Klimaanpassung und Naturschutz

"Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand". (Charles Darwin)

Biene im Anflug auf eine Sonnenblume Bild vergrössern Insekten sind für die Bestäubung unsere Pflanzen notwendig. Foto: kyslynskyy - Fotolia.com

Ziel des Naturschutzes ist es, Natur und Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlage für Leben und Gesundheit des Menschen zu erhalten (§1 Bundesnaturschutzgesetz). Die Natur erfüllt für uns Menschen wichtige Funktionen kostenlos. Im Sinne einer Dienstleistung der Natur für den Menschen sprechen wir in diesem Zusammenhang auch von "Ökosystemdienstleistung". So filtert ein intaktes Ökosystem Luft, bietet Platz für Erholung, reinigt Wasser, mindert innerstädtische Temperaturspitzen im Sommer, liefert Nahrungsmittel und stellt Ausgangsstoffe für Medikamente zur Verfügung.

Viele Arten und Lebensräume stehen durch unsere Landnutzung, unsere Infrastruktur und ihren weiteren Ausbau, unsere Mobilität und unser Freizeitverhalten unter einer hohen Belastung. Diese Situation wird durch den Klimawandel noch verstärkt. Davon besonders betroffen sind die Alpen, die höheren Lagen der Mittelgebirge, Feuchtgebiete und Talauen.

Die Erwärmung durch den Klimawandel begünstigt die Zuwanderung von neuen Arten nach Bayern. Der Umgang mit diesen Neophyten (Pflanzen) und Neozoen (Tiere) stellt eine neue Herausforderung für den Naturschutz dar.

Doch auch Klimaschutzmaßnahmen können zu Konflikten mit dem Naturschutz führen. Der großflächige Anbau von nachwachsenden Rohstoffen und der Ausbau der Wasserkraft sind nur einige Beispiele.

Folgen und Anpassung an den Klimawandel

Rehe laufen über eine Straße Bild vergrössern Straßen sind eine große Gefahr für Wildtiere. Foto: FiedlIMAGE - Fotolia.com

Schon bei einer Temperaturerhöhung um ein Grad ist mit einer Verschiebung der Vegetationszonen zu rechnen. Sie verlagern sich bis zu 300 Kilometer in den Norden und bis zu 200 Meter in die Höhe. Der Klimawandel erfordert daher von vielen Arten Wanderungsbewegungen. Doch die Erwärmung erfolgt schneller, als sich viele Arten anpassen können. In den Alpen, wo die Arten nur in die Höhe ausweichen können, werden ihre Refugien zwangsläufig immer kleiner. Betroffen sind vor allem die Arten der Hochlagen, wie z.B. das Schneehuhn oder der Gletscherhahnenfuß. Die Ausweich- und Rückzugmöglichkeiten sind zudem sehr eingeschränkt, da unsere Landschaft stark von menschlichen Nutzungen geprägt ist. Ausbreitungsbarrieren können z.B. intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen, Fließgewässerverbauungen wie Wehre und Verkehrswege sein. Um klimabedingte Wanderungen insbesondere von Tierarten zu ermöglichen müssen Ausbreitungshindernisse so verändert werden, dass die Lebensräume wieder stärker miteinander vernetzt sind, z.B. durch Grünbrücken. Diese Ziele haben unter anderem

  • BayernNetz Natur, ein landesweiter Biotopverbund in Bayern. Die Projekte von BayernNetz Natur sollen intensiv mit dem europäischen ökologischen Netz Natura 2000 verknüpft werden. Das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm. Es will ökologisch wertvolle Lebensräume, die auf eine naturschonende Bewirtschaftung angewiesen sind, erhalten und verbessern.
  • Das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm und die Landschaftspflege-Richtlinie. Mit beiden Programmen werden ökologisch wertvolle Lebensräume, die auf eine naturschonende Bewirtschaftung angewiesen sind, erhalten und verbessert.
  • Der Ökologische Alpine Verbund. Er engagiert sich für eine bessere Vernetzung der Lebensräume im Gesamtraum Bayern, Salzburg, Tirol und Vorarlberg.
Eine Erdkugel ist auf Gras gebettet Bild vergrössern Der Schutz unserer Natur dient dem Schutz unserer Erde. Foto: Goss Vitalij - Fotolia.com

Moore gehören zu den wertvollsten Lebensräumen der bayerischen Landschaft. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten und zum Erhalt einer besonders vielfältigen Biodiversität. Über ihr enormes Wasserrückhaltevermögen leisten die Moore einen Beitrag zum dezentralen (vorbeugenden) Hochwasserschutz. Durch die Bindung des Kohlenstoffs, der als Torf eingelagerten Pflanzenreste, speichern Moore große Mengen an Kohlendioxid und wirken somit gleichzeitig als klimafreundliche Senke von Treibhausgasen. Natürliche und naturnahe Moore tragen durch eine dauerhafte Fixierung ihres hohen Kohlestoffvorrates wesentlich zum Klimaschutz bei. Deshalb hat die Bayerische Staatsregierung im Rahmen des Klimaprogramms Bayern 2020 ein eigenes Moorentwicklungsprogramm etabliert.

Neben dem Schutz von Lebensräumen sind gezielte Maßnahmen zur Erhaltung besonders bedrohter Arten unverzichtbar. Zusammenfassend werden diese in der von der bayerischen Staatsregierung erlassenen "Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern" genannt. Vor allem die Vorkommen der endemischen Arten in Bayern müssen intensiv beobachtet werden. Da mit dem Klimawandel auch zunehmend neue Arten in den bayerischen Raum einwandern, können sich die Konkurrenzverhältnisse für die heimischen Arten verändern. Die Dynamik und das Gefahrenpotenzial der neu eingewanderten Arten muss daher weiterhin sorgfältig überwacht werden.

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