Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Artenhilfsprogramm Steinadler - Ergebnisse

Bruterfolg in Bayern

Bild vergrößern Steinadlerbruterfolg in Bayern

Bayerns Steinadler haben aktuell einen durchschnittlichen jährlichen Bruterfolg von 0,3 Jungvögeln pro Paar und Jahr mit steigender Tendenz seit Beginn des Artenhilfsprogramms. Umgerechnet bedeutet das, dass hierzulande ein Adlerpaar nur alle 3 Jahre einen Jungvogel groß ziehen kann. Im Vergleich mit anderen Ländern Mitteleuropas, wo das Mittel 0,60 (0,23 bis 1,10) Jungvögel pro Paar und Jahr beträgt, liegt Bayern an hinterer Stelle der Bruterfolgsskala.

Intraspezifische Konkurrenz

Der Grund für den schlechten Bruterfolg bayerischer Steinadler ist weitgehend unbekannt. Als sicher gilt, dass direkte Verfolgung durch den Menschen ausscheidet. Theoretisch ist eine Kombination aus intraspezifischer Konkurrenz, Veränderungen des Lebensraumes, des Nahrungsangbots und anthropogenen Störungen wahrscheinlich .

In Bayern gehen wir davon aus, dass diese intraspezifische Konkurrenz der Hauptfaktor für die Regulation der Steinadler-Population ist, wie dies in den 1980er und -90er Jahren durch umfangreiche Feldstudien in der Schweiz belegt wurde: Territoriale Brutpaare werden durch umher streifende, revierlose Steinadler (Einzeladler) im Brutgeschäft gestört. Im Extremfall töten sich Adler sogar gegenseitig. Die Konkurrenz unter Adlern sollte allerdings im gesamten alpinen Verbreitungsgebiet gleich ausgeprägt sein, wenn nicht andere Faktoren wirken. Es stellt sich deshalb die Frage, warum sich der Bruterfolg in Bayern (zwischen 1998 und 2008: 0,3 flügge Juv/Paar/Jahr) so deutlich von dem in anderen Gebieten (im internationalen Vergleich zwischen 0,55 und 1,1 Juv/Paar/Jahr) unterscheidet. Zur Erklärung müssen wir uns auf etwas dünnes Eis begeben, denn die genauen Zusammenhänge konnten im Artenhilfsprogramm Steinadler bisher nicht geklärt werden.

Lebensraumveränderungen

Der nördliche Alpenrand kann als Stauraum für umherschweifende Einzeladler betrachtet werden, denn sie meiden das flache, unbekannte Terrain der Voralpen. Wegen der hohen Dichte verpaarter Revieradler und dem häufigen Auftreten von Einzeladlern, treffen Steinadler in Bayern mit erhöhter Wahrscheinlichkeit aufeinander. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass der hohe Erschließungsgrad des Waldes und der Almen durch Straßen, Wege und Seilbahnen einher geht mit einer stärkeren touristischen Nutzung von ehemals ungestörten Freiflächen über der Waldgrenze. Wiederbewaldung von offen gelassenen Almflächen führt ebenso zum Verlust ehemaliger Jagdgebiete. Diese Effekte führen zwangsläufig zu einer geringen Verfügbarkeit von Nahrung, weil nicht nur Steinadler sondern auch ihre Beutetiere ihren Lebensraum nicht optimal nutzen können.

Beutewahl zur Brutzeit

Entgegen einiger Ergebnisse aus dem zentralalpinen Raum, wo sich Steinadler hauptsächlich von Murmeltieren ernähren, fressen bayerische Steinadler hauptsächlich Gamskitze, gefolgt von Birkhuhn, Schneehase und Fuchs. Murmeltiere spielen in der Beutewahl des Steinadlers nur im Allgäu, wo sie regelmäßig und weit verbreitet vorkommen eine Rolle. Meist kommen sie aber zeitgleich und gleichen Orts mit Menschen vor, sodass sie in der Regel schlecht nutzbar sind.
Der häufig geäußerte Verdacht, dass es mehr Steinadler in Bayern geben könnte, wenn weniger Gämsen geschossen würden, hat sich durch Untersuchungen zur Nahrungswahl während der Brutzeit nicht erhärten lassen. Steinadler sind Nahrungsgeneralisten, das heißt, sie schlagen bevorzugt solche Beute, die häufig und leicht zu erbeuten ist. Werden Beutetiere seltener, ist es meist einfacher für sie, andere Arten zu bevorzugen. Ein selteneres Auftreten von Gämsen lässt sich trotz teilweise stark gestiegener Abschusszahlen nicht in den Beutelisten des Steinadlers nachweisen.

Bleivergiftungen

In den letzten Jahren traten in den bayerischen Alpen wiederholt Fälle von Bleivergiftung auf. Zuletzt wurde ein etwa vierjähriges Steinadler-Weibchen am Weihnachtsfeiertag 2008 in der Nähe von Oberstdorf im Oberallgäu kraftlos aufgefunden. Erste Untersuchungen ergaben eine irreversible Schädigung des Organismus durch zu hohe Bleikonzentration. Eine Rückführung in die Wildbahn schien ausgeschlossen. Erst Pflege und Training brachte nach einem halben Jahr die vollständige Genesung des mittlerweile Ambra genannten Steinadlers. Am 3.7.2009 konnte die Adlerdame gemeinsam von Landesbund für Vogelschutz und LfU wieder in die Wildbahn entlassen werden.

Der Verlauf anderer Vergiftungen bei Steinadlern verlief meist weniger glimpflich: die in der Regel völlig apathisch reagierenden Steinadler verendeten binnen weniger Tage wie vier weitere Artgenossen in den letzten Jahren in Bayern zuvor - zuletzt 2006. Zur gleichen Zeit wurden 2006 ein Seeadler in Bayern und ein Bartgeier in Österreich mit Vergiftungssymptomen gefunden. Ein Forschungsprojekt des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V. erarbeitet die Ursachen von Bleivergiftungen bei Greifvögeln, entwickelt Lösungsansätze und kommuniziert die Ergebnisse.

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