Phonolith bei Kleinostheim - Gestein des Jahres 2014

Der Phonolith ist ein vulkanisches Gestein. Er ist in einen Seitental der Rückersbacher Schlucht nördöstlich Kleinostheim in der mittlerweile weitgehend zugewachsenen Abbaustelle "Blauer Steinbruch" aufzufinden. Dort wurde er im 19. und bis ins 20. Jahrhundert hinein abgebaut und zu Schotter gebrochen. Der in frischen Zustand harte und blaugraue Vulkanit ist durch die verwitterungsbedingte Zersetzung im ehemaligen Steinbruch vielfach in eine leicht zerfallende mürbe beigebraune Masse umgesetzt. Es ist das einzige Vorkommen dieses Gesteins in Bayern.

Phonolit, aufgeschnitten und Schnittfläche poliert, darauf liegt eine 1 Euro-Münze Bild vergrössern Polierter Phonolith – in der dunklen Grundmasse sind wenige helle Einsprenglinge von Feldspat (Sanidin) zu erkennen
Verwitterte Felsen. Davor ist ein Hammer zum Größenvergleich aufgestellt Bild vergrössern Verwitterte Felsen aus Phonolith im ehemaligen Steinbruch

Weitere Vorkommen

Phonolithe sind innerhalb der mitteleuropäischen Vulkanite aus dem Tertiär und Quartär vergleichsweise selten. In Deutschland kommen sie noch am Kaiserstuhl (Bötzingen), in der Rhön (u.a. Steinwand bei Poppenhausen, Gipfel der Milseburg), im Odenwald, im Hegau (Hohentwiel) in der Eifel sowie im Erzgebirge und im Zittauer Gebirge. Die nächstgelegenen Vorkommen befinden sich in der hessischen Rhön vor.

Klingstein

Eine Frau spielt auf einem Instrument aus Steinplatten Bild vergrössern Lithophon, ein uraltes Instrument

Die Bezeichnung Phonolith ist griechischen Ursprungs und bedeutet "Klingstein". Der Name rührt daher, dass das Gestein häufig in Form von dünnen Platten absondert, die einen hellen, glockenartigen Klang von sich geben, wenn man mit einem Gegenstand dagegen schlägt. Deshalb wurde Phonolith gelegentlich auch für Lithophone verwendet.

Verwendung

Phonolithe werden heute meist zu Schotter oder Splitt verarbeitet. Ferner wird er als Zuschlagstoff für die Glas- und Bauindustrie verwendet. Eine Besonderheit ist die Nutzung des Phonoliths von Bötzingen am Kaiserstuhl für Fangoanwendungen.

Alter

Der Phonolith bei Kleinostheim ist nach Altersdatierungen etwa 55 Millionen Jahre alt und ist damit wesentlich älter als die meist um die 20 Millionen Jahre alten Vulkanite der Rhön.

Chemische Zusammensetzung

vergrößerte Detailansicht der Mineralzusammensetzung des Phonoliths. Vereinzelt große weiße Feldspat-Kristalle befinden sich in einer feinkörnigen Masse mit weißen und grünen Mineralen. Bild vergrössern Dünnschliff - Große weiße Feldspatleisten in feinkörniger Grundmasse

Phonolithe gehören zu den intermediären, alkalireichen vulkanischen Gesteinen. Sie haben relativ hohe Gehalte an Natrium und Kalium mit Werten um 12 bis 15 Gewichts-% für die jeweiligen Oxide. Ihre SiO2-Gehalte variieren um 55 Gewichts-%. In kontinentalen Intraplatten-Vulkanprovinzen treten sie meist zusammen mit Alkalibasalten, Trachyten und Tephriten auf. Die Schmelzen stammen aus dem Erdmantel, aus Tiefen von über 50km.

Diagramm zur Bestimmung von magmatischen Gesteinen aufgrund ihres Mineralgehaltes (Feldspat, Quarz und Silizium-arme Minerale, sogenannte Foide). Der Phonolith besitzt kein Quarz, sondern viel Alkalifeldspat und Foide. Bild vergrössern vereinfachtes Streckeisen Diagramm

Die chemische Zusammensetzung spiegelt sich auch im Mineralbestand mit Foiden, Feldspäten, Na-Pyroxenen, Na-Amphibolen, Biotiten, Titaniten und den Zersetzungsprodukten der Foide wie Zeolithe, Calcite und Wollastonite. Diese immer quarzfreien Phonolithe führen stets Foide (z.B. Nephelin, Leucit), die zu den so genannten Feldspatvertretern zählen. Diese Minerale bilden sich in relativ SiO2-armen Schmelzen und ersetzen dort teilweise die Feldspäte. Das porphyrische Gefüge der meist graugrünen bis grauschwarzen Phonolithe wird bestimmt durch eine dichte, fein- bis grobkörnige Grundmasse (bei Kleinostheim vorwiegend aus Sanidin) mit Einsprenglingen von Sanidin und Foiden sowie dunklen Na-haltigen Pyroxenen und Amphibolen.