EU-Maßnahme Informationsoffensive Oberflächennahe Geothermie (abgeschlossen)

Durchführung

Die Umsetzung der EU-Maßnahme Informationsoffensive Oberflächennahe Geothermie erfolgte durch das LfU als Maßnahmenträger im Rahmen der beiden Projekte:

  • Informationsoffensive Oberflächennahe Geothermie 2008-2011
  • Informationsoffensive Oberflächennahe Geothermie 2012-2015

Finanzierung

  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
  • Kofinanzierung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)

Kurzbeschreibung und Zielsetzung

Durch die technische Nutzung der in Form von Wärme unterhalb der Oberfläche der festen Erde gespeicherten Energie (Geothermie) können fossile Energiequellen ersetzt und der Ausstoß klimaschädlicher Gase reduziert werden. Steigende Energiekosten und zunehmendes Umweltbewusstsein haben in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg der Anlagen zur Erdwärmenutzung geführt.

Das Erdwärmepotenzial wird dabei über Erdwärmesonden, Grundwasserbrunnen, Erdkollektoren oder erdberührte Betonteile erschlossen. Sie bietet in Verbindung mit Wärmepumpen bayernweit eine interessante Möglichkeit zur Wärmeversorgung bzw. Klimatisierung kleinerer, dezentraler Anlagen wie Wohn- und Bürogebäude, Werkshallen, Industrieanlagen oder kommunale Einrichtungen.

Die Einsatzmöglichkeiten und Dimensionierung von Erdwärmesonden, dem häufigsten Anlagentyp zur Erschließung der oberflächennahen Geothermie in Deutschland, sowie von Grundwasser-Wärmepumpen hängt maßgeblich von den jeweiligen geologischen und hydrogeologischen Standortverhältnissen ab. Flächendeckende geowissenschaftliche Informationsgrundlagen sind somit wichtig für Planung, Auslegung und Genehmigungsfähigkeit der Anlagen und den späteren wirtschaftlichen Betrieb.

Ziel des Projektes war, den Deckungsgrad an geowissenschaftlichen Kartenwerken in geeigneten Maßstäben als Grundlage für Planung und Genehmigungsverfahren bayernweit zu erhöhen und diese sowie weitere fachliche Grundlagen und Informationen zum Thema Geothermie für Öffentlichkeit und Verwaltung bereitzustellen. Hierdurch sollen in geeigneten Gebieten die fachlichen Voraussetzungen für eine Erhöhung des Anteils der oberflächennahen Geothermie am Energiemix geschaffen werden. Damit kann ein Beitrag zur Minderung von Versorgungsabhängigkeiten, zum Ersatz von fossilen Energieträgern und damit zur Reduzierung der klimaschädlichen CO2-Emissionen geleistet werden.

Das Projekt umfasste im Einzelnen folgende Kernziele:

Aufbau Informationssystem Oberflächennahe Geothermie (IOG)

Ziel des Projektes ist die Bereitstellung von Informationsgrundlagen zur thermischen Nutzung des Untergrundes für die breite Öffentlichkeit und den Fachanwendern. Dieses Ziel wurde mit der Entwicklung und Inbetriebnahme des "Informationssystem Oberflächennahe Geothermie (IOG)" erreicht.

Hinweis

Seit 2017 sind nun alle Fachthemen des IOG im UmweltAtlas Bayern, einem Informationssystem mit verschiedenen Umweltthemen, zu finden und haben die eigenständige Anwendung IOG abgelöst.

Das IOG hat im Verlauf des Projektes mehrere Aktualisierungs- und Ausbaustufen durchlaufen. Es wurde als eigenständige Anwendung umgesetzt und auch über entsprechende Schnittstellen für die Einbindung in andere Anwendungen implementiert, u.a. beispielsweise im Energieatlas Bayern EAB. Mit den darin integrierten Fachthemen hat das IOG eine breite und qualitativ hochwertige fachliche Tiefe erreicht. Die Inhalte sind stark auf die Bereitstellung von relevanten Datengrundlagen für die fachgerechte und nachhaltige Planung und Ausführung von oberflächennahen geothermischen Anlagen ausgerichtet.

Im IOG kann der Nutzer umfangreiche textliche Standortauskünfte für die Wärmeentzugssysteme Erdwärmesonde, Erdwärmekollektor sowie thermische Grundwassernutzung abfragen. Die Auskünfte geben die Informationen aus den Karten im Fachthementeil des IOG wieder und werden zusätzlich um spezifische Fachdaten erweitert. Das IOG beinhaltet umfangreiche Layer mit Fachthemen, u.a. zu den im Bodeninformationssystem Bayern (BIS-BY) erfassten allgemeinen Bohrungen (z.B. Erkundungsbohrungen, Brunnen, Grundwassermessstellen) sowie speziell Erdwärmesonden-Bohrungen und Förder- und Schluckbrunnen von Grundwasserwärmepumpenanlagen.

Die Eignung eines Standorts für ein Wärmeentzugssystem wird für Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren und Grundwasserwärmepumpen in der Standorteignungskarte zusammenfassend dargestellt. Dazu enthält das IOG eigene Karten der Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Wärmeentzugssystems. Detaillierte flächenhafte Datengrundlagen bekommt der Planer und Ausführende über beispielsweise die Fachthemen zum geothermischen Potenzial, der Wärmeleitfähigkeit der Böden, Bohrrisiken oder der Grabbarkeit. In die Erstellung dieser Fachthemen gehen umfangreiche Datengrundlagen aus Labormessungen ein, die im Projekt durchgeführt wurden.

Neben der internetbasierten Version erfolgte im Rahmen des Projektes die Entwicklung und Inbetriebnahme einer mobilen Anwendung des Systems. Unter Berücksichtigung des geänderten Nutzerverhaltens der Verbraucher mit einem verstärkten Einsatz mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs konnte die Umsetzung des Informationssystems in einer mobilen, Betriebssystem und Gerätetyp unabhängigen Version realisiert werden. Zielgruppe der Anwendung sind interessierte Laien, Bauherren, Planer und Vertriebsmitarbeiter von Wärmepumpenherstellern und Heizungsbaufirmen, die Vor-Ort-Beratungen durchführen. Im Rahmen der Migration des IOG in den UmweltAtlas Bayern 2017 wurde die mobile Anwendung gleichermaßen in den UmweltAtlas Bayern überführt.

Flächendeckende Erstellung von geowissenschaftlichen Grundlagenkarten

Weiteres Kernziel war die bayernweite Erstellung von geowissenschaftlichen Grundlagenkarten - insbesondere von geologischen, hydrogeologischen und bodenkundlichen Grundlagenkartierungen in verschiedenen Maßstäben - zur Verbesserung des flächendeckenden Informationsangebots als Grundlage für Planung und Genehmigung von Geothermieanlagen.

Im Rahmen des Projektes "Informationsoffensive Oberflächennahe Geothermie 2008 – 2011" wurden die geologischen, hydrogeologischen, bodenkundlichen Kartenwerke sowie thematische Karten für die oberflächennahe Geothermie in den Planungsregionen 6 (Oberpfalz-Nord), 7 (Industrieregion Mittelfranken), 8 (Westmittelfranken), 11 (Regensburg), 18 (Südostoberbayern) sowie der Nordteil der Planungsregion 9 (Augsburg) und der Ostteil der Planungsregion 17 (Oberland) erarbeitet.

Im Rahmen des Projektes "Informationsoffensive Oberflächennahe Geothermie 2012 – 2015" wurden ab Februar 2012 die geologischen, hydrogeologischen, bodenkundlichen Kartenwerke sowie thematische Karten für die oberflächennahe Geothermie in den Planungsregionen 1 (Bayerischer Untermain), 2 (Würzburg), 3 (Main-Rhön), (15 Donau-Iller), 16 (Allgäu) und den fehlenden Südteil von 9 (Augsburg) bzw. Westteil von 17 (Oberland) erarbeitet.

Alle Karten und die zugehörigen Datenpools werden in das Bodeninformationssystem (BIS) des Bayerischen Landesamtes für Umwelt eingestellt und sind gemäß den datenschutzrechtlichen Bestimmungen von jedermann nutzbar.