Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Nutzung und Gefährdung von Auen

Auennutzungen

Flussauen wurden von jeher durch Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung mehr oder weniger beeinflusst. Entlang von Rhein und Donau lagen die wichtigsten Handels- und Völkerwanderungswege Mitteleuropas. Auf Flößen und Schiffen konnten Güter wie Holz, Ziegel, Salz aber auch Menschen und Kriegsgerät vergleichsweise einfach transportiert werden. Die fruchtbaren, weiten Auen konnten die Menschen ernähren. Dazu wurden die Auwälder abgeholzt, Äcker und Weiden angelegt und bewirtschaftet. Damals noch in Abstimmung mit dem Steigen und Fallen der Fluten und in respektvollem Abstand vom Fluss. Die regelmäßigen Überflutungsbereiche wurden in der Regel - außer mit einzelnen Gebäuden oder Mühlen - nicht besiedelt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieben die menschlichen Eingriffe im Großen und Ganzen naturverträglich. Das Flussregime wurde kaum beeinträchtigt, den Flüssen und Bächen blieben genügend Raum zur eigendynamischen Entwicklung.

Zwei Tortendiagramme zeigen die Nutzungsverteilung in Auen im Vergleich zu Gesamtbayern Bild vergrößern Nutzungsverteilung in Auen im Vergleich zu Gesamtbayern

Heute sind die Auen der Gewässer erster und zweiter Ordnung in Bayern zu über 10% durch Verkehrwege, Siedlungen und Gewerbegebiete überbaut. Die Infrastrukturdichte innerhalb der Auen ist mehr als doppelt so hoch wie im landesweiten Durchschnitt.

Auch der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzflächen ist in den (ursprünglichen) Überschwemmungsgebieten der Flüsse und Bäche deutlich höher als im landesweiten Durchschnitt. Rund 2/3 der Auen werden landwirtschaftlich genutzt, der größere Anteil davon als Ackerbau betrieben.

Der enorme Nutzungsdruck durch Landwirtschaft und Infrastruktur hat den Wald im Laufe der Jahre nach und nach aus den Auen verdrängt. Entlang der großen Fließgewässer Bayerns sind die Auen daher nur noch zu rund 15 % bewaldet. Während dabei die Auen Nordbayerns von noch größerer Waldarmut geprägt sind, konnte sich im Süden Bayerns der Wald in den Auen der Alpenvorlandflüsse auf rund 1/3 der Auenfläche halten.

Gefährdung von Auen

In der Summe haben die Nutzungen zu weitgehenden Einschränkungen bzw. Verlusten der Naturnähe und der ökologischen Funktionsfähigkeit der Auen in Bayern geführt.

Karte der Ökologischen Funktionsfähigkeit der Auen in Bayern im Übersichtsmaßstab 1:500.000 Ökologische Funktionsfähigkeit der Auen in Bayern (Übersicht)

Eine Übersichtsbetrachtung (Maßstabsebene 1:500.000) des Auenprogramms für die größeren Gewässer Bayerns hat aufgezeigt, dass nur noch 3% der betrachteten Auen in ihrer Ökologischen Funktionsfähigkeit nahezu uneingeschränkt sind. Erfreulich ist zwar, dass auch die schlechteste Kategorie („sehr stark eingeschränkte ökologische Funktionsfähigkeit“) in ähnlich geringer Größenordnung (4%) vertreten ist. Rund ein Drittel (32%) aber fallen in die Kategorie „eingeschränkt“ und insbesondere der hohe Anteil von Auen mit „deutlich eingeschränkter“ (20%) und „stark eingeschränkter Ökologischer Funktionsfähigkeit“ (41%) zeigt die schwierige Situation der Auen in Bayern und den damit verbundenen Handlungsbedarf.

Die räumliche Verteilung dieser Ergebnisse über Bayern zeigt die folgende Karte.

Diesen Einschränkungen der ökologischen Funktionsfähigkeit liegen i. w. die folgenden Phänomene zugrunde:

  • Fehlende Abflussdynamik: Gewässeraufstau, eingeschränkte/fehlende Ausuferung (Trennung von Fluß und Aue), Abflussvergleichmäßigung durch Speicher im Oberlauf, Entwässerung der Aue, Grundwasserabsenkung
  • Fehlende Morphodynamik: Ufer- und Sohlbefestigungen, Querbauwerke, Geschiebedefizit, Nivellierung des Auenreliefs
  • Fehlende Durchgängigkeit der Lebensbedingungen (im Gewässer, zw. Fluss und Aue, in der Aue, längs und quer)
  • Stoffeintrag durch Intensivnutzungen
  • Direkte Vernichtung von Auenstandorten durch Überbauung/Infrastruktur
  • Nivellierung der Standortvielfalt

Bestrebungen zum Auenschutz müssen also einerseits die letzten funktionsfähigen Auen vor Beeinträchtigungen bewahren und anderseits, wo immer es mit nachhaltigen Formen der Landnutzung vereinbar ist, durch Rückgängigmachen der oben genannten Phänomene die Funktionsfähigkeit von Auen wieder herstellen.