Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Station 2: Pionierbrache am Aquiferspeicher

Das bis zu knapp 2m hohe Bauwerk des Aquiferspeichers wurde genutzt, um an diesem künstlichen Standort ohne direkten Bodenkontakt die Möglichkeiten für eine spontane Begrünung bei verschiedenen mageren Bodenbedingungen durchzuspielen. Die in Bayern verbreiteten Gesteinsarten Granit, Basalt, Buntsandstein, Dolomit und der regionaltypische Kies wurden als feiner Splitt, gröberer Schotter, grobe Schroppen und unsortiertes Gemisch in Feldern von je ca. 60m2 Größe ca. 25cm dick aufgetragen. Mit diesen Gesteinen wurden auch die Gabionen zur seitlichen Abstützung befüllt, sie werden so auch in der vertikalen Ansichtsfläche für den Besucher sichtbar.

Sukzessionsflächen zwischen Steinschüttungen auf dem Aquifer Bild vergrössern Sukzessionsstadien im 12. Jahr der Entwicklung

Im Inneren des Bauwerks verbirgt sich ein nach außen komplett abgedichteter und gedämmter Kies-Wasser-Speicher (Aquifer) als Zwischenspeicher für die solare Unterstützung der Gebäudeheizung. Das System der im Speicher verlegten Heizungsschlangen wird an der Oberfläche durch einen mäandernden Lesesteinwall aus Kalksteinblöcken visualisiert, der die schachbrettartig angeordneten Flächen aus Gesteinsschüttungen voneinander abgrenzt.

Auf der Oberfläche des Aquifers herrschen extreme Standortbedingungen:

  • Bei voller Sonneneinstrahlung heizt sich die Fläche stark auf.
  • Wegen des fehlenden Bodenkontakts und der Isolierung nach unten wird es im Winter vergleichsweise kalt.
  • Die rein mineralischen Ausgangssubstrate bieten kaum Nährstoffe und, je gröber sie sind, halten sie auch kaum Wasser.

Erst im Lauf der Zeit, durch Verwitterung und Eintrag organischer Stoffe von außen, entstehen Bodenverhältnisse, die Pflanzenansiedlung erlauben – ähnlich der Entwicklung an einem alpinen Standort. Dieser Prozess vollzieht sich unterschiedlich schnell, abhängig vom Ausgangsgestein und der Körnung der Schüttung.

Wie auf anderen Sukzessionsflächen im Gelände auch, wurde bewusst keine gezielte Begrünung durchgeführt, die gesamte Vegetation hat sich spontan angesiedelt. Auf feinkörnigem Sandsteinsplitt mit guter Wasserführung ging das sehr viel schneller und flächendeckender als in einem trockenen Feld aus Kalk- oder Granitsteinen. Im Übergangsbereich zwischen Oberfläche und Gabionenmauer, wo sich unsichtbar Sickerwasser sammelt, zeugen inzwischen reichlich aufkommende Sträucher in den Gabionen von dieser besonderen "Standortgunst".

Die Pflege beschränkt sich seit der Anlage der Fläche 1998 auf die Beseitigung bzw. Reduzierung des Gehölzaufwuchses mit ca. zwei Arbeitsgängen im Jahr. Die Flora weist keine Besonderheiten bei den Einzelarten auf. Der Wert liegt im kleinräumigen Mosaik von Standorten und Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, insbesondere Vögel, Insekten und Spinnen, und in der Möglichkeit einer weitgehend naturbelassenen Eigendynamik bei ganz allmählicher Begrünung.

Eine nicht bemerkenswert erscheinende, aber interessante Vegetation findet sich im weiteren Wegeverlauf beiderseits des Wegs zwischen Aquifer und Kantine. Die Abböschung des oberhalb der niedrigen Trockenmauer aus Betonabbruch und das schmale Vorfeld des Gebäudes, das halb von auskragenden Geschoßen überdeckt wird und damit im Regenschatten liegt, wurden ebenfalls ursprünglich als nicht begrünte Sukzessionsflächen angelegt. Kiesiger Füllboden, im Traufbereich zusätzlich ca. 5cm Auflage aus gewaschenem Kies, nichts weiter. Bereits nach wenigen Jahren hatte sich hier ein nahezu flächendeckender Bewuchs mit typischen Mager- und Trockenrasenarten eingestellt, die allein durch Windverfrachtung von Samen aus Heumulch-begrünten Flächen initiiert wurde.