Wildflusslandschaft Isartal

Trotz der Ableitung von Wasser in den Walchensee konnte sich die Isar zwischen Wallgau und dem Sylvensteinspeicher ihren ursprünglichen Charakter bewahren. Auf dieser Strecke fließt sie in einem weiten Bett zwischen steil aufragenden Bergen aus Hauptdolomit. Unterschiedliche, ständig wechselnde Flussläufe und Kiesbänke prägen diese in Bayern fast einmalige Wildflusslandschaft.

Fluss und Kiesbänke Bild vergrössern Fluss und Kiesbänke

Anfahrt - so finden Sie die Wildflusslandschaft Isartal

Von A95 Sindelsdorf über Kesselberg und Wallgau bzw. von A8 Holzkirchen über Bad Tölz, Lenggries, Sylvenstein nach Vorderriß.

Das Geotop ist Naturschutzgebiet und Lebensraum gefährdeter Arten. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Das Holozän und seine Bildungen

Auch nach dem Ende der letzten Eiszeit kam und kommt es entlang der Flussläufe vielfach noch zu Umlagerungsprozessen. So findet man heute in den weiten Flussbetten durch Erosion entstandene Terrassentreppen, in den Mündungsgebieten von Flüssen breit aufgeschüttete Schwemmfächer.
Vor der Regulierung durch den Menschen schufen sich Flüsse innerhalb ihrer breiten Betten immer wieder neue Fließrinnen. Der damit verbundenen Erosion fielen auch ganze Baumbestände zum Opfer; Stammlagen in den Schotterkörpern zeugen heute noch hiervon. Überdeckt werden die holozänen Flussablagerungen häufig von feinkörnigen Auensedimenten, Flusslehmen oder –mergeln, die auf Hochwasserereignisse zurückgehen.

Unterschiedliche Formen und Gerölle

Im oberen Isartal zwischen Wallgau und Fall befindet sich eine besonders eindrucksvolle Wildflusslandschaft. Auf einer Strecke von über 16 km Länge verlagert dort die Isar ständig ihr Bett. In einem mehrere hundert Meter breiten Bereich finden sich Haupt- und Nebenarme des Flusses, aber auch Altwässer sowie Kiesbänke und angrenzende Auenwälder. Diese Flussstrecke ist einem dauernden Wandel unterworfen, schon nach einem Hochwasser kann sich die Landschaft völlig verändert haben. Hier können die ständig ablaufenden Umlagerungsvorgänge in einem kiesreichen Flusssystem und auch die Entwicklung von Auenlandschaften in idealer Weise beobachtet werden.
Besonders gut eignen sich die Kiesbänke, um einen Überblick über die Gesteine der Nordalpen zu erhalten. Wie nicht anders zu erwarten, überwiegen die meist grauen Kalksteingerölle aus dem Karwendelgebirge. Rötliche Kalke des alpinen Jura, manchmal auch bräunliche Radiolarite stechen durch ihre Farbe hervor. Doch auch Gneise und Amphibolite aus den Zentralpen, die ein Seitenstrang des Inngletschers mitgebracht hat, findet man nicht selten.

Am Boden sind Kieselsteine aller Art zu finden Bild vergrössern "Mitbringsel" der Isar

Freier Lauf der Naturgewalten

Stark verzweigte Flusslandschaften wie jene im oberen Isartal sind typisch für Flüsse, die einerseits ein relativ starkes Gefälle aufweisen und andererseits sehr viel Kies mit sich führen. Vor allem bei Hochwasserereignissen, wie sie nach Starkregenperioden häufig vorkommen, bilden sich oft völlig neue Fließwege, die dann teilweise von der Hauptrinne übernommen werden. An den Prallhängen greift kräftige Erosion an, wobei nicht nur Kies umgelagert wird, sondern oft auch ganze Waldbestände umgerissen und wegtransportiert werden. An den Gleithängen kehrt dagegen oft für längere Zeit Ruhe ein – die Pioniervegetation findet hier neuen Lebensraum.

Pflanzen an einer Kiesbank Bild vergrössern Pioniervegetation auf den Kiesbänken

Eine der letzten Wildflusslandschaften Bayerns

Seit dem Bau des Walchenseekraftwerkes im Jahr 1924 wird Wasser von der oberen Isar abgeleitet. Dadurch finden Kiesumlagerungen und das Pendeln der Fließrinnen in erheblich geringerem Umfang als vor den Eingriffen durch den Menschen statt. Dennoch konnte sich hier eine fast ungestörte Wildflusslandschaft erhalten, die seit vielen Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Schild Naturschutzgebiet Bild vergrössern Schild Naturschutzgebiet

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der hier beschriebene Bereich des Isartals entstand zur Zeit des Quartärs

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