Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Das Galionsarten-Projekt - Zusammenarbeit von Botanischen Gärten und dem Landesamt für Umwelt

Bild des Kies-Steinbrech (Saxifraga mutata) Bild vergrößern Vorstellung des Kies-Steinbrech (Saxifraga mutata) in einer Schaupflanzung des Botanischen Garten München; Foto: Dr. Andreas Zehm

Zum Schutz der Artenvielfalt, insbesondere auch der genetischen Vielfalt, sind zusätzlich zu den Schutzmaßnahmen in der freien Landschaft, ergänzende Strategien wichtig, die den Schutz besonders stark bedrohter Arten unterstützen. So sind die Bestände mancher Arten bereits unter die noch dauerhaft überlebensfähigen Individuenzahlen gesunken und können aktuell nicht ausreichend vor negativen Störungen bewahrt werden. Für Anderöe existieren zwar intensive Artenhilfsmaßnahmen, trotzdem können ihre Wildpopulationen bzw. ihr Lebensraum unter Umständen nicht rechtzeitig stabilisiert werden, da z. B. großräumige Störungen vorliegen, die nur langfristig behoben werden können. Daher werden ergänzend so genannte Ex-Situ-Maßnahmen ergriffen, die den Erhalt von besonders stark gefährdeten Arten außerhalb des natürlichen Lebensraumes zum Ziel haben. Derartige
Ex-Situ-Maßnahmen umfassen vor allem eine Vermehrung gefährdeter Arten in Botanischen Gärten und zum anderen die Einlagerung tiefgefrorenen Saatguts in sogenannten Genbanken. Der Aufbau einer Samenbank einheimischer Wildpflanzen Bayerns wurde im Rahmen des Arche Bayern-Projekt des Umweltministeriums 2009 gestartet. Beide Projekte sind Bausteine der Umsetzung der bayerischen Biodiversitätsstrategie.

Während die Erhaltungskulturen im Rahmen des Galionsarten-Projektes laufen, wurde die Etablierung einer Samenbank bayerischer Pflanzen 2009 durch das Arche Bayern-Projekt des Umweltministeriums gestartet.

Aufgaben des Ex-Situ-Schutzes:

  • Erhaltung der biologischen und genetischen Vielfalt für die Nachwelt.
  • Gezielte Nachzucht bei kritischem Bestandsrückgang am Wildstandort.
  • Gut dokumentiertes, fachmännisches Ausbringen in Kultur vermehrter Jungpflanzen zur Unterstützung akut bedrohter Wildpopulationen.
  • Grundlagen-Forschung zum besseren Verständnis der ökologischen, biologischen und genetischen Verhältnisse der Pflanzen, um die Schutzmaßnahmen an den entscheidenden Stellen anzusetzen.
  • Öffentlichkeitsarbeit für Artenschutz vor unserer Haustür und Präsentation seltener, für besondere Lebensräume typischer (Galions-)Arten.

Das Galionsartenprojekt

Vermehrungskultur des Lothringer Lein (Linum leonii) im Botanischen Garten Würzburg Bild vergrößern Vermehrungskultur des Lothringer Lein (Linum leonii) im Botanischen Garten Würzburg (Foto: Botanischer Garten Würzburg). Die über die Pflanzen gestülpte weiße Tüte verhindert eine unkontrollierte Fremdbestäubung. Pollen werden gezielt zwischen Pflanzen der gleichen Herkunft transferiert, um die genetische Ausstattung der Kultur unverfälscht zu erhalten; Foto: Gerd Vogg, Botanischer Garten Würzburg

Um die Integration der Erhaltungskulturen in den Naturschutz zu optimieren, wurde 2007 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt das Galionsarten-Projekt ins Leben gerufen. Zusammen mit sechs größeren Botanischen Gärten in Bayern fördert dieses Projekt durch Patenschaften regionale Bemühungen zum Schutz der heimischen Flora. Meist sind diese Arten bereits Teil gezielter Artenhilfsprogramme in freier Natur. Durch die zusätzlichen Erhaltungskulturen werden nicht nur ihre akut gefährdeten Wildpopulationen vor dem Aussterben bewahrt, sondern auch der Blick der Öffentlichkeit stärker auf deren Bedrohung und Schutz gelenkt.

Das Galionsarten-Projekt umfasst drei wesentliche Bereiche:

  • die Umsetzung von Artenhilfsmaßnahmen, insbesondere die Kultivierung von Jungpflanzen in Form von Erhaltungskulturen.
  • Vermittlung von Informationen über den Arten- bzw. Biotopschutz.
  • die Vernetzung aller beteiligten Kooperationspartner (Behörden, botanische Gärten, Universitäten, private Fachleute).

Weiterführende Informationen

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