Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Artenhilfsprogramme Zoologie - Einführung

Libelle Bild vergrößern Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata)

Artenhilfsprogramme (AHP) sind gezielte Maßnahmen zur Erhaltung bedrohter Arten. Als fachliche Anleitungen zu Schutz, Pflege und Entwicklung der Bestände (Populationen) bestimmter Arten und Artengruppen sind sie eine Ergänzung der klassischen Naturschutzinstrumente Flächenschutz (Ausweisung von Schutzgebieten) und Biotopschutz (Vertragsnaturschutzprogramm).
In Bayern werden umfassende Artenhilfsprogramme mit landesweitem Ansatz seit etwa 1980 schwerpunktmäßig durchgeführt. Ein wesentlicher Teil dieser AHPs wird dabei vom LfU initiiert und fachlich koordiniert.
Neben attraktiven und spektakulären Arten wie Apollofalter, Kreuzotter oder zahlreiche Fledermausarten sind oft auch unscheinbare, aber hoch bedrohte Arten (Rote Liste 1 oder 2) Gegenstand von Artenhilfsprogrammen, wie z.B. die Gestreifte Quelljungfer, eine in Bayern stark gefährdete Libellenart (s. Abb.)

Aus pragmatischen Überlegungen wurden die für verschiedene Vogelarten in Bayern durchgeführten Artenhilfsprogramme ausgegliedert und finden sich nun im Portal „Vogelschutz in Bayern“

Konzeption von AHPs

Ein Artenhilfsprogramm gliedert sich in folgende Punkte: Zunächst werden die Grundlagen erhoben:

  • Erfassung der Vorkommen von Populationen und Lebensstätten gefährdeter Arten (Aufbau eines Fundortkatasters mit möglichst quantitativen Angaben)
  • Ermittlung von ökologischen Ansprüchen (Populationsdynamik, Raum-Zeit-Verhalten, Ausbreitungsökologie, Habitatstruktur, Jahreslebensräume)
  • Ermittlung der Gefährdungsfaktoren/Ursachen-Wirkungsanalyse:
    Darauf aufbauend werden die Ziele und Maßnahmen abgeleitet.
  • Erstellung der Schutz-, Maßnahmen- und Umsetzungskonzepte (wie z.B. Organisation, Verantwortlichkeit, Träger) für die einzelnen Arten und Artengruppen
  • Konzeption der Erfolgskontrolle, die der Überprüfung und ggf. Modifizierung der eingeleiteten Maßnahmen dienen soll.

Prioritätensetzung

Die große Zahl gefährdeter Arten erfordert eine fachlich begründete Auswahl und Prioritätensetzung.
Höchste Priorität kommt dabei endemischen (nur in Bayern vorkommenden) und international gefährdeten Arten zu. Diese Ebene hat durch internationale Vereinbarungen und Verpflichtungen, vor allem durch die FFH- und die Vogelschutz-Richtlinie der Europäischen Union sowie die Bonner Konvention (Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten) zusätzliches Gewicht erhalten.
Weitere Prioritätsstufen sind Arten mit den höchsten Gefährdungskategorien im nationalen und landesweiten Bezug.