Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Maivogel

Maivogel Bild vergrössern Maivogel. Foto: W. Gailberger
Steckbrief zum Maivogel (Euphydryas maturna)
Aspekte Erläuterung
Merkmale Oberseite schwarz mit Binden aus orangen und hellen Flecken, Flügelspannweite 35–42mm, Raupen bis zu 30mm, schwarz mit einer auffällig gelben Scheckung und schwarzen behaarten Dornen, Puppen weiß gefärbt mit schwarzen Flecken und gelben Flecken am Hinterleib.
Verbreitung Frankreich über Mittel- und Osteuropa bis in die Mongolei in inselartigen Teilarealen, ursprünglich über ganz Deutschland verbreitet, heute nur noch Vorkommen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern.
Lebensraum und Lebensweise sehr lichte, warmfeuchte Laubmischwälder mit hohem Grundwasserstand und mit größeren Beständen von jüngeren besonnten Eschen und einer reichen Kraut- und Strauchvegetation Eiablage Ende Juni/Anfang Juli (Gelege mit 50-400 Eiern) an der Unterseite eines Eschenblattes, Raupen schlüpfen nach ca. 20 Tagen und bilden Gespinste, überwintern bis zu dreimal, ca. 18 Tage dauernde Puppenphase in warmfeuchtem Milieu, Falter leben etwa 12 Tage Flugzeit: sehr unauffälliges Verhalten, verstecktes Dasein, bevorzugen die Blüten von Sträuchern, wie z.B. Gewöhnlicher Liguster, Wolliger Schneeball.
Ansprüche enge Bindung an die Nahrungspflanze Esche, genutzt werden nur Eschen, die an warm-feuchten Standorten stehen, bei ausreichender aber nicht zu starker Sonneneinstrahlung.

Bestand und Gefährdung

Der Maivogel ist vielen Gebieten Mitteleuropas verschwunden. Er zählt zu den am stärksten gefährdeten Tagfalterarten Deutschlands. In den Roten Listen Deutschlands und Bayerns ist er als "vom Aussterben bedroht" eingestuft (RL 1). Der Maivogel ist, als Art des Anhangs II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, von gemeinschaftlicher Bedeutung bzw. von gemeinschaftlichem Interesse und ist damit europaweit streng geschützt. Für seinen Schutz wurden Natura 2000-Gebiete ausgewiesen.

Die Ursachen für den starken Bestandsrückgang sind das nahezu vollständige Verschwinden von Hartholzauen an größeren Flüssen, Entwässerungsmaßnahmen in feuchten Wäldern, die Aufgabe traditioneller Waldwirtschaftsformen, vor allem der Mittelwaldwirtschaft, die Aufforstung von Waldlichtungen, die Beseitigung oder Mahd blütenreicher Waldwegesäume oder Insektizideinsatz.

Die letzten bayerischen Vorkommen des Maivogels befinden sich in Mittelwäldern des Vorderen Steigerwaldes und in Auen-Laubwald-Streuwiesenkomplexen am Alpenrand bei Bad Reichenhall.

Raupe des Maivogels an einem Eschentrieb Bild vergrössern Raupe des Maivogels an einem Eschentrieb. Foto: wildlife-media.at

Das Eschentriebsterben ist eine neue Erkrankung, ausgelöst durch einen Pilz (Hymenoscyphus pseudoalbidus), die seit wenigen Jahren die Eschen befällt. Inzwischen sind auch unsere Maivogel-Populationen betroffen: Im Frühsommer 2010 wurden die ersten befallenen Bäume im Bad Windsheimer Stadtwald festgestellt. Im Berchtesgadener Land war die Erkrankung schon einige Jahre zuvor angekommen. Für den Maivogel ist besonders problematisch, dass vorrangig die Zweige befallen werden, die auch für die Eiablage genutzt werden. Bei starkem Befall stehen dadurch nur noch wenige Eiablagestellen zur Verfügung, welche zudem bei einem möglichen späteren Befall die Raupen dem Verhungern preisgeben (Falleneffekt).

Projektinhalt

Nach ersten weitgehend erfolglosen Untersuchungen Anfang der 1990er Jahre – die Art befand sich damals in einem Bestandstief – begann das LfU im Jahr 2000 erneut mit einem Artenhilfsprogramm für den Maivogel. Das AHP Heckenwollafter (seit 2001) steht in enger Verknüpfung dazu. Beide Artenhilfsprogramme haben sich aus dem Projekt "Lichte Wälder" entwickelt. Seither wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die insbesondere wichtige Erkenntnisse zur Larvalökologie erbrachten, aus denen wiederum gezielte Schutzmaßnahmen abgeleitet werden können.

Großes Gespinst mit vielen Raupen an Eschenblättern Bild vergrössern Wie beim Heckenwollafter sind auch beim Maivogel die Raupengespinste gut zu erfassen. Foto: Büro Geyer & Dolek

So belegen z.B. Temperaturmessungen die große Bedeutung einer ausreichenden Wärme und Luftfeuchte während der Jungraupenentwicklung. Eine geregelte und angepasste Mittelwaldbewirtschaftung hat sich als sehr günstig herausgestellt und wird daher über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald speziell finanziell gefördert. Wesentliche Maßnahmen bestehen im Erhalt lichter Waldstrukturen und der Schaffung breiter Säume und Waldmäntel. Im südlichen Steigerwald konnten inzwischen eine ganze Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden, mit deutlichen Erfolgen. Derzeit befinden sich nahezu alle Vorkommen, welche den Großteil des bayerischen Bestandes ausmachen, auf naturschutzfachlich gepflegten und geförderten Flächen.

Schwieriger ist die Situation der Vorkommen in Südbayern bei Bad Reichenhall, zumal es dort 2012 – ebenso wie im benachbarten Populationszentrum in Österreich – aus ungeklärten Gründen zu einem empfindlichen Bestandseinbruch kam.