Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Golf und Naturschutz

Puzzle mit naturmotiven

Golf wird bevorzugt in attraktiven Landschaften gespielt, die nicht selten auch als Naherholungsgebiete dienen und in der Nähe von Ballungsräumen liegen. Derzeit (Stand: 2009) gibt es ca. 171 Golfplätze in Bayern, das sind knapp 25% aller deutschen Golfplätze.

Golf benötigt neben den Spielflächen auch Infrastrukturflächen wie z.B. für ein Clubhaus, Betriebsgebäude, Parkplätze etc. Golf ist eine somit eine Sportart, deren Flächeninanspruchnahme im Vergleich zu anderen Sportarten überdurchschnittlich hoch ist. 18-Loch-Golfplätze umfassen etwa 60-120 ha.

Hieraus ergeben sich mögliche Konflikte mit dem Naturschutz, aber bei entsprechender Standortwahl und Planung auch Chancen.

  • Mögliche Konflikte Golf - Naturschutz
  • Naturschutzfachliche Ziele
  • Geeignete Golfplatzstandorte
  • Beispiele für Golfplatzgestaltung
  • Der Golfplatz in der Landschaft - Lösungsansätze

Weiterführende Informationen

Links

Mögliche Konflikte zwischen Golf und Naturschutz

Beim Bau des Golfplatzes kann es grundsätzlich zu folgenden Beeinträchtigungen des Naturhaushalts und des Landschaftsbildes kommen:

  • Verlust oder Beeinträchtigung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen
  • Veränderung des Landschaftsbildes durch Gebäude, Sandbunker und Erdbewegungen
  • Veränderung des Boden- und Wasserhaushalts z.B. durch Bodenverdichtung und Dränagen
  • Emissionen durch Baufahrzeuge (Lärm, Abgase)

Beim Betrieb von Golfplätzen (Sportausübung und Platzpflege) sind folgende Beeinträchtigungen möglich:

  • Störung durch Anwesenheit des Menschen (z.B. Lärm)
  • Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln
  • Regelmäßige, z.T. intensive Pflege: Mahd, Bewässerung usw.
  • Verringerung der Erholungseignung für die Allgemeinheit
Golfplatz Bild vergrößern Golfplatz

Naturschutzfachliche Ziele

Die Errichtung eines Golfplatzes stellt infolge der Nutzungsumwandlung und der damit verbundenen Veränderungen der Oberflächengestalt regelmäßig einen Eingriff in Natur und Landschaft dar (§ 14 Bundesnaturschutzgesetz). Für die Anlage und den Betrieb von Golfplätzen sind insbesondere folgende naturschutzfachliche Ziele zu berücksichtigen:

  • Die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und die gegebenen Landschaftsstrukturen sind zu erhalten und weiterzuentwickeln.
  • Die Golfanlage soll sich Natur und Landschaft anpassen und nicht umgekehrt.
  • Vermeidbare Beeinträchtigungen sind zu unterlassen, nicht vermeidbare Beeinträchtigungen sind auszugleichen (Eingriffsvermeidung vor Ausgleich und Ersatz).
  • Ungeeignete Golfplatzstandorte sind Gebiete mit ökologisch und landschaftlich wertvollen oder gering belastbaren Flächen.
  • Ausgleichsflächen sollen primär ökologisch geringwertige Flächen verbessern (z.B. Strukturanreicherung auf Ackerflächen). Bei der Gestaltung eines Golfplatzes sollte ein möglichst hohes Maß an biologischer und struktureller Vielfalt und charakteristischer Eigenart entwickelt werden.
  • Für die nicht golfspielende Bevölkerung ist der Zugang zum Golfplatz auf geeigneten Wegen zu ermöglichen.

Geeignete Golfplatzstandorte

Kategorie I - ungeeignete Standorte für eine Golfanlage

  • Nationalparke und Naturschutzgebiete. Inwieweit ein Golfplatz in der Umgebung eines Naturschutzgebietes bzw. Nationalparks möglich ist, muss im Einzelfall und in Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten geprüft werden.
  • Gebiete mit einem hohen Anteil an ökologisch und landschaftlich wertvollen oder gering belastbaren Flächen. Hierzu gehören insbesondere Flächen mit hohem Anteil an Naturdenkmälern, Landschaftsbestandteilen, gesetzlich geschützten Biotopen (Art.13 d BayNatSchG), Biotope entsprechend der Biotopkartierung Bayern.
  • Internationale Schutzgebiete wie NATURA 2000-Gebiete (Schutzgebiete nach der Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzrichtlinie der EU).

Kategorie II - bedingt geeignete Standorte für eine Golfanlage

  • Landschaftsschutzgebiete und Schutzzonen von Naturparken
  • Gebiete mit ökologisch und landschaftlich wertvollen oder gering belastbaren Flächen, wenn diese von geringer Größe sind und in den Golfplatz integriert werden können
  • Gebiete mit einem hohen Anteil von Moorböden
  • Reichgegliederte, landschaftlich reizvolle Gebiete hoher Eigenart und Schönheit, die für die Erholung der Allgemeinheit von Bedeutung sind
  • kulturhistorisch und geomorphologisch bedeutsame Gebiete

Kategorie III – grundsätzlich geeignete Standorte für eine Golfanlage

  • Ausgeräumte und ökologisch verarmte Kulturlandschaften mit überwiegender Ackernutzung
  • Nicht überlastete Naherholungsgebiete, soweit die vorhandenen infrastrukturellen und landschaftlichen Gegebenheiten dies zulassen
  • Großflächige Abbaugebiete, wenn in der Abbaugestaltung bereits eine Erholungsnutzung vorgegeben wurde

Beispiele für Golfplatzgestaltung

Detail Teich

Skizze naturnaher Teich Skizze naturnaher Teich

Positiv: Teiche mit Biotopfunktion liegen i.d.R. abseits der Hauptspielrichtung, weisen breite Übergangsbereiche z.B. mit Schilf und Uferstauden auf und können sich langfristig ungestört entwickeln

Skizze naturferner Teich Skizze naturferner Teich

Negativ: Teiche, die ausschließlich als Hindernis dienen und deren Uferbereich häufig gepflegt bzw. gemäht werden

Detail Spielbahn

Skizze naturnahe Spielbahn Skizze naturnahe Spielbahn

Positiv: Spielbahn, die durch gestufte Übergänge in der Vegetation günstige Lebensbedingungen für hier vorkommende Tier- und Pflanzenarten ermöglicht, den Golfplatz gliedert und erlebbare Räume bildet

Skizze naturferne Spielbahn Skizze naturferne Spielbahn

Negativ: großflächig, kurzgeschorene Rasenflächen mit golfspezifischer Infrastruktur (z.B. Fahnenstangen, Sandbunker) beherrschen die Platzsituation

Der Golfplatz in der Landschaft

Das LfU hat im Rahmen einer Studie untersucht, ob die Naturschutzziele auf bayerischen Golfplätzen umgesetzt wurden. Hierfür wurden 31 Golfplätze nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Standortwahl und Standorteignung
  • Genehmigungsverfahren und Landschaftspflegerische Begleitpläne
  • Betrieb und Pflege der Golfanlagen
  • Auswirkungen auf Boden und Wasser
  • Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt
  • Auswirkungen auf Landschaftsbild und Erholung

Daraus wurden Lösungsvorschläge zur Vermeidung bzw. Verringerung von Konflikten bei der Planung, beim Bau und Betrieb von Golfanlagen abgeleitet.

  • Checkliste für Betreiber: Antragsunterlagen für die Neuanlage oder Erweiterung eines Golfplatzes
  • Kriterienliste für die Naturschutzbehörden zur naturschutzfachlichen Beurteilung von Golfplatzvorhaben

Mehr Informationen

Der Golfplatz in der Landschaft 62 S., Schriftenreihe des LfU, Heft 170, 2003, ISBN 3-936385-21-1, ISSN 0723-0028