Fossiliengrube Mistelgau

Hinweis:

Das Betreten der Grube ist derzeit nur eingeschränkt im Rahmen von Führungen möglich. Auskunft erteilt die Gemeinde Mistelgau oder die Geschäftsstelle Geopark Bayern-Böhmen. Das Fossiliensammeln ist für Privatpersonen zur Zeit leider nicht möglich!

Grube mit See Bild vergrössern In der Fossiliengrube

Bis zum Jahr 2005 diente die Tongrube Mistelgau dem Abbau von Rohmaterial für die Ziegelherstellung. Doch überregionale Bekanntheit erlangte sie wegen ihrer beeindruckenden Versteinerungen: Ein "Belemnitenschlachtfeld" und Reste von Sauriern machen diese Lokalität zu einer der bedeutendsten Fossilfundstellen Europas.

Anfahrt - so finden Sie die Fossiliengrube Mistelgau

Die A9 an der AS Bayreuth-Süd (AS 42) verlassen. Durch Bayreuth auf der B22 in Richtung Hollfeld bis zur Stadtgrenze. Weiter auf der St2163 bis Mistelbach. Am Ortsende geradeaus auf der St2165 nach Mistelgau. In Mistelgau weiter in Richtung Glashütten. Kurz vor dem Ortsende links (Richtung Culm/Creez) zur Tongrube abbiegen. Das Geotop befindet sich unmittelbar rechts neben der Strasse.

Beschreibung

Die Zeit des Unteren Jura

Am Ende der Trias-Zeit lag Oberfranken im Bereich eines wüsten- bis steppenhaften Festlandes. Es wurde zu Beginn des Unteren Jura von Norden her von einem flachen Meer überflutet. Dadurch verkleinerte sich im Lauf der Zeit das angrenzende Vindelizische Land im Süden und Meeresstraßen durchbrachen seine Landmasse. Sie ermöglichten so einen Wasser- und Artenaustausch zwischen dem Tethys-Ozean im Süden und dem nördlichen Meer.
Aufgrund nur geringer Wasserbewegungen wies dieses Meer eine stabile Schichtung auf. In den oberen, lichtdurchfluteten Bereichen herrschte eine reiche Lebewelt. Die tiefen Senken waren dagegen sauerstoffarm und reich an Schwefelwasserstoff. Herabgesunkene, abgestorbene Organismen konnten in diesem Milieu nicht verwesen und auch nicht von Bodenlebewesen gefressen werden. Daher wurden sie langsam von Feinsedimenten zugedeckt und versteinerten. So sind Belemniten, Ammoniten und der bis zu 15 Meter lange Fischsaurier Temnodontosaurus, aber auch der nach diesem Fundort benannte Flugsaurier Dorygnathus mistelgauensis erhalten geblieben und geben heute Zeugnis vom Leben vor 180 Millionen Jahren.

Fossilienfunde von Mistelgau

Zeichnung: Belemniten flüchten vor einem Fischsaurier Bild vergrössern Leben im Lias-Meer: Belemniten flüchten vor einem Fischsaurier

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden bei Mistelgau der "Jurensismergel" des oberen Lias und der darüber liegende "Opalinuston" des Unteren Dogger für die Herstellung von Ziegeln gewonnen. In Fachkreisen erlangte die Grube jedoch weltweite Bekanntheit wegen der großen Zahl von sehr gut erhaltenen Fossilien. Berühmt ist der knapp einen Meter lange Schädelrest eines Temnodontosaurus, der im Urwelt-Museum Bayreuth ausgestellt ist. Daneben wurden aber auch Meereskrokodile, dutzende Fischsaurier, unzählige kleinere Fossilien wie Schnecken sowie tintenfischartige Ammoniten ("Silberschnecken") und Belemniten ("Donnerkeile"), Fische, Muscheln und Insektenreste gefunden. Der Fossilienreichtum macht die Grube Mistelgau zu einer international bedeutenden Lokalität für die Erforschung der Evolution dieser Lebewesen.

Das "Belemnitenschlachtfeld"

Mergelkalk mit eingelagerten Fossilien Bild vergrössern "Belemnitenschlachtfeld": herauspräparierte "Rostren" in Mergelkalk

Einzigartig ist das flächenhaft auf der Grubensohle aufgeschlossene "Belemnitenschlachtfeld" unterhalb des Jurensismergels. Dabei handelt es sich um eine wenige Zentimeter dicke Mergelkalkbank, in der massenhaft Rostren (Innenskelette) von Belemniten zu finden sind.
Verschiedene Theorien werden für die Entstehung dieses gigantischen Friedhofs diskutiert: Zusammenschwemmung der Organismen durch Meeresströmungen, Massensterben aufgrund einer gewaltigen Algenblüte und dem dadurch entstandenen Sauerstoffmangel, oder wegen einer Methanfreisetzung aus dem Boden des benachbarten, tieferen Tethys-Ozeans.

International bedeutendes Studienobjekt

Nach dem Ende des Tonabbaues sollte die Grube als Deponie genutzt werden. Durch erfolgreiches Zusammenwirken von Gemeinde, Urwelt-Museum Bayreuth, Geopark Bayern-Böhmen, Regierung von Oberfranken und Naturwissenschaftlicher Gesellschaft Bayreuth ist nun ein dauerhafter Erhalt der Fossilfundstelle gesichert. Neben einem einzigartigen Forschungs- und Lehrobjekt aus der Jurazeit bietet sie auch Lebensraum für seltene und an die dortigen Bedingungen spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern
Zeittafel. Die Fossilien bei Mistelgau entstanden zur Zeit des Jura

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