Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Städte Iphofen und Mainbernheim, Unterfranken

Der Landschaftsplan beteiligt die Bürger an der zukünftigen Entwicklung der Gemeinde und fördert so den Gemeinsinn.

Anforderungen

Die benachbarten Städte Iphofen und Mainbernheim liegen in Mainfranken östlich von Würzburg. Mit der Aufstellung ihrer Landschaftspläne haben die beiden Städte Schutz, Pflege und Entwicklung der prägenden landschaftlichen Strukturen einschließlich Maßnahmenumsetzung bewusst in ihr kommunales Handlungsprogramm aufgenommen. Der Aufwertung der Fließgewässer und ihrer Auen im Einklang mit der landwirtschaftlichen Nutzung sowie der naturnahen Bewirtschaftung der Wälder am Steigerwaldtrauf wird besonderes Gewicht beigemessen.

Ziel der Landschaftsplanung ist es, die landschaftliche Besonderheit und Schönheit der Weinorte und ihrer Umgebung zu erhalten und ihre touristische Attraktivität am Fuß des Steigerwaldes zu entwickeln.

Stadtansicht Iphofen
Iphofen

Zur Vermeidung von Interessenskonflikten in den Kommunen werden die Bürger und Flächennutzer aus Weinbau, Land- und Forstwirtschaft ebenso wie die Behördenvertreter und Verbände von Beginn an eingebunden. Informationen, Wünsche und Anregungen aus der Bevölkerung können daher im Planungsprozess frühzeitig berücksichtigt werden. Durch intelligente Planung lassen sich die Nutzerinteressen (z.B. Hochwasserschutz, Verbesserungen der Bewirtschaftungsverhältnisse) durch intelligente Planung mit Maßnahmen des Natur- und Gewässerschutzes bündeln und so überzeugend vermitteln. Dies erleichtert und beschleunigt die anschließende Maßnahmenumsetzung.

Ergebnisse

Ausschnitt Landschaftsplan

Die Entwicklung der Gewässer als Lebensadern der Landschaft sind fachliche Ziele beider Landschaftspläne. Temporär überflutete Auebereiche werden als Flächen zur Pflege und Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft dargestellt. Die Umsetzung erfolgt in einem gemeindeübergreifenden Renaturierungsprojekt durch den Landschaftspflegeverband des Landkreises Kitzingen.

Die beiden inhaltlich miteinander abgestimmten Landschaftspläne

  • zeigen Qualitäten und Potenziale zur Entwicklung der Landschaft auf; z.B. dienen gemeinsame Flurrundgänge der Information der Bevölkerung über naturräumliche und landschaftliche Zusammenhänge
  • werden begleitet von Arbeitskreisen, "Runden Tischen" und Bürgerversammlungen; wichtige Kenntnisse der Bevölkerung z.B. über frühere Landnutzungen, alte Gewässerläufe, frühere Hochwasserereignisse, besondere Artenvorkommen fließen in das landschaftliche Leitbild ein
  • vermitteln zwischen den Nutzerinteressen und bieten die Plattform für die Diskussion über Leitbild und Entwicklungsziele z.B. für die Auen unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Standortqualitäten und Bewirtschaftungsverhältnisse
  • binden Bürgeraktivitäten in die Umsetzung des landschaftlichen Gesamtkonzeptes ein und fördern das Engagement für die Gemeinschaft z.B. bei Pflanzaktionen von Agen­da-Arbeitskreisen und Bund Naturschutz
  • stellen die Basis für die Realisierung gemeinsamer interkommunaler und fachübergreifender Maßnahmen dar
Personengruppe
Landschaftsführungen Bayern Tour Natur 2003

Ein "Gewässersymposium" führt alle Interessengruppen zusammen und bereitet die Maßnahmenumsetzung vor. Bürgerinitiativen und Nutzergruppen sind an der Gestaltung "ihrer Landschaft" aktiv beteiligt.

Gemeinsame Ziele und Projekte stärken den Zusammenhalt.

Weitere Erfolge

  • gemeindeübergreifende Biotopvernetzung und Hochwasservorsorge an den Fließgewässern im Steigerwaldvorland
  • Erholungsvorsorge und Entwicklung eines sanften Tourismus in intakter Kulturlandschaft durch Aufwertung des Landschaftsraumes für die siedlungsnahe Erholung (z.B. Wanderwege, Stege) unter Berücksichtigung landwirtschaftlicher Interessen
  • Bündelung und Optimierung von Planungs- und Umsetzungsprozessen auf der Grundlage des Landschaftsplanes
  • Vorbereitung einer kostengünstigen Maßnahmenrealisierung durch die gezielte Inanspruchnahme von Fördermitteln für Naturschutz, Waldbau und Landwirtschaft (Gewässerentwicklung, Mittelwaldnutzung, Grünlandkonzept)
  • weitgehend konfliktarme Maßnahmenumsetzung infolge einer frühzeitigen ressort- und gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit und Vertrauensbildung
  • Eigeninitiative der Kommunen und Verbände zur Vermittlung von Umweltwissen für interessierte Bürger und Gäste (Umweltbeobachtung, Naturführungen und Spaziergänge an renaturierten Gewässerabschnitten)

Stimmen zum Landschaftsplan

"Der Landschaftsplan hat in Iphofen schon während seiner Aufstellung zur Zusammenführung aller Interessensgruppen in der Gemeinde beigetragen und die beispielhafte Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen an Sicker und Hündlein unter Mitwirkung der ortsansässigen Landwirte und Bürger vorbereitet. Aufgrund der guten Resonanz bei Bürgern und Fachbehörden sind weitere Umsetzungsmaßnahmen an den Gewässern im Stadtgebiet geplant." Josef Mend, 1. Bürgermeister der Stadt Iphofen

"In den Diskussionen um den Landschaftsplan wurde klar, dass gerade die oft schwer zu bewirtschaftenden Flächen für den Naturschutz eine große Bedeutung haben können. Landwirte sind kompromissbereit und nehmen diese Flächen aus der Nutzung, wenn die Bewirtschaftung an den guten Standorten gesichert ist und z.B. durch neue Grundstückszuschnitte oder Flächentausch erleichtert wird." Rainer Schiffmaier, Landwirt und Anlieger, Iphofen

"Mit der Umsetzung der im Landschaftsplan vorgesehenen Maßnahmen zur Hochwasservorsorge im Talraum der Sicker wurde neben landwirtschaftlichen und naturschutzfachlichen Interessen dem Wunsch der Bürgerschaft und anderer Interessensgruppen entsprochen, einen "Eisweiher" anzulegen, und diesen über ein Fußwegekonzept an die nahen Wohngebiete anzubinden. So wurde deutlich, dass alle Bürger ihre Ideen in den Planungsprozess einbringen und vom Landschaftsplan profitieren können." Karl Wolf, 1. Bürgermeister der Stadt Mainbernheim

Informationen zu den Gemeinden und zum Landschaftsplan

  • Stadt Iphofen
    Marktplatz 28
    97346 Iphofen
    Telefon: 09323 / 8715-0
    Telefax: 09323 / 8715-55
  • Stadt Mainbernheim
    Rathausplatz 1
    97350 Mainbernheim
    Telefon: 09323/8042-30
    Telefax: 09323/8042-33

Gemeindedaten

  • Iphofen
    • Gemeindegröße: 7805 ha
    • Einwohner: 4.439
    • 7 Ortsteile
  • Mainbernheim
    • Gemeindegröße: 1.222 ha
    • Einwohner: 2.354

Flächennutzungen

  • Iphofen
    • Forstwirtschaft : 29%
    • Landwirtschaft : 51%
  • Mainbernheim
    • Forstwirtschaft : 14%
    • Landwirtschaft : 86%

Lage im Naturraum "Steigerwaldvorland" und "Steigerwald". Teile des Stadtgebietes Iphofen gehören dem Naturpark Steigerwald an.

Daten zum Landschaftsplan

Stadt Iphofen

  • 2000 - Aufstellungsbeschluss zur 4. Änderung des Flächennutzungsplanes mit Neuaufstellung des Landschaftsplans
  • 2001 - Vorentwurf Landschaftsplan
  • 2001 - Anhörung der Träger öffentlicher Belange mit vorgezogener Bürgerbeteiligung

Stadt Mainbernheim

  • 1997 - Aufstellungsbeschluss für 1. Änderung des Flächennutzungsplanes mit Neuaufstellung des Landschaftsplanes
  • 1999 - Vorentwurf Landschaftsplan mit Anhörung der Träger öffentlicher Belange und vorgezogener Bürgerbeteiligung
  • 2001 - Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftspan

beide Städte

  • 2001 - gemeinsames Entwicklungskonzept zur Renaturierung an Sicker und Hündlein
  • 2001 - "Gewässersymposium" unter Beteiligung von Nutzern, Verbänden, Kommunen, Bürgern und Fachbehörden zur Vorbereitung der Umsetzung
  • 2002 - Umsetzung der Gewässerrenaturierung an Sicker und Hündlein als Gemeinschaftsprojekt der Städte Iphofen und Mainbernheim unter Mitwirkung des Landschaftspflegeverbandes des Landkreises Kitzingen
  • 2006 - Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan

Bearbeitung

arc.grün landschaftsarchitekten
Ritterstraße 16 - 97318 Kitzingen
Veillodterstr. 1 - 90409 Nürnberg

Informationsmaterial

  • Broschüre "Echt Berna - Unsere Kulturlandschaft" - Umsetzung des Landschaftsplans der Stadt Mainbernheim
  • Faltblatt 10 Jahre Landschaftspflege in Iphofen, Sept. 2003