Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Artenschutzkartierung

Die genaue Erfassung seltener Tier- und Pflanzenarten ist eine wichtige Grundlage für die Arbeit von Naturschutzbehörden, Kommunen, Planungsbüros und wissenschaftlichen Einrichtungen.

In Bayern gibt es vielfältige Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen: Aber wo kommen welche seltene Arten tatsächlich vor? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Artenschutzkartierung (ASK), die das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) betreut und in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden sowie vielen ehrenamtlich Tätigen und Büros durchführt.

In Bayern existiert seit 1980 eine landesweite Datenbank (ASK-Datenbank), deren zentrales Ziel die Bereithaltung von faunistischen und floristischen Daten für die Naturschutzpraxis ist. Neben der Auswertung von Literatur- und Sammlungsdaten werden Meldungen ehrenamtlich tätiger, fachkundiger Personen übernommen und durch Daten von Auftrags-Kartierungen aus verschiedenen Quellen ergänzt.

Die Graphik zeigt eine Bayernkarte mit Fundorten in Form von Punkten, an denen der Mädesüß-Perlmutterfalter bisher nachgewiesen wurde. Die Art ist in ganz Bayern verbreitet, jedoch ist im südbayerischen und ostbayerischen Raum eine deutliche Häufung der Nachweise erkennbar. Bild vergrößern Punktverbreitungskarte des Mädesüß-Perlmutterfalter, Stand Dezember 2012

Die Graphik zeigt eine Bayernkarte mit Fundorten in Form von Punkten, an denen die Grüne Keiljungfer bisher nachgewiesen wurde. Gut erkennbar sind die bayerischen Verbreitungsschwerpunkte der Art: das Mittelfränkische Becken, das Naab-Regen-Einzugsgebiet, das südwestliche Vorland des Bayerischen Waldes sowie die Flüsse Amper und Paar. Bild vergrößern Punktverbreitungskarte der Grünen Keiljungfer, Stand Dezember 2012

Die ersten systematischen Kartierungen waren die Amphibienkartierungen, die meist auf Landkreisebene durchgeführt wurden. Seit einigen Jahren werden diese erweitert durch die Kartierung ausgewählter Arten und Artengruppen auf der Ebene von Landkreisen oder kreisfreien Städten (Naturschutzfachkartierungen). Die Höheren Naturschutzbehörden an den Regierungen führen parallel Bestandserhebungen nach der Methode der Naturschutzfachkartierung im Rahmen der FFH-Managementplanung durch.

Die Ergebnisse stehen den Naturschutzbehörden für ihre tägliche Arbeit zur Verfügung und werden bei berechtigtem Interesse auf Anfrage auch an Planungsbüros und Gutachter für Einzelvorhaben bereitgestellt.

Säulendiagram für ausgewählte Artengruppen, wie sich im Vergleich 2009 und 2014 die Anzahl der Fundorte und der Artnachweise verändert haben. Mit Abstand die meisten Nachweis-Daten für Schmetterlinge (Tag- und Nachtfalter). Derzeit knapp über 600.000 Nachweise an knapp 39.000 Fundorten in der ASK aufgeführt. 2009 waren es noch 130.000 Nachweise und 7.000 Fundorte weniger. Vögel mit 307.000 Nachweisen an knapp 68.000 Fundorten 2014 die zweitgrößte Gruppe, gefolgt von Pflanzen (223.000 Nachweise an 48.000 Fundorten), Heuschrecken (212.000 NW, 38.000 FO), Libellen (180.000 NW, 25.500 FO), Amphibien (178.000 NW, 49.500 FO), Bienen, Wespen und Ameisen (141.000 NW, 8.000 FO), Säugetieren (112.000 NW, 35.000 FO), Käfern (92.500 NW, 8.300 FO), Spinnen  (41.500 NW, 2.500 FO), Muscheln und Schnecken (41.000 NW, 6.000 FO) sowie den Reptilien  (34.000 NW, 21.700 FO). Alle anderen Artengruppen sehr kleine Anzahl an Nachweisen und Fundorten. Bild vergrößern Datenbestand der Artenschutzkartierung Bayern – Anzahl der Artnachweise und der Fundorte ausgewählter Artengruppen im Vergleich der Jahre 2009 und 2012

Derzeit gibt es in der Datenbank über 2,25 Millionen Artnachweise an rund 263.000 Fundorten. Bedingt durch die unterschiedlichen Datenquellen sind die Daten zwangsläufig hinsichtlich ihrer Eigenschaften (Aktualität, Lagegenauigkeit) sehr heterogen.

Die nebenstehende Grafik zeigt an ausgewählten Artengruppen, wie sich die Anzahl der Artnachweise und Fundorte auf die Artengruppen verteilen und wie sich innerhalb der letzten viereinhalb Jahren (Dezember 2009 bis Juni 2014) der Datenzuwachs gestaltete.
Die Interpretation der Daten ist jedoch nicht so einfach und erfordert einiges Hintergrundwissen. So verbergen sich hinter den einzelnen Artengruppen beispielsweise ganz unterschiedlich große Artenzahlen, die sich natürlich auch auf die Anzahl der Fundorte und Nachweise auswirken, vor allem, wenn sie sehr unterschiedliche Lebensräume bewohnen: unter dem Begriff „Schmetterlinge“ beispielsweise werden insgesamt 2.849 Arten erfasst (Tagfalter, Nachtfalter, Kleinschmetterlinge), die sowohl in sehr feuchten, aber auch in trockenen Bereichen oder in Wäldern vorkommen können. Bei den Libellen sind es nur 75 Arten in Bayern, die fast ausschließlich an fließenden oder stehenden Gewässern kartiert werden.

Trotzdem lassen sich aus der Graphik einige Ergebnisse ablesen. Gut erkennbar ist, dass es bei Reptilien, Amphibien, Libellen, Tagfaltern und Heuschrecken zu deutlich erkennbaren Zuwächsen gekommen ist. Das erklärt sich v.a. daraus, dass diese Artengruppen zum üblichen Untersuchungsspektrum bei Auftragskartierungen gehören, wie sie beispielsweise bei Planungsvorhaben wie Straßenbaumaßnahmen durchgeführt werden. Die überproportional hohe Zunahme bei den Schmetterlingen, sowie die Zunahme bei den Amphibien und den Reptilien, die über den sonst üblichen Umfang an Datengewinn bei den Auftragskartierungen hinaus geht, erklärt sich aus gezielter Kartierungstätigkeit und durch zahlreiche Datenlieferungen bzw. Datenankäufe, die im Rahmen der Erstellung des Tagfalter-Atlasses, bzw. im Rahmen der Vorbereitung des Amphibien- und Reptilienatlassen erfolgten.

Pflanzen werden v.a. im Zuge der Biotopkartierungen erhoben, daher sind sie in der ASK unterrepräsentiert. Allerdings erfolgten in den letzten Jahren einige große Datenankäufe, die auch hier einen deutlichen Datenzuwachs bewirkt haben.

Der Datenzuwachs bei Käfern beruht einerseits darauf, dass einige Untersuchungen bzw. Datenankäufe im Rahmen von Stadtbiotopkartierungen in Auftrag gegeben wurden, andererseits wurde in den letzten Jahren die Artengruppe gezielt untersucht, da sie im Rahmen von Natura 2000 bzw. der sogenannten speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) eine größerer Bedeutung erhalten hat.

Weitere Hinweise zur ASK können Sie der folgenden Datei entnehmen:

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