Klimafolgen und Anpassung im Tourismus

Für den Tourismus in Bayern, ob im Winter oder im Sommer, spielen die klimatischen Bedingungen eine wesentliche Rolle. Infolge des Klimawandels zeichnen sich erhebliche Herausforderungen für die Tourismuswirtschaft ab. Für ganz Deutschland werden die Kosten der Anpassung in dieser Branche in den nächsten 50 Jahren auf bis zu 11 Milliarden Euro geschätzt.

Eine Person mit Alpinskiausrüstung klettert einen schneefreien Hang hinauf Bild vergrössern Es lässt sich ein klarer Trend zu schneeärmeren Wintern beobachten. Foto: Bertram Klehenz - Fotolia.com

Der bayerische Alpenraum gilt als die am stärksten betroffene Region. Hier führt schon eine Erwärmung um 1°C dazu, dass die schneesicheren Skigebiete um 60% zurückgehen werden. Bei einer Erwärmung um 4°C bleiben nur noch die höchsten Lagen schneesicher. Aber auch in den Mittelgebirgen wird die zurückgehende Schneesicherheit nachteilige Auswirkungen auf den Wintertourismus haben. Nicht nur in den unteren Lagen kann man schon heute einen Rückgang der Schneedeckendauer beobachten.

Durch die Zunahme der winterlichen Regenfälle werden sich die Tage häufen, an denen die Ausübung des Wintersports unattraktiv wird.

Schneekanone im Einsatz Bild vergrössern Der Einsatz von Schneekanonen wird nur noch begrenzt möglich sein. Foto: Vielfalt - Fotolia.com

Im Jahr 2012 wurden 765ha der bayerischen Skipistenfläche künstlich beschneit, 2005 waren es noch 413ha. Mit zunehmender Erwärmung werden aber auch diese Anlagen technisch und wirtschaftlich nicht mehr einsatzfähig sein. Die Beschneiung rechnet sich nur dann, wenn der Schnee auch lange liegen bleiben kann, da ein Kubikmeter Kunstschnee rund drei Euro kostet. Außerdem sind wasserwirtschaftliche und naturschutzfachliche Bedenken bei der technischen Beschneiung zu berücksichtigen, insbesondere auch bei der Anlage von Wasserspeichern.

Der Wintertourismus in Bayern wird sich unter diesen Bedingungen zwangsläufig auf die höchsten Lagen der Bayerischen Alpen zurückziehen müssen. Zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft müssen raumbezogene Entwicklungskonzepte erarbeitet werden.

Für den Sommertourismus kann dagegen eher von einer positiven Entwicklung in Bayern ausgegangen werden. Höhere Temperaturen und geringere Niederschläge im Sommer erhöhen die Attraktivität für die Urlauber und Tagesausflügler - insbesondere, wenn die klassischen Urlaubsgebiete im Mittelmeerraum aufgrund von Sommertemperaturen von teilweise über 40°C an Anziehungskraft verlieren.

Bildcollage: Bergwanderer, Biergarten, Seeufer mit Anlegesteg Die Saisonverlängerung in den Herbst sowie ins Frühjahr bietet auch Chancen.
Fotos: Andreas P, Kzenon, Daniel Ernst - Fotolia.com

Die Wälder in Bayern sind wichtige Erholungsgebiete. Sie müssen erhalten und stabilisiert werden. Dazu gibt das "Waldumbauprogramm" des Klimaprogramms Bayern 2020 gezielte Maßnahmen vor.

Die touristische Infrastruktur sowie die Entwicklung und Vermarktung des touristischen Angebots müssen an die Änderungen des Klimas angepasst werden. Es ist Aufgabe der Betriebe, rechtzeitig zusätzliche innovative und hochwertige Angebote für den Tourismus zu entwickeln sowie bestehende Alternativen qualitativ auszubauen. Die Dienstleistungen müssen insgesamt vielfältiger werden, um auch flexibler auf unvorhersehbare Entwicklungen reagieren zu können. Große Zukunftschancen werden in den Bereichen Natur, Kultur, Sport, Kulinarisches und Wellness gesehen.