Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Gebietseigene Gehölze

Das Ausbringen von Pflanzen gebietsfremder Arten in der freien Natur bedarf nach § 40 Abs. 4 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) der Genehmigung durch die Naturschutzbehörden. Diese ist zu versagen, wenn eine Gefährdung von Ökosystemen, Biotopen oder Arten der Mitgliedstaaten nicht auszuschließen ist. Ziel des Gesetzes ist es, gebietseigene Populationen von Pflanzen vor genetischer Vereinheitlichung zu bewahren und in ihrer regionaltypischen genetischen Ausstattung zu erhalten, um der Gefahr einer Verfälschung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt vorzubeugen. Von dieser Regelung ist auch das Ausbringen von Gehölzen außerhalb ihrer Vorkommensgebiete betroffen. Der Gesetzgeber hat eine Übergangsfrist bis 01.03.2020 geschaffen, in der gebietseigene Gehölze vorzugsweise verwendet werden sollen (§ 40 Abs. 4 Satz 4 Nr.4 BNatSchG). Erst danach gilt die neu gestaltete Genehmigungspflicht für gebietsfremde Arten uneingeschränkt. "Gebietsfremd" sind nach der Begriffsbestimmung des § 7 Abs. 2 Nr. 8 BNatSchG solche wildlebenden Tier- und Pflanzenarten, die in dem betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit mehr als 100 Jahren nicht mehr vorkommen.

Künstlich vermehrte Pflanzen sind nach § 40 Abs. 4 Satz 2 BNatSchG nicht gebietsfremd, wenn sie ihren genetischen Ursprung in dem betreffenden Gebiet haben.

Zur bundesweit einheitlichen Umsetzung der Vorschrift hat das Bundesministerium für Umwelt, Gesundheit und Reaktorsicherheit den Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze mit Empfehlungen für die Abgrenzung von Vorkommensgebieten herausgegeben, wobei weitergehende Differenzierungen ausdrücklich für möglich gehalten werden.

Um den erheblichen naturräumlichen Unterschieden in Bayern gerecht zu werden, erfolgt deshalb in Bayern auf Grund einer fachgutachterlichen Einschätzung des Landesamtes für Umwelt folgende zum BMU-Leitfaden ergänzende Differenzierung der Vorkommensgebiete:

  • Differenzierung des Vorkommensgebiets 4 "Westdeutsches Bergland und Oberrheingraben" in die Vorkommensgebiete 4.1 "Westdeutsches Bergland, Spessart-Rhön-Region" und 4.2 "Oberrheingraben"
  • Differenzierung des Vorkommensgebiets 5 "Schwarzwald, Württembergisch-Fränkisches Hügelland und Schwäbisch-Fränkische Alb" in die Vorkommensgebiete 5.1 "Süddeutsches Hügel- und Bergland, Fränkische Platten und Mittelfränkisches Becken" und 5.2 "Schwäbische und Fränkische Alb"
  • Differenzierung des Vorkommensgebiets 6 "Alpen und Alpenvorland" in die Vorkommensgebiete 6.1 "Alpenvorland" und 6.2 "Alpen".

Innerhalb der o.g. Vorkommensgebiete 4 bis 6 ist bis zum 01.03.2020 jeweils ein Austausch innerhalb der Gebiete (X.1 / X.2) möglich, sofern noch nicht ausreichend Baumschulmaterial vorhanden sein sollte.

Für Bayern bedeutet das, dass folgende Vorkommensgebiete somit bei der Umsetzung von § 40 Abs. 4 BNatSchG zu beachten sind:

  • Vorkommensgebiet 3 "Südostdeutsches Hügel- und Bergland"
  • Vorkommensgebiet 4 "Westdeutsches Bergland und Oberrheingraben"
    4.1 Westdeutsches Bergland, Spessart-Rhön-Region
    4.2 Oberrheingraben
  • Vorkommensgebiet 5 "Schwarzwald, Württembergisch-Fränkisches Hügelland und Schwäbisch-Fränkische Alb"
    5.1 Süddeutsches Hügel- und Bergland, Fränkische Platten und Mittelfränkisches Becken
    5.2 Schwäbische und Fränkische Alb
  • Vorkommensgebiet 6 "Alpen und Alpenvorland"
    6.1 Alpenvorland
    6.2 Alpen

Karte der Vorkommensgebiete Bild vergrößern Die Karte zeigt die Aufteilung der Vorkommensgebiete für Bayern sowie die Zuordnung zu den ökologischen Grundeinheiten

Die als Anlage beigefügte Karte zeigt die Aufteilung der Vorkommensgebiete für Bayern sowie die Zuordnung zu den ökologischen Grundeinheiten.

Die genannten Vorkommensgebiete für gebietseigene Gehölzbestände finden ausschließlich für Baumarten und Sträucher Anwendung, die nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) unterliegen. Für alle dem FoVG unterliegenden Baumarten erstreckt sich der Anwendungsbereich der forstlichen Herkunftsgebiete auch auf Pflanzteile und Pflanzgut, die nicht für forstliche Zwecke bestimmt sind. Bei diesen Forstbaumarten sind zur Konkretisierung des Begriffs "gebietseigen" die Herkunftsgebiete nach der Forstvermehrungsgut-Herkunftgebietsverordnung (FoVHgH) zu verwenden.

Die Ermittlung gebietseigener Gehölzbestände erfolgt im Auftrag und unter fachlicher Leitung des Landesamtes für Umwelt (LfU). Hierdurch sollen Informationen potentiell geeigneter Erntebestände bereitgestellt und eine wesentliche Grundlage für die Zertifizierung herkunftsgesicherter Gehölze geschaffen werden. Ab April 2016 werden in den sieben Vorkommensgebieten Erntebestände für mindestens 36 Zielarten ermittelt, die als Saatgutquellen für die Anzucht gebietseigener Gehölze zugelassen werden können. Das methodische Vorgehen zur Prüfung und Inventarisierung eines Fundgebiets bzw. Gehölzbestandes erfolgt mit Hilfe eines Ablaufschemas (s.u.).

Es wurde ein Ernteregister für Gebietseigene Gehölze innerhalb des vorhandenen Erntezulassungsregister (EZR) des Bayer. Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) programmiert. Im Laufe der Jahre 2016 / 2017 soll dieses Register für die wichtigsten Gehölzarten befüllt werden.

Mit der Erfassung von Erntebeständen potenziell gebietseigener Gehölzbestände geht keinerlei Inschutznahme einher. Sie ist lediglich eine Bestandsaufnahme und erfasst Gehölzbestände, die für die Gewinnung von gebietseigenem Saatgut geeignet sind, das Eigentumsrecht bleibt dabei unberührt. Die Eigentümer selbst werden vom LfU ermittelt und erst mit deren Zustimmung können die Bestände im Erntezulassungsregister veröffentlicht werden. Den Baumschulen wiederum ist die Beerntung nur mit Zustimmung der Eigentümer bzw. nach Abschluss privatrechtlicher Vereinbarungen möglich. Die Genehmigungserfordernis gem. § 39 Absatz 4 BNatSchG für die gewerbsmäßige Entnahme zu Zwecken der Produktion regionalen Saatguts bleibt ebenfalls unberührt.

Daten

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Zielarten zum Download

Shapes zum Download

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