Seltenbachschlucht bei Klingenberg am Main

Rötlicher "Buntsandstein" prägt Landschaft und Ortsbilder im Spessart und im Odenwald. Dessen Schichten bilden eine der markantesten Gesteinsabfolgen Unterfrankens. In der Seltenbachschlucht durchwandert man verschiedene dieser Buntsandstein-Schichten, die an den felsigen Schluchtwänden studiert werden können. Am oberen Ausgang der Schlucht befindet sich das Tonbergwerk Klingenberg.

Steig in der Seltenbachschlucht Bild vergrössern Steig in der Seltenbachschlucht

Anfahrt - so finden Sie zur Seltenbachschlucht

Von Miltenberg auf der ST2310 bis nach Kleinheubach und dann weiter auf der B469 nach Norden Richtung Aschaffenburg fahren. Die B469 in Richtung Trennfurt verlassen und der Trennfurter Straße einen guten Kilometer folgen. Dann rechts in die Bahnhofsstraße abbiegen und kurz darauf rechts auf der Rathausstraße über den Main. Nach dem Main in Klingenberg rechts in die Brückenstraße abbiegen. Kurz darauf befindet sich links ein Parkplatz beim Winzerfestplatz. Zu Fuß weiter auf der Rathausstraße ins Zentrum und kurz vor der Bergwerkstraße in die "Schlucht" einbiegen. Auf diesem Weg weiter in Seltenbachschlucht und zum Standort der Informationstafel (ca. 10 Minuten ab Parkplatz).

Beschreibung

Die Zeit des Buntsandsteins

Karte zum Verbreitungsgebiet von Buntsandstein Bild vergrössern Karte zum Verbreitungsgebiet von Buntsandstein in Bayern und angrenzenden Gebieten

Zu Beginn der Trias vor rund 250 Millionen Jahren war die Region des heutigen Unterfrankens zumeist Festland. In das "Germanische Becken", das sich über weite Teile Mitteleuropas erstreckte, wurden durch weitgefächerte Flusssysteme sowie nach gelegentlichen Starkregen-Ereignissen ("Schichtfluten") Sand, aber auch Ton und Gerölle transportiert. Dieses Material stammt aus den umliegenden Hochgebieten, insbesondere dem "Vindelizischen Land", das sich im Gebiet des heutigen Süd- und Ostbayerns befand. Aufgrund der roten Gesteinsfarben wurde früher angenommen, dass die Gesteine des Buntsandsteins in einer Wüste abgelagert wurden. Die dicken Flussablagerungen, das weitgehende Fehlen Wüsten-typischer windverfrachteter Sande und das Vorkommen von Tonsteinlagen deutet aber auf vermutlich Monsun-artige Niederschläge hin.
Der Buntsandstein erhielt seinen Namen nach den bunten, in Unterfranken vor allem rotbraunen und gelblichen Farbtönen seiner Gesteine. Der Begriff wird aber nicht im Sinne eines Gesteinsnamens sondern als Bezeichnung eines Erdzeitalters verwendet.
Bestimmte Sandsteine, vor allem aus dem Unteren und dem Oberen Buntsandstein eignen sich zur Verwendung als Bausteine. So entwickelte sich seit Jahrhunderten im Spessart und Odenwald die Werksteinindustrie. Vom Abbau des "Roten Mainsandsteins" zeugen zahlreiche, heute meist nicht mehr zugängliche Steinbrüche entlang des Mains im Raum Miltenberg.

Gesteine in der Seltenbachschlucht

Rot, gelblich und weiß gestreifter Sandstein Bild vergrössern Rot, gelblich und weiß gestreifter Sandstein

Die Seltenbachschlucht ist eine der wenigen leicht zugänglichen Stellen, wo Gesteine aus der Zeit des Mittleren Buntsandsteins aufgeschlossen sind. Hier kommen rote, gelbliche und weiß gestreifte Sandsteine vor. Sie sind stellenweise schräg geschichtet, was auf die wechselnden Strömungsrichtungen der damaligen Flussrinnen zurückzuführen ist. Besonders grobkörnige "Geröllhorizonte" entstanden während Perioden mit hohen Strömungsgeschwindigkeiten. Dünne Tonsteinlagen wurden vor allem bei Überflutungen abgelagert.

Klingenberger Ton aus dem Tertiär

Am oberen Ende der Schlucht liegt das Tonbergwerk Klingenberg. Hier werden seit dem Mittelalter verschiedene, besonders reine und hochwertige Spezialtone abgebaut, die weltweit gefragt sind. Sie wurden früher unter anderem bei der Herstellung von Bleistiften, heute vor allem für spezielle Keramik verwendet. Abgelagert wurden die Tone im Tertiär und sind somit wesentlich jünger als die Sandsteine der Seltenbachschlucht. Während die Tertiär-Schichten anderenorts durch Erosion bereits wieder abgetragen sind, verdankt die Ton-Lagerstätte der tiefen Lage in einem "tektonischen Graben" ihre Erhaltung.

Entstehung der Seltenbachschlucht

Geologischer Schnitt parallel zur Seltenbachschlucht Bild vergrössern Geologischer Schnitt parallel zur Seltenbachschlucht von Klingenberg bis zum Tonbergwerk

Vor allem im Eiszeitalter, dem Pleistozän, schnitten sich die Flüsse in die weit ausgedehnte, flache Landschaft ein. Durch das Eintiefen des Mains und das damit verbundene Einschneiden der seitlichen Zuflüsse bildeten sich steile Schluchten. In dabei freigelegte, besonders widerstandsfähige Gesteinsschichten konnten sich die Bäche nur in Form enger, felsiger Abschnitte wie in der Seltenbachschlucht eintiefen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Gesteine der Seltenbachschlucht entstanden zur Zeit des Trias

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