Marmorbruch Unterwappenöst

Ein typisches Gestein des zentralen Fichtelgebirges ist der Wunsiedler Marmor. Entstanden ist er im früheren Erdaltertum aus kalkigen Meeresablagerungen, die später zu Marmor umgewandelt wurden. Er wurde früher vielerorts – wie hier bei Unterwappenöst – abgebaut und fand als Naturwerkstein sowie zur Kalkherstellung Verwendung.

Detail des Marmors Bild vergrössern Detail des Marmors

Anfahrt - So finden Sie zum Marmorbruch Unterwappenöst

Die A93 an der AS Marktredwitz-Süd (AS 14) verlassen. Durch das Stadtgebiet von Marktredwitz der Beschilderung nach Kemnath / Waldershof folgen. Auf der St2177 über Waldershof bis zum beschilderten Abzweig und nach Unterwappenöst fahren (ca. 22 km ab Autobahnausfahrt). Durch den Ort bis zum Ortsende, dort nach links der Beschilderung zum aufgelassenen Steinbruch folgen.

Beschreibung

Saxothuringikum im Fichtelgebirge

Kartenausschnitt Bild vergrössern Lage der Marmorvorkommen im Fichtelgebirge

Aufgrund seiner verschiedenartigen geologischen Geschichte teilt man das nordostbayerische Grundgebirge in unterschiedliche Bereiche ein. Ein Teil davon ist die "Saxothuringische Zone", zur der auch das Fichtelgebirge gehört. In diesem Gebiet wurden während des früheren Erdaltertums, im Altpaläozoikum, unterschiedliche tonige, sandige und kalkige Sedimente in einem Meeresbecken abgelagert. Im Verlauf der nachfolgenden Variszischen Gebirgsbildung vor über 300 Millionen Jahren wurden die Gesteine in große Tiefen versenkt und durch hohe Hitze und Druck umgewandelt. So entstanden metamorphe Gesteine wie Phyllite, Glimmerschiefer, Gneise, Quarzite und Marmore. Die Marmore bilden im Fichtelgebirge zwei Südwest-Nordost-verlaufende Leithorizonte, die nach ihrem regionalen Vorkommen als "Wunsiedler Marmor" bezeichnet werden.

Fränkische Linie

Weithin erkennbar fällt das nordostbayerische Kristallin im Südwesten mit einer morphologischen Steilkante zu seinem Vorland ab. Diese Grenze zwischen kristallinem Grundgebirge und sedimentärem Deckgebirge bezeichnet man als Fränkische Linie. Dabei handelt es sich um ein System von Störungen, das sich auf einer Länge von 200 km vom Thüringer Wald bis nach Weiden erstreckt. Hier wurde das Grundgebirge auf die Sedimentgesteine des Vorlandes aufgeschoben und dabei herausgehoben. Im Bereich des Fichtelgebirges beträgt der Höhenversatz mehrere 100 m, in anderen Abschnitten der Fränkischen Linie auch mehr als 2.000 m.

Wunsiedler Marmor bei Unterwappenöst

Bei Unterwappenöst befindet sich im Bereich der Fränkischen Linie das südwestlichste, isolierte Vorkommen des Wunsiedler Marmors. Wegen der Nähe zur Störungszone ist das Gestein hier z.T. verfaltet und deutlich geklüftet sowie von dunklen Bruchbahnen durchzogen. Trotz der metamorphen Umwandlung ist stellenweise der ursprüngliche, sedimentäre Lagenbau noch erkennbar: grauweiße Marmorlagen aus mehr oder weniger reinem Kalzit wechseln mit mittel- bis dunkelgrauen Schichten ab, die zusätzlich Hellglimmer, Eisenoxid- und Graphiteinstäubungen enthalten. Die nur oberflächlich schwarzgraue Farbe der Gesteine rührt vom Bewuchs mit Algen her.

Marmor, Stein und Eisen… wirtschaftliche Bedeutung

Historischer Grabstein (Figur mit Inschrift) Bild vergrössern Historischer Grabstein aus Wunsiedler Marmor

Wegen der Armut der Region an Kalksteinen wurden die Marmorvorkommen im Fichtelgebirge bereits im Mittelalter abgebaut. Wunsiedler Marmor fand Verwendung nicht nur als Naturwerkstein und im Kunsthandwerk, aus ihm wurden auch Düngekalk, Farbpigmente und, wie in Unterwappenöst, gebrannter Kalk hergestellt. Seine verschiedenen Varietäten sind im Fichtelgebirgsmuseum und im Deutschen Natursteinarchiv in Wunsiedel ausgestellt.

Stellenweise entwickelten sich in den Marmorzügen besondere Rohstofflagerstätten: So wurden bei Arzberg bereits im Mittelalter Eisenerze bergmännisch gewonnen, worauf der Name der Stadt zurückzuführen ist. Bei Thiersheim-Göpfersgrün führte die Vertalkung des Marmors zur Bildung von Speckstein, der dort bis 2005 abgebaut und zu technischen Keramikprodukten verarbeitet wurde. Und auch heute besitzt der Wunsiedler Marmor für die Region aufgrund seiner Klüftigkeit als bedeutendstes Grundwasservorkommen noch eine wirtschaftliche Bedeutung.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern
Zeittafel. Der Marmor von Unterwappenöst entstand zur Zeit des Saxothuringikums

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