Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Strukturreiche Lebensräume in der Agrarlandschaft

Die in der Landschaftsplanung vielfach angestrebte Strukturanreicherung in der Agrarlandschaft wird auch im Rahmen anderer Konzepte umgesetzt.

Projektbeschreibung

Mehr als 1200 Hektar neuer Lebensräume für Wildtiere sind 2003 in neun ausgewählten strukturarmen und intensiv genutzten bayerischen Landkreisen anhand des Pilotprojektes des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten entstanden.
Landwirte und Jäger gehen eine Partnerschaft ein, indem Maßstäbe für eine wildtierfreundliche Landbewirtschaftung gesetzt werden.

Mohnfeld
Getreidefeld mit Mohnfeld am Rand

Durch Mulchsaaten, die Einsaat von Stilllegungsflächen und die Pflanzung von knapp 1000 Obstbäumen sowie Hecken aus rund 22 500 Gehölzen wurden in den waldarmen Regionen wertvolle Deckungs- und Äsungsflächen für Wildtiere geschaffen. Das Pilotprojekt wurde im April 2004 vom Bayerischen Landwirtschaftsminister Josef Miller verlängert, um auch 16 benachbarte, ähnlich strukturierte Landkreise dafür zu gewinnen.

Lebensraum Agrarlandschaft

Auch wenn die Verteilung von Wald und Feld seit dem Mittelalter weitgehend unverändert ist, hat die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten 50 Jahren den Charakter der Landschaft grundlegend verändert. Sinkende Produktpreise haben die Landwirte seit Anfang der siebziger Jahre gezwungen immer kostengünstiger, auf größeren Bewirtschaftungseinheiten zu produzieren. Die Veränderungen in der Agrarlandschaft waren drastisch, so dass die Vielfalt der Strukturen, Lebensräume und Nischen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verloren gingen.

Beispiele für Nutzungsänderungen:

  • Entmischung von Acker- und Grünlandbewirtschaftung
  • Umwandlung von Grünland in Acker
  • Dominanz einiger konkurrenzfähiger Hauptfruchtarten
  • Vergrößerung der Schläge
  • Drainage von Feuchtflächen
  • Aufgabe fast aller Strukturelemente wie Hecken, Einzelbäume, Feldraine etc.
  • fast schlagartige Ernte von Getreide und Mais

Deshalb gilt es zu hinterfragen, wo im Rahmen der normalen Betriebsführung und der Betriebsoptimierung neue Wildtierlebensräume entstehen können.
Dies hat sich das Pilotprojekt zur Aufgabe gemacht und beispielhafte Wege aufgezeigt.

Schritte zur Schaffung von Wildtierlebensräumen

Von der Flächenstilllegung zur Buntbrache

Das enorme Flächenpotenzial durch Stilllegungen sowie geeignete Gestaltungsmöglichkeiten gilt es zu nutzen: Von der Sukzessionsfläche über die konventionelle Begrünung mit Kleegras bis hin zu Spezialmischungen zur Deckungsverbesserung ist grundsätzlich alles "erlaubt" und geeignet, neuen Lebensraum zu schaffen.

Zwischenfruchtanbau mit Breitenwirkung

Mit verschiedenen Agrarumweltprogrammen wird seit längerem der Anbau von Zwischenfrüchten nach der Ernte gefördert. Ziel ist dabei vor allem die Verminderung von Erosion, der Schutz des Grundwassers, aber auch die Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Gleichzeitig steigt das Äsungsangebot und die Deckungsfunktion für Wildtiere.

Extensive Flächenbewirtschaftung

Im Kulturlandschaftsprogramm Teil A werden den Bewirtschaftern finanzielle Anreize gegeben, Flächen über einen Mindestzeitraum extensiv zu bewirtschaften. In sogenannten "ökologischen Konzepten" werden mit den Landwirten gezielte Bewirtschaftungsformen festgelegt. Möglich sind z. B. die Umwandlung von Acker in Grünland, extensive Grünlandnutzung (später Schnitt) oder die Pflanzung von Streuobst und Hecken.

Lebensadern mit vielen Funktionen

Hecken und Feldgehölze zählen zu den wertvollsten Strukturelementen in der Kulturlandschaft. Sie vernetzen Lebensräume und stellen dauerhaft wichtige Rückzugsräume für vielfältige Lebensgemeinschaften (Insekten, Reptielien, Kleinsäuger etc.) dar. Ein besonderer Stellenwert kommt ihnen als Brut- und Nahrungsraum für zahlreiche Vogelarten zu.

Partnerschaft

Erfolgreich umsetzen lassen sich die beschriebenen Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung vor allem dann, wenn Landwirte und Jäger gemeinsam einen Beitrag leisten. Denn die Maßnahmen tragen auch zur Werterhaltung und Wertsteigerung der Jagdreviere bei. Im Gegensatz zu den übrigen dargestellten Möglichkeiten zur Strukturverbesserung ist die Einsaat von Stilllegungsflächen mit Buntbrachemischungen nicht Bestandteil landwirtschaftlicher Förderprogramme. Im Projekt "Strukturreiche Lebensräume in der Agrarlandschaft" hat der bayerische Landesjagdverband - befristet für die Jahre 2003 und 2004 - Mittel für einen Ausgleich der Mehraufwendungen der Landwirte zur Verfügung gestellt.

Umsetzung des Pilotprojektes im Landkreis Regensburg

Ist-Zustand im Landkreis Regensburg südlich der Donau

Das Donautal und der Gäuboden südöstlich von Regensburg wird aufgrund bester landwirtschaftlicher Produktionsbedingungen seit jeher intensiv landwirtschaftlich genutzt. Der Waldanteil ist gering und auf einen Streifen der südlichen Niederterrasse konzentriert. Das Restgrünland wurde nach dem Donauausbau und vor der EU-Agrarreform zu Ackerland umgewandelt. Strukturiert wird die Agrarlandschaft außerhalb des Waldes durch künstlich angelegte funktionelle Wege (Flurbereinigung), Entwässerungsgräben und wenige angelegte Hecken.

Feldflur
Feldflur

Die Vorfluter sind durch intensive Landnutzung belastet. Vor allem die Pfatter ist stark belastet. Ihr ökologischer und chemischer Zustand soll verbessert werden (ökologischer Ausbau, Verringerung der Stoffeinträge). Das natürliche Potenzial für die Artenvielfalt und Populationsdichte ist jedoch hoch, da viele unterschiedliche Lebensräume aufeinander treffen (Trocken- und Feuchtgebiete, unterschiedliche Böden) und die Biomasseproduktion (Nahrungsgrundlage) sehr hoch ist.

Defizite, Probleme, Konflikte

Die Hälfte bis zwei Drittel der Ackerflächen werden mit Hackfrüchten (Zuckerrüben, Kartoffeln), der Rest mit Getreide (meist Winterweizen) oder Mais bestellt. Das Hauptproblem besteht neben der Strukturarmut im Gebiet in einer mangelnden Flächenbegrünung im Winterhalbjahr, was zu folgenden Defiziten und Gefahren führt:

  • Geringe Äsung und Deckung für das Wild
  • Nährstoffauswaschung aus den Böden
  • negative Humusbilanz
  • Bodenerosion (durch Wasser in Hanglagen, durch Wind in ebenen Gebieten)
  • Stoffeinträge in die Gewässer

Konkrete Probleme im Gebiet sind außerdem:

  • vermehrte Wildschäden durch geringes Äsungs- und Deckungsangebot
  • geringer Strukturanteil und geringe Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft
  • schlechter chemischer und ökologischer Zustand der Gewässer

Fachliche Konzepte

  • Zwischenfruchtanbau auf Ackerflächen, der im Winter Deckung und Äsung bietet sowie den Boden vor Abtrag und Nährstoffauswaschung schützt (z. B. Mulchsaaten, Winterbegrünung etc.)
  • Stilllegungsflächen, auf denen Wildackermischungen zur Deckung und Äsung angelegt werden
  • Randstreifen neben Gewässern, Waldrändern und Hecken zur Verbesserung vorhandener dauerhafter Strukturen und Lebensräume.
  • Neuschaffung von dauerhaften Strukturen (Ökologischer Gewässerausbau, Pflanzungen etc.)

Förderung der umgesetzten Maßnahmen im Rahmen des Projektes

  1. Förderung nach dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm
    103 landwirtschaftliche Betriebe stellten 320 Flächen mit ca. 12 ha für agrarökologische Zwecke zur Verfügung (K91/K96).
    22 Betriebe verzichteten auf die Düngung von Wiesen in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten (z.B. Hochwassergebiete) (K57).
  2. Förderung des Bayerischen Landesjagdverbandes
    106,5 ha Wildackermischungen wurden zur Biotopverbesserung angesät.