Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Flechten

(bearbeitet von Oliver Dürhammer; Stand 2012).

Haben Sie auch Flecken an den Dachziegeln? Das sind Flechten! Für viele Mitbürger ein Ärgernis, weil sie ebenmäßige Flächen mit ihren Lagern besiedeln und für Farbe sorgen. Flechten sind Pilze, lichenisierte Pilze, die in einer stabilen, ernährungsphysiologisch unabhängigen Vergesellschaftung eines Pilzes (Mykobiont) mit einer Alge und/oder einer Cyanobakterie (Fotobiont) leben.

Lungenflechte Bild vergrössern Die Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) gehört zu den großen Laubflechten. Foto: Oliver Dürhammer

Leider gibt es keine korrekte einfachere Beschreibung für Flechten. Der Name kommt vom "Geflecht", aus dem die Pilze aufgebaut sind. Ihre Pilzfäden (Hyphen) sind verflochten im Inneren des Lagers und bilden dort kleine Kammern, in denen die Fotobionten ein mehr oder weniger gleichberechtigtes Daseien führen können. Flechten wurden früher in der Schule als das Lehrbuchbeispiel für die Symbiose erwähnt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der Pilz nutzt seinen Fotobionten aus. Der Pilz ist ja ein Lebewesen, das sich seine Nahrung nicht selber herstellen kann (heterotrophes Lebewesen), er braucht also Nahrungsbestandteile, die z.B. Pflanzen produziert haben (autotrophe Lebewesen). Bekannte Großpilze bauen z.B. Holz ab oder leben auf dem Boden und zersetzen die Laubstreu. Die lichenisierten Pilze haben früh in der Evolution begonnen Algenzellen am Meeresufer abzubauen. Hier muss es zu dem entscheidenden Evolutionsschritt gekommen sein, an dem sich der Pilz die Algenzelle zu Nutzen gemacht hat. Auf nacktem Fels kann der Pilz keine Nahrung finden. Fängt er sich eine Alge, die Fotosynthese betreibt, so hat er einen "Produzenten" seiner Nahrung aufgenommen, den er nur gut behandeln muss um dann dauerhaft von ihm Nahrung fordern zu können. Streng genommen wäre das als Parasitismus zu bezeichnen, wäre da nicht auch der Schutz und die Wasserversorgung, die der Pilz dem Fotobionten zu Gute kommen lässt.
Flechten sind in fast allen Lebensräumen in Bayern zu finden. Sie stellen hoch spezialisierte Organismen dar, die durch ihre komplizierte Biologie sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. In Bayern schätzen wir die Zahl der Flechten auf 1.800 Arten.