Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Geburtshelferkröte

Geburtshelferkröten-Männchen Bild vergrössern Geburtshelferkröten-Männchen mit um die Hinterbeine gewickelten Ei-Schnüren. Foto: Günter Hansbauer
Steckbrief zur Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)
Aspekte Erläuterung
Familie Geburtshelferkröten
Merkmale Pupille senkrecht stehend; Haut warzig, Oberseite (grau-)braun, einfarbig oder gesprenkelt, Unterseite weißlich gekörnt; einzige Art in Bayern /Deutschland die ihre Eier nicht im Wasser ablegt.
Landlebensraum sonnenexponierte Böschungen, Geröll- und Blockschutthalden, Steinhaufen, lockeres Wurzelwerk; ganzjährig genutzter Landlebensraum, meist in unmittelbarer Nähe des Fortpflanzungsgewässers; keine "Laichwanderungen".
Fortpflanzungsgewässer größere Gewässer in aufgelassenen Basaltsteinbrüchen, Weiher, Tümpel, Betonbecken, vereinzelt auch Gartenteiche und temporäre Flachgewässer in Kalksteinbrüchen. Ursprünglich vermutlich auch in wenig durchströmten Bereichen in einigen Fließgewässern.
Laichzeit April bis August
Überwinterung in Steinhaufen, Gesteinsspalten und natürliche Hohlräumen; im Erdreich, bevorzugt in Kleinsäugerbauten.

Verbreitung und Gefährdung

Bayernkarte mit den Fundorten der Geburtshelferkröte. Diese befinden sich alle im Bereich der Rhön. Deutlich erkennbar ist ein starker Rückgang gegenüber den Funden vor 2005 Bild vergrössern Verbreitungskarte der Geburtshelferkröte. Gelbe Punkte: Nachweise in der ASK, die seit 2005 trotz gezielter Nachsuche nicht mehr bestätigt werden konnten. Grüne Punkte: aktuelle Nachweise seit 2005

Die in Südwesteuropa verbreitete Geburtshelferkröte erreicht in Deutschland ihre östliche Verbreitungsgrenze. In Bayern beschränkt sich ihre Verbreitung auf das Vor- und Hochrhöngebiet und hier vorwiegend auf Abbaugebiete in Ermangelung natürlicher Habitate. Die Bestandssituation ist als äußerst kritisch zu bezeichnen. Aus ihrer ungewöhnlichen Fortpflanzungsbiologie mit männlicher Brutfürsorge ergeben sich spezielle Habitatansprüche an den Landlebensraum und das Laichhabitat.

Neben Fischbesatz und austrocknungsgefährdeten Kleingewässern ist die Sukzession des Landlebensraumes die Hauptursache für den starken Rückgang. Inwiefern die weltweit verbreitete Amphibienkrankheit Chytridiomykose ein weiterer Faktor ist, wird zur Zeit vom LfU untersucht. Die wenigen in Bayern noch vorhandenen Populationen sind aufgrund der sehr kleinen Bestandsgrößen und der großen Abstände zwischen den einzelnen Populationen hochgradig gefährdet.

Tümpel Bild vergrössern Einen ganz anderen Typus eines Lebensraums der Geburtshelferkröte stellt dieser Tümpel in der Rhön dar. Foto: Susanne Böll

Artenhilfsmaßnahmen – Planung und Umsetzung

In einer Bestandsüberprüfung in den Jahren 2004/2005 wurden nur noch 13, meist sehr individuenarme Populationen in Bayern gefunden. Demnach hat sich die bereits 1987/88 kritische Bestandssituation der Geburtshelferkröte weiter dramatisch verschlechtert. Daher wurde 2006 ein Artenhilfsprogramm begonnen, in dessen Rahmen seitdem umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung und Förderung dieser in Bayern sehr seltenen Art umgesetzt wurden:

  • Optimierung der Landlebensräume durch Freistellung von Böschungen, Basalthängen, -abraumhalden
  • Pflege der Landlebensräume durch Mahd bzw. Beweidung
  • Aufschütten von Kalkschotter- oder Basaltsteinhaufen, je nach lokalem Untergrund, als Versteckplätze für die Adulten
  • Entfernung von Fischen durch Abpumpen der Laichgewässer und durch Elektrobefischung
  • Neuanlage von Kleingewässern
  • Vergabe von Patenschaften an Ortsansässige für die Betreuung der Vorkommen
  • Monitoring der Populationen
  • Informationsveranstaltungen und Ortsbegehungen für verschiedenste Interessensgruppen und Entscheidungsträger
  • Vernetzung bestehender Populationen durch Schaffung neuer geeigneter Lebensräume.
Abfischung mit einem Kescher Bild vergrössern Nach dem Abpumpen werden die Fische mit Hilfe eines Keschers aus dem Wasser entnommen. Foto: Susanne Böll

In Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen "Paten" werden die Vorkommen betreut und Erfolgskontrollen der Maßnahmen durchgeführt. An einigen Standorten kann inzwischen eine erste Tendenz zur Zunahme der Populationen beobachtet werden.

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