Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Systematik und Biologie der Moose

Systematik

Moose werden heute in zwei Abteilungen getrennt, die Hornmoose (Anthocerotophyta) und die Laub- und Lebermoose (Bryophyta). Zur ersten Gruppe gehören heute selten gewordene ackerbewohnende Arten. Ihre merkwürdigen Sporenträger und der von den anderen Moosen deutlich abweichende Zellaufbau, hat dazu geführt, dass man diese Arten in eine eigene Abteilung gruppiert hat. Laubmoose sind Pflänzchen, die in Stängel und Blättchen gegliedert sind und eine Sporenkapsel tragen, die auf einem Stiel emporgehoben ist. Die auch in der Bevölkerung bekannten Moose z.B. das "Kripperl-Moos" oder das Moose mit dem man die Osternester ausschmückt (z.B. Leucobryum glaucum, Hypnum cupressiforme ect.) gehören zu dieser Gruppe. Lebermoose haben ihren Namen vom Echten Kegelkopfmoos (Conocephalum conicum), einem leberlappenähnlichen Pflänzchen, das am Boden kriechend lebt. Meinten die Menschen früher doch, der Herrgott zeige ihnen an der äußeren Form der Pflanzen, für welche Leiden man sie als Arzneimittel verwenden könne (Signaturen Lehre). Innerhalb der Lebermoose finden wir eine Fülle von Formen: lappig bis blättrig, fädig bis aufrecht, weshalb man diese Gruppe in die beblätterten Lebermoose und die lappenartigen "thallösen" Lebermoose unterteilt.

Moose im Verkauf Bild vergrössern Moose im Verkauf (Leucobruym glaucum); der Handel mit diesen Arten ist in der FFH-Richtlinie für die Anhang V-Arten geregelt. Foto: Oliver Dürhammer

Biologie der Moose

Das Leben einer Moospflanze ist zweigeteilt, eine sporenbildende Generation in Form eines Stiels mit einer Kapsel (bei Laubmoosen) lebt auf einer geschlechtszellenbildenden Generation, bestehend aus einem Stängel mit Blättchen. Die Biologen nennen so etwas heteromorpher und heterophasischer Generationswechsel.

Wassertropfen Bild vergrössern Ein Wassertropfen dient den Moosen als "Schwimmbecken" für die Geschlechtszellenübertragung (Polytrichum juniperinum). Foto: Oliver Dürhammer

Bei den Moosen ist dieses evolutionsbiologisch hoch interessante Phänomen auf höchstem Niveau entwickelt. Mit dem Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha) können wir den am weitesten entwickelten Gametophyten im Pflanzenreich sehen (eine analoge Entwicklung zum Aufbau der Laubblätter der Blütenpflanzen). Die Moose haben in der Evolution auf die geschlechtszellenbildende Generation "gesetzt" und sind damit in eine Sackgasse geraten, denn die sporenbildende Generation ist zeitlebens auf den Gametophyten angewiesen, auf dem sie lebt. Das ist der Grund, warum die Moose nie viel größer geworden sind. Das größte Moos unserer Flora ist das Goldene Frauenhaarmoos (Polytrichum commune), das in Mooren bis zu 80 cm lang werden kann.