Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Schneeschuhwandern

Schneeschuhwandern entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer Trendsportart in den Alpen und Mittelgebirgen. Grund für die immer größere Beliebtheit ist unter anderem, dass Schneeschuhwandern eine Freizeitaktivität darstellt, die dem Bedürfnis des modernen Menschen nach Naturerlebnis und Erholung vom hektischen Alltag in sehr hohem Maße entspricht. Die Bewegung in der unberührten Winterlandschaft und das Hinterlassen einer Spur im Schnee sind Bestandteile dieses Bedürfnisses nach Naturerlebnis und Verbundenheit mit der Natur. Zur hohen Attraktivität der Sportart kommen die niedrigen Einstiegsbarrieren hinzu: Schneeschuhwandern kann von Menschen aller Altersklassen und mit vergleichsweise geringen Ausgaben und Kosten für Material, sowie ohne spezielle Ausbildung ausgeübt werden.

Diese an sich erfreuliche Entwicklung im Sinne der Gesundheit und Naturverbundenheit der Bevölkerung kann aber auch bedeutende negative Auswirkungen auf die Natur haben: Schneeschuhwanderer (und auch Skitourengeher) bewegen sich – anders als Skifahrer, Skilangläufer oder Wanderer – unabhängig von Pisten oder Wegen durchs Gelände – eine „automatische“ Lenkung ergibt sich daher nicht; und mit Schneeschuhen werden Gebiete erreicht, die sonst zu Fuß im Winter unzugänglich oder für Skitourengeher weniger attraktiv sind.

Schneeschuhwanderer sind meist in abwechslungsreichen Gebieten unterhalb bzw. an der Waldgrenze unterwegs, bevorzugt auf aussichtreichen Rücken und Graten. Über alle Höhenstufen hinweg können dabei wichtige Wintereinstandsgebiete für Schalenwild (vor allem Reh- und Gamswild) und Lebensräume der seltenen und störungsempfindlichen Raufußhühner (Hasel-, Auer-, Birk- und Schneehuhn) durchquert werden.

Der Winter ist für viele Tierarten eine besonders harte Zeit: Reduziertes Nahrungsangebot, weniger Versteckmöglichkeiten, niedrige Temperaturen, erschwerte Bewegungsmöglichkeiten und – im Gebirge – Lawinengefahr. Wenn Wildtiere überrascht werden, flüchten sie panikartig. Kommt dies öfter vor, können daraus lebensbedrohliche Situationen entstehen: Bei Flucht, vor allem im hohen Schnee, wird viel Energie verbraucht, die die Tiere eigentlich für das Überleben im Winter und die Fortpflanzung im Frühjahr benötigen. Folgen des unfreiwilligen Verlassens von guten Lebensräumen sind nicht nur die Schwächung der Tiere bis hin zum Tod, sondern beim Schalenwild beispielsweise auch die erhöhte Verbissbelastung des Waldes. Dieser verstärkte Verbiss kann im Gebirge den Lawinenschutzwald schwächen und langfristig sogar zerstören.

Neben der besseren Erreichbarkeit bisher unberührter Rückzugsgebiete gibt es weitere Störwirkungen: Wanderungen in der Dämmerung oder in der Nacht, die als Mondscheintouren, Fackelwanderungen oder mit Igluübernachtung auch kommerziell angeboten werden, tragen dazu bei, dass Wildtiere selbst in der sonst „sicheren“ Nacht nicht mehr zur Ruhe kommen.

Damit diese winterliche Natursportart nicht zur ungewollten Belastung für die Natur wird, sollten wir einige Verhaltensregeln kennen und beachten. Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat daher die wichtigsten Informationen in einem Merkblatt zusammengestellt.