Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Station 7: Standortvielfalt

Wie eine Plattform liegen ein paar übriggelassene Betonplatten des ehemaligen Flugplatzes inmitten der jetzigen Ausgleichsfläche. Blickt man nach Süden, dann sieht man hinter einem schmalen Plattenband eine sehr grasige, etwas aufgewölbte Fläche. Vor einigen Jahrzehnten standen dort noch große Flugzeughallen, Reste der Fundamente wurden bei Bodenuntersuchungen im Zuge der Bauarbeiten aufgefunden. Der Grasbestand hat sich auf einem Flächenfundament entwickelt, das erklärt ihren nicht unbedingt typischen, etwas humosen Bodenaufbau: auf der überwachsenen Betondecke staut sich zeitweise Niederschlagswasser, es ist dort viel feuchter als in der Umgebung. Neben dieser Besonderheit konserviert diese Fläche den Zustand des Geländes und seine Vegetation vor der Ansiedlung des LfU an diesem Standort. Sie ist, neben den erhaltenen Betonplatten, die letzte, im "Urzustand" verbliebene Parzelle.

Ausgleichsfläche mit Magerrasen-Altbestand und neu mit Heumulch angedeckten Flächen zwischen erhaltenen Betonresten des alten Flugfeldes Bild vergrössern Erhaltene Nutzungsspuren, Magerrasen-Altbestand und –Neuanlage

Außen herum wurden Stück für Stück, wie es der Baufortschritt des Neubaus erlaubte, von 2011 bis 2013 immer neue Magerrasenflächen der Ausgleichsfläche angelegt. Die Betonpiste des Flugfelds wurde bis auf die erhaltenen Reste großflächig abgebrochen und zum Niveauausgleich ca. 20cm Kies aus der Baugrube aufgetragen. Der angedeckte Heumulch stammt wiederum von Spenderflächen in der Lechheide, hier von der Dürrenast- und Schießplatzheide, den beiden nächstgelegenen Naturschutzflächen.

Ausgleichsfläche mit blütenreichem Magerrasen zwischen erhaltenen Betonresten des alten Flugfeldes Bild vergrössern Nach zwei Jahren: Magerrasen mit eingestreuten Saumarten

Die erhalten gebliebenen Betonplatten sind Spuren und Zeugnisse der Ortsgeschichte und verdienen es deshalb, in die Gestaltung eingebunden zu werden. Dies ist jedoch nicht der einzige Grund für ihre Erhaltung. Sie sind ganz wesentlich beteiligt an seiner Naturschutzgeschichte, sind Auslöser für Biodiversität: in den Fugen und im Untergrund der Platten siedeln Sklavenameisen, in deren Schutz sich die Raupen seltener Schmetterlingsarten der Bläulinge entwickeln. Auf dem Gelände wurden mittlerweile fünf Bläulingsarten festgestellt, vier davon stehen auf der Roten Liste bedrohter Arten, wie z.B. der Himmelblaue Bläuling.

Himmelblauer Bläuling Bild vergrössern Sekundärbiotop für Bläulinge, wie z.B. für den Himmelblauen Bläuling

Besonders ausgeprägt ist die Symbiose mit den Ameisen beim Idasbläuling, der seine Eier gezielt an Raupenfutterpflanzen im Bereich von Ameisennestern ablegt. Die Ameisen melken diese Raupen, ähnlich wie Läuse, und beschützen sie vor Fressfeinden. Der Dauerbeobachtungsbericht von 2012 schreibt zum Idas-Bläuling:
"Der sowohl in Bayern als auch deutschlandweit stark gefährdete Idasbläuling zählt zu den Charakterarten des Lechtals und hat heute seinen Verbreitungsschwerpunkt in Sekundärbiotopen wie Lechdämmen und Abbaustellen. Das Vorkommen der Art auf den Außenanlagen des LfU belegt die Qualität dieser Ersatzstandorte für die Bewohner von Flussschotterheiden, deren ursprüngliche Lebensräume weitgehend verschwunden sind."

Für diese und andere Arten ist die kleinräumige Mischung verschiedener Standortqualitäten überlebenswichtig. Magerrasen, Ruderal- und Sukzessionsflächen, trockenwarme Mauern und Belagsflächen mit ihren Fugen und Nischen ersetzen im Kleinen, was im Großen in der Landschaft immer mehr verloren geht.