EG-Umgebungslärmrichtlinie

Beispiel einer Lärmbelastungskartierung in Schwaitenkirchen Bild vergrößern Beispiel Lärmbelastungskartierung

Am 25. Juni 2002 verabschiedeten das Europäische Parlament und der Rat die Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm (EG-Umgebungslärmrichtlinie). Die am 18.07.2002 in Kraft getretene Richtlinie betrifft den Umgebungslärm, dem Menschen insbesondere in bebauten Gebieten, in öffentlichen Parks oder anderen ruhigen Gebieten eines Ballungsraums, in ruhigen Gebieten auf dem Land oder in der Umgebung von Schulgebäuden und Krankenhäusern ausgesetzt sind. Den Umgebungslärm im Sinne der Richtlinie verursachen vor allem der Straßen-, Eisenbahn- und Flugverkehr sowie Industriegebiete in Ballungsräumen.


Lärmbelastungskataster

Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat für eine einheitliche und wirtschaftliche Datenhaltung und -bereitstellung ein sogenanntes Lärmbelastungskataster (LBK Bayern) aufgebaut. In dieser Datenbank werden alle für die Kartierung erforderlichen Eingangsdaten und alle Kartierungsergebnisse gespeichert.
Die für den Vollzug der EG-ULR erforderlichen Geometriedaten (vor allem das Geländemodell) und Sachdaten (insbesondere Verkehrsmengen) werden in dem LBK Bayern zusammengefasst. Zudem fungiert das LBK Bayern als Schnittstelle zwischen den in diversen Datenformaten vorliegenden Eingangsdaten und den schalltechnischen Berechnungsprogrammen. Nach Ablauf der Berechnungen werden auch die jeweiligen Ergebnisse (Isophonen, Immissionspunktraster, Hausbeurteilungspegel, angepasste Geländemodelle) in das LBK Bayern überführt. Mittels einer speziellen Auswertesoftware lassen sich die gespeicherten Ergebnisdaten thematisch analysieren und entsprechend der Berichtspflichten kategorisieren; so kann z.B. die Anzahl der Betroffenen in verschiedenen Gebieten (z.B. in einer Gemeinde) nach Pegelklassen differenziert bestimmt werden.
Das LBK Bayern zeichnet sich speziell dadurch aus, dass eine Aktualisierung des Datenbestandes mit vertretbarem Aufwand erfolgen kann. Lärmberechnungen sind auf Basis dieser einmal erfassten und gegebenenfalls aktualisierten Daten mit relativ geringem Aufwand (Export in schalltechnische Berechnungsprogramme) beliebig oft wiederholbar. Damit steht ein sehr flexibel gestaltbares Auswertesystem zur Verfügung. Die Datensätze sowie Berechnungen und Kartierungen werden mit Zeitangabe gespeichert.

Datenbasis

Die Qualität der zu erstellenden Lärmkarten und somit deren Verwendbarkeit für die Aktionsplanung hängt in entscheidendem Maße von der Verfügbarkeit der für die schalltechnischen Berechnungen erforderlichen Daten sowie deren Genauigkeit ab. Benötigt werden sowohl geometrische Daten (Geländemodell, Lage und Höhe der Schallquellen sowie der Ausbreitungshindernisse etc.) als auch die dazugehörigen (akustischen) Sachdaten, wie Verkehrsmengen, -zusammensetzung, Straßenoberfläche und zur Ermittlung der Betroffenheit außerdem die Anzahl der Einwohner je Haus. Die meisten dieser Daten liegen zwar bei den verschiedenen Institutionen vor; oftmals besitzen sie jedoch unpassende Strukturen, geringe Genauigkeit oder sie liegen nur auf dem Papier vor. Dies bedingt eine Nachbearbeitung der Daten und bei Fehlen der Daten Neuerhebungen.
Auf Kosten der zu erzielenden Genauigkeit der Berechnungen können ersatzweise pauschale Annahmen getroffen werden. Der Good-Practice-Guide der European Commission Working Group Assessment of Exposure to Noise vom 13.08.2007 bietet hierzu eine Reihe brauchbarer Ansätze, um fehlende exakte Daten durch entsprechende Näherungen zu ersetzen.
Für die Berechnungen in Bayern wurde das genaueste derzeit bei der bayerischen Landesvermessung verfügbare Geländemodell verwendet. Gebäudegrundrisse mit Adress- und Höhenangabe stammen ebenfalls von der Landesvermessung. Außerhalb der Ballungsräume stammen die Straßendaten von der Straßenbauverwaltung. Zur Bestimmung der Höhe und Lage der Lärmschutzeinrichtungen wurden hier zunächst vorhandene Bilddaten ausgewertet. Die Kommunen hatten dann die Möglichkeit die Lärmschutzeinrichtungen im LBK zu überprüfen und dem LfU Änderungen mitzuteilen. Die Daten für die zulässigen Geschwindigkeiten wurden zugekauft. Die zur Kartierung der Ballungsräume und Flughäfen erforderlichen Daten (Verkehrsdaten) wurden von diesen bereitgestellt. Angaben zur Anzahl der Bewohner eines Hauses konnten in den meisten Fällen gebäudescharf ermittelt werden.