Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Berghexe

Schmetterling Bild vergrössern Nur selten präsentiert sich die Berghexe wie hier mit geöffneten Flügeln. Foto: Büro Geyer & Dolek
Steckbrief zur Berghexe (Chazara briseis)
Aspekte Erläuterung
Merkmale Flügelspannweite 45 bis 60mm, Weibchen größer als Männchen, Flügeloberseite dunkelbraun mit breiter aus querovalen cremeweißen Flecken zusammengesetzter Längsbinde, auf den Hinterflügeln undeutlicher ausgebildet, Vorderrand der Vorderflügel bei den Männchen größtenteils weiß und braun übergossen, Unterseite der Hinterflügel variiert von gelbbraun bis graubraun mit zwei unscharf begrenzten dunklen Binden, bei Weibchen weiße Binde auf der Flügeloberseite breiter und Rand der Vorderflügel größtenteils cremefarben, das Muster auf der Hinterflügelunterseite ist undeutlicher und graubraun übergossen, Eier mit Quer- und Längsrippen, Raupen ca. 30mm, hellgelbbraun, dunkelbrauner Rückenstreifen, je zwei braune Seitenstreifen, Puppe glänzend braun.
Verbreitung Die Gesamtverbreitung reicht von Nordwestafrika über Süd- und vereinzelt auch Mitteleuropa bis Westchina, aktuelle Vorkommen in Deutschland nur noch vereinzelt in Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern.
Lebensraum und Lebensweise großflächige, oft steile, intensiv beweidete Kalkmagerrasen mit Steintriftcharakter, als Sekundärlebensräume auch Halden in Steinbrüchen Larvalhabitat nur in vollsonnigen und schütter bewachsenen bis sehr vegetationsarmen Bereichen, Raupe frisst an verschiedenen Süßgräsern wie Aufrechter Trespe (Bromus erectus) oder Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Eiablage bodennah an Streu, Moos etc., bis zu 25cm von der nächsten Futterpflanze entfernt, Raupen überwintern halbwüchsig, Verpuppung im nächsten Frühjahr Flugzeit der Falter: Mitte Juli bis September, Falter sonnen und ruhen bevorzugt auf steinigen Bereichen, auch mit zusammengeklappten Flügeln an windgeschützten Baumstämmen, Holzstapeln und Felsen (Tarnung durch Färbung der Hinterflügel-Unterseite).
Ansprüche hoher Flächenanspruch (kleinräumige Habitate werden nicht besiedelt), Steintriftcharakter der Kalkmagerrasen, intensive Beweidung, vegetationsarme Bereiche mit kleinen Grashorsten der Raupennahrungspflanzen.

Bestand und Gefährdung

Die Berghexe gehört seit Jahren zu den am stärksten gefährdeten Tagfalterarten Deutschlands und Bayerns, wie ihre dauerhaft hohe Einstufung (Gefährdungskategorie 1 "vom Aussterben bedroht") in den Roten Listen zeigt. Nach drastischen Bestandseinbrüchen bis in die jüngste Zeit kommt die Art in Bayern heute nur noch in den Landkreisen Eichstätt und Weißenburg-Gunzenhausen vor.

Bayernkarte mit dargestellten Punktvorkommen in der südlichen Frankenalb im Landkreis Donau-Ries und in Unterfranken Bild vergrössern Derzeit existieren nur noch einzelne Vorkommen der Berghexe im Bereich der südlichen Frankenalb und ihrem Vorland. Alle anderen hier noch dargestellten Populationen, z.B. in Unterfranken oder im Landkreis Donau-Ries sind inzwischen erloschen. Grafik: LfU 2013

Der Lebensraum der Berghexe sind vollsonnige, flachgründige Trockenrasen mit einem hohen Anteil an Steinen, Schottern und Geröll, sogenannte Steintriften. Selten geworden ist dieser Biotoptyp, weil er einer intensiven Weidewirtschaft in Form der Hütehaltung bedarf. Eine Reduzierung der Beweidungsintensität kann schon nach kurzer Zeit eine Veränderung des Flächencharakters bewirken. Kräuter und Gräser nehmen zu, durch die Vermehrung von Schmetterlingsblütlern wird Stickstoff im Boden angereichert und aus der lückigen Steintrift entwickelt sich ein geschlossener Rasen, der als Larvalhabitat für die Berghexe nicht mehr geeignet ist.

Projektinhalt

Das rasch fortschreitende Verschwinden der Lebensräume der Berghexe und Hinweise auf Bestandsrückgänge führten im Jahr 2007 zu einer Gelände-Überprüfung der meisten der bis dahin bekannten bayerischen Fundorte. Dabei offenbarte sich ein drastischer Rückgang der Berghexe. Zahlreiche noch in den 1990er Jahren besiedelte Standorte waren verwaist. Heute gibt es nur mehr zwei vorläufig überlebensfähige Bestände: in einem großen Steinbruchgelände im Lkr. Eichstätt sowie auf einem ehemaligen Militärgelände (Panzerfahrbetrieb!) im Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen.

Im Rahmen eines Artenhilfsprogramms wird versucht diese letzten hochgradig gefährdeten Vorkommen zu sichern. In den Jahren 2008 bis 2010 wurden umfangreiche Untersuchungen zur Autökologie, insbesondere zu den Ansprüchen an ein geeignetes Larvalhabitat, durchgeführt, um daraus entsprechende Schutzmaßnahmen abzuleiten.

Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass die Larvalhabitate auf bestimmte Teilbereiche der ausgedehnten Haldenbereiche in den Steinbrüchen beschränkt. sind. Wichtig ist eine stark lückige Vegetation mit den Raupennahrungspflanzen (bes. Schafschwingel, Festuca ovina), wie sie z.B. in stärker verdichteten Bereichen auftritt. Der Großteil der Plattenkalkhalden hat keine Eignung als Larvalhabitat für die Berghexe, obwohl auch dort die Falter beobachtet werden können.

Ei der Berghexe Bild vergrössern Ei der Berghexe, an einem trockenem Grashalm abgelegt. Foto: Büro Geyer & Dolek

Bezüglich der wenigen Larvalhabitate, die noch in beweideten Magerrasen liegen, konnten die bekannten Anforderungen bestätigt werden, wie offene Bereiche mit lückiger Vegetation, Bereiche in denen Kalkgestein ansteht oder Verwerfungen bildet, oder schütter bewachsene Geländestellen durch hohen Weidedruck und hohe Trittbelastung.

Eine Besonderheit bei der Berghexe ist die große zeitliche Lücke zwischen Paarung und Eiablagebeginn, weshalb aufgrund von natürlichen Verlusten nur 25-50% der Weibchen zur Eiablage kommen. Diese Ausfälle durch Mortalität bedeuten, dass erheblich mehr Weibchen zum Schlupf kommen müssen, um eine überlebensfähige Populationsgröße zu sichern. In diesem Zusammenhang sind auch die relativ großen bekannten Abwanderungsentfernungen der Berghexe zu sehen, denn für den Aufbau der notwendigen großen Populationen wird eine weit größere Fläche bzw. ein großräumiger Verbund zwischen verschiedenen Standorten benötigt.

Die wesentlichen Maßnahmen zur Förderung der Populationen der Berghexe bestehen in der Einrichtung einer ausreichend intensiven Beweidung (mindestens 3 Weidedurchgänge pro Jahr), in der Erweiterung bestehender Larvalhabitate auf Haldenstandorten und dem Aufbau eines möglichst großräumigen Biotopverbundes, z.B. dort wo Magerrasen und Halden enge Verzahnungen aufweisen.

Im Vordergrund steiniger Magerrasenabhang, im Hintergrund stark beweideter mit Schafttriften durchsetzter Magerrasenhang Bild vergrössern Scharfe Beweidung ist eine Möglichkeit Lebensräume für die Berghexe zu erhalten. Foto: Büro Geyer & Dolek