Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Kreuzenzian-Ameisenbläuling

Kreuzenzian-Ameisenbläuling auf seiner Raupennahrungspflanze Kreuzenzian Bild vergrössern Kreuzenzian-Ameisenbläuling auf seiner Raupennahrungspflanze. Foto: E. Dallmeyer
Steckbrief zum Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Maculinea/Phengaris alcon rebeli)
Aspekte Erläuterung
Merkmale Flügelspannweite ca. 34mm, Unterseite hellbraun mit typischem Muster aus schwarzen Flecken, Oberseite der Männchen mattblau mit dunkelbraunen Flügelrändern und weißem Flügelsaum, Oberseite der Weibchen überwiegend braun.
Verbreitung Südosteuropa, südliches Mitteleuropa, Nordspanien, Vorkommen vereinzelt und sehr lokal, in Deutschland nur Nachweise aus Niedersachsen, Thüringen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.
Lebensraum und Lebensweise Kalkmagerrasen, Wacholderheiden und Flussschotterheiden mit Kreuzenzian-Beständen und Vorkommen von Wirtsameisen Eiablage im Juli, die rosaroten bis rotbraunen asselartigen Raupen fressen in den Blütenknospen des Kreuzenzians, im vierten Larvalstadium verlassen die Raupen die Futterpflanzen und werden von Ameisen der Gattung Myrmica in deren Nester verbracht und gefüttert, Verpuppung und Überwinterung im Ameisennest Falter fliegen von Mitte Juni bis Juli, Beginn der Flugzeit mit Entwicklung der Blütenknospen des Kreuzenzians, Falter saugen an verschiedenen Korbblütlern oder auch auf Thymian.
Ansprüche Kreuzenzian als Eiablage- und Raupennahrungspflanze sowie Vorkommen der Wirtsameisen, bevorzugt werden große, kräftige aus der übrigen Vegetation herausragende Pflanzen belegt, insgesamt nicht zu hohe und/oder zu dichte Vegetationsstruktur.

Bestand und Gefährdung

Halbtrockenrasen mit der Raupennahrungspflanze Kreuzenzian Bild vergrössern Lebensraum des Kreuzenzian-Ameisenbläulings: Halbtrockenrasen mit der Raupennahrungspflanze Kreuzenzian. Foto: R. Urban

Die meisten Fundorte des Kreuzenzian-Ameisenbläulings in Bayern befinden sich in der Frankenalb, im Grabfeldgau, an einigen südbayerischen Flüssen sowie in den Alpen. An 32 (entspricht 40%) aller 79 im Rahmen des Artenhilfsprogramms untersuchten Standorten (von 150 bekannten Fundpunkten) kam die Art nicht mehr vor. Nur in 5 Fällen können die vorgefundenen Populationen als groß und einigermaßen stabil bezeichnet werden. Insgesamt ist die Bestandssituation in Bayern rückläufig und sehr kritisch.

Eine der Hauptursachen für den starken Rückgang des Kreuzenzian-Ameisenbläulings ist der Mangel an geeigneten Lebensräumen wie mageres Grünland mit nicht zu dichter Vegetation in warmer und besonnter Lage, das nicht zu stark als Mahd oder Weide und zum richtigen Zeitpunkt genutzt wird.
Weitere Rückgangsursachen sind der Mangel an Nahrungspflanzen (es kommt dann zu einer Überbelegung der vorhandenen Kreuzenziane), an Wirtsameisen und geringe Lebensraumgrößen.

Projektinhalt

Das Artenhilfsprogramm für den Kreuzenzian-Ameisenbläuling wurde 2003 begonnen. Wichtige Faktoren für die Auswahl dieser Art waren insbesondere die starke Gefährdungssituation in Bayern, aber auch darüber hinaus in Europa.
Ziel des AHP ist es, die aktuelle Bestands- und Verbreitungssituation des Kreuzenzian-Ameisenbläulings in Bayern zu erkunden und das Wissen über die Ansprüche der Art an den Lebensraum zu vertiefen. Ein weiteres Ziel ist, mögliche Gefährdungen an den bayerischen Standorten zu erkennen, um geeignete Hilfsmaßnahmen anhand detaillierter Maßnahmenvorschläge einleiten zu können.

Kreuzenzianblüte umgeben mit kleinen weißen Eiern Bild vergrössern Die beste Möglichkeit die Art nachzuweisen, ist die Kontrolle blühender Kreuzenziane auf Eier. Foto: E. Dallmeyer

Das Überleben des Kreuzenzian-Ameisenbläulings ist von dem komplizierten Zusammenspiel zwischen Raupennahrungspflanze (Kreuzenzian) und Wirtsameisen (Knotenameisen) abhängig. Die Eiablagepflanze selbst ist eine seltene und gefährdete Art und die Raupen sind zwingend an das Leben im Ameisennest gebunden.

Da der Mangel an Raupennahrungspflanzen das größte Problem für den langfristigen Erhalt der Kreuzenzian-Ameisenbläuling-Populationen in Bayern ist, muss der Kreuzenzian nicht nur geschützt, sondern gezielt gefördert werden, vor allem durch Einführung einer Beweidung oder Mahd. In 2007/2008 wurde auch in verschiedenen Regionen (Landkreise Rhön-Grabfeld und Amberg-Sulzbach) begonnen kleinräumige Pflegeflächen zu schaffen, die als Keimflächen für den Kreuzenzian dienen können und um dort Samen aus der Umgebung auszubringen.

Die entscheidenden Artenhilfsmaßnahmen bestehen in einem angepassten, auf die Biologie des Kreuzenzian-Ameisenbläulings – einschließllich seiner Wirtsarten – abgestimmten Management, in der Förderung des Kreuzenzians sowie im Erhalt der zur Verfügung stehenden Lebensräume und des Biotopverbundes.