Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Gebietseigene Gehölze und gebietseigenes Saatgut

Gebietseigene Gehölze und gebietseigenes Saatgut, oft auch als autochthon oder gebietseigen bezeichnet, haben sich in einem bestimmten Naturraum über einen langen Zeitraum in vielen Generationsfolgen vermehrt. Abhängig von Klima, Höhenlage, Sonneneinstrahlung und den Bodenverhältnissen erwarben dieselben Arten in verschiedenen Naturräumen eine voneinander abweichende, regionaltypische genetische Ausstattung.

Der Schutz der biologischen Vielfalt umfasst auch diese genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Nach § 40 Abs. 4 S. 4 Nr. 4 BNatSchG sollen daher in der freien Natur Gehölze und Saatgut vorzugsweise nur innerhalb ihrer Vorkommensgebiete ausgebracht werden, d.h. es sollen Pflanzen verwendet werden, die ihren genetischen Ursprung in dem entsprechenden Gebiet haben (gebietseigene Herkünfte). Nach Ablauf einer zehnjährigen Übergangsfrist bis einschließlich 01.03.2020 besteht eine Genehmigungserfordernis für das Ausbringen von Gehölzen und Saatgut außerhalb ihrer Vorkommensgebiete in der freien Natur.

Außenanlage des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg. Dargestellt sind Teile des Gebäudes und der Grünanlage. Bild vergrößern Die Pflanzbereiche der Außenanlagen des LfU in Augsburg wurden mit gebietseigenem Saatgut, also mit aus örtlichen Herkünften stammendem Saatgut angesät; Foto: LfU

Bei der Neuanlage von Biotopen, bei Renaturierungs- und Kompensationsmaßnahmen, Straßenbauvorhaben, bei der Flurneuordnung, in Anlagen, Gärten, ja selbst auf Dächern und in künstlichen Kleingewässern werden heute einheimische Wildpflanzenarten ausgebracht. Dabei wurden häufig durch Zucht entstandene Sorten oder Saatgut bzw. Pflanzenmaterial aus fremden Ländern wie Süd- und Osteuropa und Regionen wie Norddeutschland verwendet. Durch die vorsorgliche Verwendung von gebietseigenen Gehölzen und Saatgut soll den damit verbundenen negativen Entwicklungen entgegengewirkt werden.

Wie durch die Wahl falscher Arten kann auch mit fremden Herkünften an sich heimischer Arten trotz bester Absichten viel falsch gemacht und dem Anliegen des Naturschutzes geschadet werden. Das Erbgut der bodenständigen Pflanzenpopulationen wird durch den Kontakt mit Fremdherkünften verändert. Gebietsspezifische Anpassungen können dadurch verdrängt werden, die biologische Evolution der Arten wird beeinträchtigt. Schließlich werden Lebensräume in Beschlag genommen, die für die Entfaltung der angestammten Populationen wichtig wären. Diese Änderungen können innerhalb der Lebensgemeinschaften auch andere Organismen ungünstig beeinflussen, z.B. Nektar sammelnde und bestäubende Insekten.