Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Auen und NATURA 2000

Am 21. Mai 1992 erließ der Rat der Europäischen Gemeinschaften die Richtlinie 92/43/EWG, die so genannte „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“ (FFH-RL). Zusammen mit der bereits seit 1979 gültigen Richtlinie 79/409/EWG, der „Vogelschutz-Richtlinie“ (VS-RL), bildet die FFH-RL das Naturschutzprojekt „NATURA 2000“, das Arten und Lebensräume innerhalb der EU in einem Länder übergreifenden Biotopverbundnetz schützen und damit die biologische Vielfalt dauerhaft für unsere Nachkommen erhalten soll. Beide Richtlinien sind wesentliche Instrumente zur Erreichung des von den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten im Juni 2001 in Göteborg beschlossenen Ziels, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Europa bis zum Jahr 2010 einzudämmen. Damit steht das Schutzgebietsnetz NATURA 2000 im Zentrum der Bemühungen der europäischen Union um den Naturschutz.

Rechtsverbindliche Erhaltungsziele eines NATURA 2000-Gebiets sind die Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen (Erhaltungs-) Zustands der im Standard-Datenbogen genannten und für die Meldung als FFH- bzw. Vogelschutz-Gebiet signifikanten Arten nach Anhang I und Art. 4 Abs. 2 der Vogelschutz-Richtlinie bzw. Lebensraumtypen nach Anhang I sowie Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie.

Die höheren Naturschutzbehörden formulieren die gebietsbezogenen Konkretisierungen der Erhaltungsziele (gkEZ) für die einzelnen Schutzgüter. Maßnahmenbezogene Aussagen erfolgen nicht. Die notwendigen Erhaltungs- oder Wiederherstellungsmaßnahmen werden stattdessen im Rahmen der Managementpläne festgelegt.

Die Auen in Bayern sind in erheblichem Umfang betroffen. Einer groben Abschätzung im Auenprogramm zufolge sind ca. 25 % der Auen der größeren bayerischen Fließgewässer als NATURA 2000-Gebiete gemeldet.

Auentypische FFH-Lebensraumtypen sind beispielsweise:

Auentypische FFH-Lebensraumtypen
Lebensraumtyp Code-Nr.
Erlen- und Eschenwälder und Weichholzauenwälder an Fließgewässern 91E0
Eichen-Ulmen-Eschenwälder am Ufer großer Flüsse 91F0
Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation 3220
Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myrica germanica 3230
Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Salix eleagnos 3240
Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitans und Callitricho-Batrachion 3260
Flüsse mit Schlammigbänken mit Vegetation des Chenopodion rubri und des Bidention 3270
Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe 6430
Magere Flachland-Mähwiesen 6510

Auentypische Arten (nach VS-RL und FFH-RL) sind beispielsweise:

in Fließgewässern:

  • Fischotter
  • Flussperlmuschel
  • Bachneunauge

in Auwäldern:

  • Nachtreiher (Weichholzaue)
  • Mittelspecht (Hartholzaue)
  • Halsbandschnäpper (Hartholzaue)

in Röhrichtbeständen/auf Rohboden:

  • Kriechender Scheiberich
  • Blaukehlchen
  • Gelbbauchunke

in Feuchtwiesen:

  • Wachtelkönig
  • Weißstorch

Grundsätzlich bieten die NATURA 2000 Gebiete somit eine gute Basis für den Auenschutz. Es zeigt sich aber auch, dass bei bestimmten Lebensraumtypen und Arten Zielkonflikte mit einer dynamischen Gewässerentwicklung oder der Funktion der Aue als natürlicher Hochwasserrückhalteraum entstehen können. Das Auenprogramm bietet sich hier als Plattform für die Abstimmung an.

Mehr zu NATURA 2000, den Lebensraumtypen und Arten finden Sie unter: