Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Station 9: Regenwasserbewirtschaftung

Regenwasserbewirtschaftung ist ein wesentlicher Baustein nachhaltiger Außenanlagenplanung. Mit den Begriffen Wasserrückhaltung, Abflussverzögerung, Verdunstung, Zwischennutzung und Versickerung werden die Schaltstellen benannt, an denen die Planung gestaltend eingreifen kann, um Gestaltungselemente oder technische Komponenten zu entwickeln, die nicht nur die Funktionsfähigkeit des Systems ermöglichen, sondern auch Akzente zu setzen, die ein integrales ökologisches Gesamtkonzept insgesamt bereichern.

Sumpfbecken mit Blutweiderich am Labor-Neubau Bild vergrössern Sumpfbecken als Staudensaum

In den Außenanlagen des Labor-Neubaus wurde das Konzept zur Regenwasserbewirtschaftung, wie es 1996 für die Gesamtplanung entwickelt worden war, weiterverfolgt und in einer neuen Variante ausgeführt. Am "Kaskadenprinzip" wurde unverändert festgehalten: Regenwasser auf den Dachflächen wird zunächst von der extensiven Dachbegrünung gefiltert und die abfließende Wassermenge um 50 bis 70% reduziert. Dann wird das Wasser in eine unterirdische Zisterne eingeleitet und von dort weiterverteilt: im Winter in eine Rigolenversickerung, im Sommerhalbjahr wird es in die beiden auf der Südseite des Gebäudes gelegenen Wasserbecken eingeleitet. Mit dem breiten Sitzrand laden sie zum Aufenthalt ein. Im Gegensatz zu den alten, reinen Betonbecken, sind diese Becken mit EPDM-Folie ausgekleidet, um die Dauerhaftigkeit der Konstruktion weiter zu erhöhen. Überlaufendes Wasser gelangt in ein langgestrecktes Sumpfbeet, das als Feuchtstandort zwischen den beiden Becken angeordnet in voller Sonne vor der Südfassade liegt. Es ist rund 40cm tief und mit allerhand typischen Sumpf- und Gewässerrandpflanzen bepflanzt, die einen blühenden und wuchernden Saum bilden, der im Lauf der Zeit erhebliche Wassermengen verdunsten wird – ein weiterer, so bislang am Standort nicht vorkommender Lebensraum.

Die übrige Gestaltung der neu hinzugekommenen Außenanlagen ist betont einfach gehalten und ganz den Ausgleichsflächen angeglichen, um eine Kontinuität, einen fließenden Übergang zwischen den Bereichen zu schaffen. Hier reichen die künftigen Trockenrasen bis ans Gebäude heran. Die kleine Terrasse beim Wasserbecken zeigt, neben der Trockenmauer, eine weitere Recyclingmöglichkeit für den Betonbruch: die zeitgemäße Interpretation eines Polygonalbelages, wie er in der Landschaftsarchitektur der 1950er Jahre noch sehr populär war. Hier bieten sich jede Menge Fugen für die Besiedlung durch standorttypische Flora und Fauna an.