Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Streifenbläuling

Streifenbläuling-Männchen an Grashalm, hellbraune Flügelunterseiten sichtbar Bild vergrössern Der weiße Streifen auf der Unterseite der Hinterflügel identifiziert den Streifenbläuling. Foto: J. Voith
Steckbrief zum Streifenbläuling (Polyommatus damon)
Aspekte Erläuterung
Merkmale Flügelspannweite 34 bis 38mm, großer weißer Streifen auf der graubraunen Hinterflügelunterseite, auf den Flügelunterseiten beider Flügelpaare mehrere schwarze hell eingefasste Punkte, Flügeloberseiten der Männchen türkis mit schwarzbraunen Flügelrändern, Weibchen einfarbig dunkelbraun mit feinem weißen Rand, Ei grünlich-weiß mit zackenartigen Fortsätzen, Raupe asselförmig, grün mit dunklen Rückenstreifen, Puppe olivgrün.
Verbreitung Lokale Vorkommen von Spanien (Norden und Osten) über Mittel- und Südosteuropa (Balkan) und die Türkei bis zum Altai, in Europa sind die Vorkommen im Wesentlichen in Zentral- und Osteuropa und in den Bergen Südeuropas konzentriert, in Bayern früher weit verbreitet, heute nur noch wenige Vorkommen im Grabfeldgau und der Rhön.
Lebensraum und Lebensweise Magerrasen auf Kalk oder Keuper vom Tiefland über Mittelgebirge bis weit über 2:000m NN in den Alpen (nicht in Bayern) Eiablage Mitte Juli an höher gelegenen Pflanzenteilen der Esparsette, z.B. Tragblätter der Blüten, Kelch oder Samenkapsel, nicht jedoch an die Blätter selbst, die Raupen schlüpfen ab Mitte September, ameisenliebendes Verhalten der Raupen, Überwinterung der Raupe im ersten Larvenstadium oder als Raupe im Ei, nach Überwinterung werden Blätter und Blüten der Esparsette befressen (sog. Fensterfraß), Verpuppung ab Anfang Juni Flugzeit Juli bis August/September:
Ansprüche fast ganzjährige Bindung an die Futterpflanze Esparsette, im Larvalhabittat bodennah trocken-warmes Mikroklima.

Bestand und Gefährdung

Die deutschen Bestände des Streifenbläulings sind extrem rückläufig. In den Roten Listen Deutschlands und Bayerns wird der Schmetterling als vom Aussterben bedroht (Gefährdungskategorie 1) eingestuft. Neben der Berghexe (Chazara briseis) ist der Streifenbläuling derzeit der am stärksten gefährdete Tagfalter Bayerns und akut vom Aussterben bedroht. Die letzten bayerischen Vorkommen existieren in der Rhön und im Grabfeldgau. Die minimalen Restbestände in der südlichen Frankenalb sind kaum mehr überlebensfähig.

Bayernkarte mit aktuellen Vorkommen des Streifenbläulings Bild vergrössern Aktuelle Vorkommen des Streifenbläulings existieren nur noch im nördlichsten Bayern, im Grabfeld und der Rhön, sowie in einem sehr kleinen Restbestand in der Südlichen Frankenalb. Alle anderen hier noch dargestellten Populationen sind inzwischen erloschen. Grafik: LfU 2013

Eier und Raupen des Streifenbläulings finden sich – mit Ausnahme der Puppe, die am Boden gebildet wird – ausschließlich auf der Esparsette als alleiniger Futterpflanze. Geht man von einem überwinternden Ei aus, so ist lediglich zur Puppenphase im Juni die Futterpflanze "unbesetzt". Aus dieser permanenten Anwesenheit auf der Esparsette resultiert ein starkes Gefährdungsmoment, denn sowohl bei den oftmals schafbeweideten Habitaten als auch bei gemähten Flächen können diese Entwicklungsstadien erfasst und im schlimmsten Fall komplett eliminiert werden. Die Problematik wird während der Schafweide zusätzlich verschärft durch den bevorzugten und selektiven Fraß der Esparsette.

Eine einfache Reduktion der Pflege- bzw. Beweidungsintensität, wäre ebenfalls kontraproduktiv, weil sich hierbei das Mikroklima der zunehmend grasreicheren und verbuschenden Habitate negativ verändern würde. Für den Streifenbläuling, der auf ein bodennah trockenwarmes Mikroklima angewiesen ist, geht dann die Eignung als Lebensraum verloren.

Säulendiagramm: bei Schatten 20%, Vegetation mittel ist 4% mittlerer Anteil belegter Samenstände, bei Schatten 0%, Vegetation lückig ist 12% mittlerer Anteil belegter Samenstände Bild vergrössern Eikartierungen zeigen die essentielle Bedeutung lückiger, möglichst vollsonniger Vegetationsbestände als Fortpflanzungshabitat. Grafik: Büro Geyer & Dolek 2007

Projektinhalt

Die Untersuchungen im Rahmen des Artenhilfsprogramms für den Streifenbläuling, wurden 2006 begonnen. In den darauffolgenden Jahren konnten auf der Basis der durchgeführten autökologischen Untersuchungen Pflegerichtlinien ausgearbeitet und zum Teil umgesetzt bzw. erprobt werden.

Die Untersuchungen wurden ausschließlich an den Vorkommen des Streifenbläulings im Landkreis Rhön-Grabfeld durchgeführt. Die wesentliche Aufgabe bestand in der Ableitung der autökologischen Befunde zu einem praktikablen Umsetzungskonzept, das sowohl auf beweideten wie auch auf gemähten Flächen angewendet werden kann.

Die wichtigsten Maßnahmen sind die jährliche Anpassung der Beweidungszeit an die saisonale Entwicklung (Verpuppungsphase), das Einführen von Rotationsbrachen und das Auszäunen von Larvalhabitaten.

Bei beweideten Flächen kann mit Hilfe der "Indikatorart" Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) der Zeitraum der Verpuppung des Streifenbläulings hinreichend genau bestimmt werden, weil die larvalen Entwicklungen beider Arten annähernd zeitgleich verlaufen. Da das Esparsetten-Widderchen in den ausgewählten Untersuchungsgebieten deutlich häufiger vorkommt und dessen Larven zudem leichter aufzufinden sind, kann auf den Entwicklungsstand des Streifenbläulings rückgeschlossen werden. Die Bestimmung des "Verpuppungs-Zeitfensters" hat Auswirkungen auf die Durchführung des ersten Weideganges, der erst nach erfolgter Verpuppung des Streifenbläulings beginnen darf. Der 2. Beweidungsdurchgang kann ab Anfang September erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt haben die Raupen bereits bodennahe Pflanzenteile der Esparsette für ihre Winterruhe aufgesucht und sind so vor Fraß geschützt.
Gemähte Biotope werden unter Einbeziehung von Wechselbrachen, die sich frühestens alle vier Jahre wiederholen können, gepflegt.

Wiesenhang mit mehreren schmalen ungemähten Streifen Bild vergrössern Streifenmahd ist eine Möglichkeit den Lebensraum zu erhalten und die Eier und Raupen des Streifenbläulings zu schonen. Foto: Büro Geyer & Dolek

Die Pflege der Lebensräume des Streifenbläulings ist eine der schwierigsten und anspruchvollsten Aufgaben des Artenschutzes in Bayern. Obwohl die konzipierten Schutzmaßnahmen in erheblichem Umfang umgesetzt werden konnten – was keineswegs selbstverständlich ist –, gehen die Bestände des Streifenbläulings weiter zurück. Der großräumige Rückgang der Art und das Ausbleiben deutlich positiver Reaktionen auf die bisherigen Hilfsmaßnahmen deuten darauf hin, dass möglicher Weise weitere bislang unbekannte Faktoren für den Bestandrückgang eine Rolle spielen.