore und Klimaschutz"
