Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Station 6: Magerrasen seit 2010

Bereits im Vorgriff auf den Baubeginn für den Labor-Neubau im Frühjahr 2010 wurde im Spätwinter mit der Herstellung der Ausgleichsflächen begonnen. Der wertvolle Magerrasen mit Anklängen von Trockenrasen wurde vom Baufeld dünn abgeschoben und das so gewonnene Gemisch aus Humus, Pflanzen und im Boden schlummernder Samen (Diasporen) auf diese flach ausgemuldete Fläche im südwestlichen Geländebereich, übertragen.

Magerrasen, ein Jahr nach der Umsiedlung, im Hintergrund Neubau des Labortrakts Bild vergrössern Umgesiedelter Magerrasen nach einem Jahr

Bei der Vorbereitung der Fläche kam es zu Überraschungen, die charakteristisch sind für die Nutzungsgeschichte des Standorts. Das Gelände war an dieser Stelle nach Aufgabe der Weidenutzung und in Folge des Baugeschehens brachgefallen und "verwildert". War man zunächst der Meinung, es würde reichen, den vorhandenen Bewuchs zu entfernen und den nur wenig dicken Rotlagehorizont abzutragen, um den kiesigen Untergrund freizulegen und darauf dann den Magerrasen neu anzulegen, wurde man bald eines Besseren belehrt. Unter einem dünnen kiesigen Überzug fand man an einigen Stellen meterdicke Verfüllungen mit Oberboden, Zeugen eines früheren kleinen Kiesabbaus, wahrscheinlich beim Flugplatzbau oder in der Nachkriegszeit entstanden. Dieser Boden musste ausgetauscht werden, sonst hätte die Ansiedlung des Magerrasens keinen Erfolg haben können.

Zeitgleich zu diesen Erdarbeiten fanden in einem Geländebereich unweit weiter westlich archäologische Notgrabungen statt, bei denen einige bemerkenswerte Funde aus der Zeit der keltischen Besiedlung und aus dem frühen Mittelalter gemacht wurden. Der Fundhorizont deckte sich mit dem Geländeniveau, auf das man nun in Folge des Bodenaustauschs vorgedrungen war. Also mussten die Archäologen kurzfristig auch hier sondieren, im stark gestörten Bodenaufbau hatten sich allerdings keine Siedlungsspuren erhalten. Dieses Intermezzo führte jedoch zu einer Modifikation der Planung, die noch heute sichtbar ist: anstatt beim Bodenaustausch den aufgegrabenen Bereich komplett mit Kies aufzufüllen und an das umliegende Geländeniveau wieder anzugleichen, wurde das Niveau in der Fläche tiefer belassen, ungefähr auf dem Horizont der archäologischen Funde in der Nachbarschaft. So wird an dieser Stelle mittels einer winzigen Geländemodellierung an ein Stück Landschafts- und Kulturgeschichte erinnert, ähnlich wie mit den 2.000 Jahre jüngeren, aber auch bereits verwitternden Betonplatten des alten Flugplatzes, die die Fläche begrenzen und auf denen der Besucher sich durch das Gelände bewegt.

Ob der "Umzug" des Magerrasens dauerhaft gelungen ist, lässt sich derzeit noch nicht sicher sagen. Die Anfangsentwicklung ist jedenfalls sehr erfreulich und erscheint nahezu beschleunigt gegenüber der Ausgangsfläche. Typischerweise für solche Frühstadien dominieren zunächst Pionierpflanzen das Bild, hier war es zunächst hauptsächlich Natternkopf (Echium vulgare). In ihrem Schutz und Schatten breiten sich jedoch die Magerrasen-Zielarten langsam aus. Um die Entwicklung zu steuern, Biomasse zu reduzieren und so länger offene Standorte für die Ansiedlung zu erhalten, wurde bereits im zweiten Jahr ein erster Mähgang durchgeführt.