Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Station 5: Magerrasen von 1999

Das 2012 in Betrieb genommene Laborgebäude wurde auf einer Fläche errichtet, die 1999 als Magerrasen angelegt worden war. Von ursprünglich ca. 3.200m2 ist auf der Westseite noch knapp 1/4 übrig geblieben und zeigt dort alle Merkmale, die auch für die überbaute Fläche typisch waren.

Magerrasen im südlichen Bereich vor Errichtung des Neubaus Bild vergrössern Magerrasen vor Errichtung des Neubaus

In rund 10 Jahren hatte sich die Fläche zu einem sehr artenreichen Magerrasen mit Anklängen von Trockenrasen und somit zu einem schützenswerten Biotop entwickelt. Der bauliche Eingriff musste zwangsläufig ausgeglichen werden und führte zur Anlage umfangreicher Magerrasenflächen im südlichen Geländeteil mit dem Ziel der Trockenrasenentwicklung. Während der Bauzeit konnte die Fläche nur mit Mühe vor Beschädigungen geschützt werden, die Sensibilität vieler Akteure am Bau für naturnahe Standorte und wertvolle Biotope ist "ausbaufähig". Umso erfreulicher ist es, dass es offensichtlich gelungen ist, die ökologische Qualität der Fläche zu erhalten.

Vor der Kulisse weniger einzelner Kiefern, die das LfU-Gelände nach Westen begrenzen, zeigt sich ein bis heute lückiger, magerer und sehr kräuterreicher Bewuchs, der Deckungsgrad beträgt ca. 70%. Auf dem rein kiesigen Rohboden wurde 1999 und 2000 jeweils im Spätsommer Heumulch von der Dürrenastheide und der Königsbrunner Heide ausgebracht. Die ersten fünf Jahre war die Vegetationsentwicklung so langsam, dass keinerlei Pflege durchgeführt werden musste. Ab dem 6. Jahr wurde sog. "unerwünschter Aufwuchs", also v.a. Gehölze und vereinzelt erscheinende Ruderalpflanzen einzeln entfernt. Ein erster Mähgang zur Reduzierung von Biomasse fand erst im Jahr 2006 statt, seitdem wird alle ein bis zwei Jahre einmal gemäht. Störende Arten werden parallel weiter beobachtet und bei Bedarf entfernt. In letzter Zeit macht sich v.a. das Aufkommen von jungen Kiefern bemerkbar. Hier muss die Gärtnerhand die Ziege ersetzen, die im Falle einer Beweidung, wie sie der historischen Nutzungspraxis der Heideflächen entspricht, die jungen Gehölze verbissen hätte.

Die jüngsten Ergebnisse der Dauerbeobachtung aus dem Jahr 2012 vermerken für die Fläche das Vorkommen von 43 Pflanzenarten, davon sind 75% sog. Zielarten aus den relevanten, also standorttypischen Artengruppen der Halbtrockenrasen, Magerwiesen, Kiefernwälder und Wärmeliebenden Säume, wobei die Arten aus den beiden erstgenannten Gruppen eindeutig dominieren. Bemerkenswert ist, dass es keine Arten gibt, die den Bestand dominieren, die Artenvielfalt das Erscheinungsbild also auch visuell deutlich prägt. Der Anteil seltener und schützenswerter Arten ist hoch, so dass der Fläche sehr hohe Artenschutzwerte bescheinigt werden und sie künftig als Referenzfläche für die Entwicklung auf den neu angelegten Magerrasen herangezogen werden kann.