Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Station 11: Parkplatz

Das Erscheinungsbild des Parkplatzes wird bestimmt von einem Baumdach aus Robinien, gepflanzt in einem Raster von ca. 9 x 10m. Von Anfang an war bei der Planung klar gewesen, dass ein Parkplatz für 181 Fahrzeuge mehr sein musste, als nur eine Verkehrsfläche zum Abstellen von Autos. Daraus entwickelte sich das Konzept des "Parkens unter Bäumen": die Parkierungsfunktion sollte mit so viel technischem Aufwand wie gerade nötig in ein hainartiges Baumdach integriert werden. Das Baumdach sollte dominieren und sich über einer möglichst ruhigen, fast platzartigen Fläche entfalten können, die auch dann noch eine räumliche Qualität besitzt, wenn sie nicht von Autos beparkt wird.

Rasenpflaster und Muldenversickerung am Parkplatz Bild vergrössern Rasenpflaster und Muldenversickerung

Dieses Baumdach beschattet die Stellplätze und verringert die Aufheizung der großen befestigten Fläche. Es bindet den Parkplatz in die Umgebung ein und korrespondiert mit den Lindenalleen entlang der Straßen. Die Baumart Robinie (Robinia pseudoacacia) wurde gewählt, weil sie als Pioniergehölz mit den mageren, trocken-steinigen Bodenbedingungen und dem Standort in der befestigten Parkplatzfläche zurecht kommt und Vitalität entwickelt, auch ohne die sonst häufig üblichen aufwändigen Baumquartiere. Sie ist schnellwüchsig und bildet eher lichte Kronen mit hellem Laub, so dass die gewünschte Hainbildung frühzeitig erreicht werden konnte.

Für den Parkplatz wurde ein besonders kompaktes Organisationsprinzip entwickelt. Der Flächenverbrauch für die Stellplätze konnte gegenüber herkömmlichen Typen um 10% reduziert werden, bei zugleich dichter beschattender Bepflanzung (0,45 Bäume/Stellplatz) und Integration von Mulden für die Versickerung des Niederschlagswassers.

Wegen seiner Lage in der äußeren Schutzzone eines Wasserschutzgebietes konnte die angestrebte Versickerung von Niederschlagswasser nur unter Auflagen realisiert werden. In jedem Fall mussten Flächen, wo Wasser versickern konnte, eine biologische Aktivierung erfahren, um das Sickerwasser zu filtern. Dies führte zu folgenden Lösungen:

  • Fahrspuren sind engfugig gepflastert mit weitgehend verschlossenen Fugen, ausgeprägtem Gefälle und guter Abflussleistung.
  • Innerhalb der Stellplätze wurde Pflaster mit breiter Rasenfuge ausgeführt, Bewuchs und Substratanteil im Fugenmaterial erfüllen Mindestanforderungen, ausgeprägtes Gefälle für guten Abfluss.
  • Gezielte Versickerung der Hauptabflussmenge in Sickermulden mit mind. 30cm Oberbodenfilter und dauerhaftem Bewuchs.

Die Sickermulden sind längs zwischen den Stellplatzreihen angeordnet. Sie wurden als Glatthaferwiesen angesät und werden nur zweimal jährlich gemäht. Ihr anfangs immenser Blütenreichtum (v.a. Margeriten) zeichnete eine lebendig-bunte Struktur in die Verkehrsfläche. Inzwischen, durch Zunahme der Verschattung und Nährstoffanreicherung durch Eintrag aus den Belagsflächen haben typische Saumstauden wie Storchschnabel (Geranium) oder Malve deutlich zugenommen, zusammen mit Gräsern. Der Charakter hat sich gewandelt, aber immer noch ergibt sich durch das Höhenwachstum der Vegetation in den Mulden ein nachvollziehbarer jahreszeitlicher Rhythmus, er gibt der Verkehrsfläche ein stimmiges Gepräge innerhalb der naturnahen Außenanlage.

Nach Norden hin zur Bürgermeister-Ulrich-Straße erhielt der Parkplatz als räumliche Fassung eine Gabionenmauer, auf der verschiedene Wildrosenarten wachsen und sie allmählich überschlingen. Zur Weddigenstraße an der Ostseite sorgt ein Wall für Abschirmung zur benachbarten Wohnbebauung. Er ist mit standortgerechten heimischen Gehölzen bepflanzt. Die sonst selten verwendete heimische Felsenbirne (Amelanchier ovalis) hat sich hier sehr gut etabliert und sorgt für besondere Blütenfülle im Frühjahr.