Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Heckenwollafter

Männchen des Heckenwollafters Bild vergrössern Männchen des Heckenwollafters. Foto: wildlife-media.at
Steckbrief zum Heckenwollafter (Eriogaster catax)
Aspekte Erläuterung
Merkmale Vorderflügel gelbbraun (Männchen), am Außenrand breit violettbraun gefärbt, in der Mitte der Vorderflügel auffälliger, weißer, kreisrunder Fleck, dunkelbraun gesäumt, Weibchen gleich gefärbt, Vorderflügel wesentlich dunkler, schmale Naht zwischen violettbraunem Rand und restlichem Flügel gelbbraun gefärbt, Hinterflügel einfarbig, wie Vorderflügel gefärbt, Flügelspannweite 30 bis 35mm, Raupen ca. 50mm, schwarze Grundfärbung, hellgraue Haarbüschel entlang dem Rücken und auf den Seiten, spitz zusammenlaufend, kurze, rotbraune Haare und blaue und gelbliche Flecken am Rücken.
Verbreitung in isolierten Vorkommen von Nordspanien, West- und Mitteleuropa bis Kleinasien und Südrussland, in Deutschland nur noch wenige Vorkommen in Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz.
Lebensraum und Lebensweise feuchte Laubwälder, Schlehen-Weißdorn-Heckenfluren, windgeschützte Stellen zwischen Heckenreihen und an Waldrändern, Ersatzhabitate in oberholzarmen Nieder- und Mittelwäldern Eiablage im Herbst an Ästen von niedrigwüchsigen Schlehen, Eier werden mit der sog. Afterwolle (Haarschuppen) bedeckt, die Raupen schlüpfen Anfang Mai und spinnen ein gemeinsames Nest (Ruheplatz, Thermoregulation, Feindabwehr), nach der sommerlichen Puppenphase schlüpfen im September/Anfang Oktober die Falter nachtaktive Falter, Flugzeit sehr spät im Jahr von September bis Oktober, die Raupen (Mai bis Anfang Juli) ernähren sich von Schlehdorn, Weißdorn, Stieleiche, evtl. auch von anderen Laubbäumen und Sträuchern.
Ansprüche enge Bindung an die Nahrungspflanze Schlehe, bevorzugt warm-feuchte Standorte mit ausreichender Besonnung.

Bestand und Gefährdung

Die letzten Vorkommen des Heckenwollafters in Bayern befinden sich im Südlichen Steigerwald und im Grabfeldgau an der Grenze zu Thüringen. Frühere Vorkommen in Südbayern (an Lech, Isar und Donau, im Chiemgau) und im Fränkischen Jura sowie weitere nordbayerische Vorkommen sind erloschen. Der Erhaltungszustand der verbliebenen Bestände ist sehr unterschiedlich. Der Heckenwollafter ist als Art des Anhangs II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, von gemeinschaftlicher Bedeutung bzw. von gemeinschaftlichem Interesse und ist damit europaweit streng geschützt. Für seinen Schutz wurden Natura 2000-Gebiete ausgewiesen.

Zentrale Gefährdungsursachen sind das Fehlen von Übergangslebensräumen zwischen Wald und Grasland z.B. durch Aufbau scharfer Nutzungsgrenzen, Aufgabe der Mittel- und Niederwaldwirtschaft, Entwässerung oder Grundwasserabsenkung in Wäldern, Räumung von Unterholz, Insektizidausbringung in Wäldern, Aufforstung mit standortfremden Gehölzen, zunehmende Verbuschung in offenen Hecken- und Gebüschlandschaften und die Entfernung von Feldgehölzen und Hecken.

Ausgewachsene Raupe des Heckenwollafters Bild vergrössern Ausgewachsene Raupe des Heckenwollafters. Foto: Büro Geyer & Dolek

Projektinhalt

Im Jahr 2001 hat das LfU in Ergänzung zum AHP Maivogel das AHP Heckenwollafter begonnen. Beide AHP haben sich aus dem Projekt "Lichte Wälder" entwickelt und ermöglichen bei den syntopen Vorkommen im Südlichen Steigerwald vielfache Synergien bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen.

Raupengespinste Bild vergrössern Das am besten zu erfassende Stadium des Heckenwollafters sind die Raupengespinste. Foto: wildlife-media.at

Wie beim Maivogel zeigen die mikroklimatischen Messungen die zentrale Bedeutung einer ausreichenden Temperatur und Luftfeuchte während der Jungraupenentwicklung auf. Eine geregelte und angepasste Mittelwaldbewirtschaftung hat sich als förderlich herausgestellt und wurde daher über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald speziell gefördert. Weitere Maßnahmen, die dem Schutz der Lebensräume dienen, sind der Verzicht auf Insektizideinsatz und der Erhalt von Heckenlandschaften. Derzeit erscheinen die Hauptvorkommen im Südlichen Steigerwald innerhalb gewisser Schwankungsbreiten recht stabil. Weniger günstig gestalten sich die Zukunftsprognosen im Grabfeldgau grenzüberschreitend nach Thüringen. Die dortigen Vorkommen sind sehr begrenzt und auch die Umsetzung von Maßnahmen ist u.a. mangels Bereitschaft der Grundeigentümer bislang nicht im erforderlichen Umfang gelungen.