Granitzentrum in Hauzenberg

Als "tiefblauer Hauzenberger Schachetgranit" war einst der Hauzenberger Granodiorit ein bekannter und geschätzter Werkstein für unterschiedlichste Steinmetzarbeiten. Nach dem Ende des Abbaues entstand im früheren Steinbruch Schachet das Granitzentrum Bayerischer Wald. Dort kann man sich heute über die Entstehung von Graniten sowie ihre Gewinnung und Verarbeitung informieren.

Felswände des Steinbruchs Bild vergrössern Felswände des Steinbruchs

Anfahrt - So finden Sie den Weg zum Hauzenberger Granitzentrum Bayerischer Wald/Landkreis Passau

In Passau auf der B388 Richtung Obernzell fahren und nach ca. 4 km ab Ilzbrücke nach links abbiegen auf die St2132. Dieser Straße ca. 12 km nach Hauzenberg folgen. Das Granitzentrum befindet sich am Ortseingang von Hauzenberg und ist dort beschildert.

Beschreibung

An der Gebirgswurzel

Während sich zur Zeit des Karbons das Variszische Gebirge auftürmte, schmolzen gleichzeitig tief in der Erdkruste verschiedenartige Gesteine auf. Das dort entstandene Magma kristallisierte in etwa 10 bis 15 km Tiefe wieder aus, wobei vorwiegend Granite und Granodiorite entstanden. Über Jahrmillionen unterlag das Gebirge dann der Abtragung, weshalb derartige Gesteine heute oft, wie im Bayerischen Wald, an der Erdoberfläche sichtbar sind und einen Blick in die Wurzel des ehemaligen Gebirges bieten. Besonders an den großen Massiven magmatischer Gesteine, so genannten Plutonen, kann man die komplexen Vorgänge bei der Platznahme von Gesteinsschmelzen in der Erdkruste studieren.

Hauzenberger Granitmassiv

aa Bild vergrössern Polierte Zirkone aus dem Hauzenberger Granodiorit. Zur Bestimmung des Alters von magmatischen Gesteinen werden häufig die in kleinen Mengen im Gestein vorkommenden Zirkonminerale isotopen-chemisch untersucht. der Zirkon, ein Silikatmineral mit der Formel ZrSiO4 beinhaltet auch geringe Gehalte an Uran und Blei, die für die Altersbestimmung wichtig sind. (Aufnahme: Wolfgang Siebel, Tübingen)

Zwischen Waldkirchen und Hauzenberg liegt das Hauzenberger Granitmassiv. Es besteht aus verschiedenen Graniten und Granodioriten, die sich hauptsächlich in ihrer Korngröße und Farbe unterscheiden. Durch absolute Altersbestimmungen an Zirkonkristallen, die man aus den verschiedenen Gesteinen separierte, konnte man die Entwicklung des Hauzenberger Plutons ermitteln: Zunächst entstanden vor circa 320 Millionen Jahren die Hauzenberger Granite I und II, nur geringfügig später folgte mit einem Intrusionsalter von 318 Millionen Jahren der Granodiorit, der vornehmlich den östlichen und südlichen Bereich einnimmt. Fast 20 Millionen Jahre später drangen vorwiegend andesitische Ganggesteine, auch "Porphyrite" genannt, als oft nur wenige Meter mächtige, senkrecht stehende Gänge in die älteren Gesteine ein.

Kartenausschnitt des Gebietes Bild vergrössern Hauzenberger Granitmassiv

Die unterschiedlichen magmatischen Gesteine bilden die Grundlage der regionalen Steinindustrie. Von ehemals vielen Steinbrüchen im Hauzenberger Massiv sind heute nur noch wenige in Betrieb. Neben Schotter und Splitt findet das Material Verwendung als Straßenpflaster und Steinplatten. Jährlich werden etwa 500.000 m2 an Pflastersteinen und Bodenplatten für Fußgängerzonen, zur Gartengestaltung und ähnliche Anwendungen hergestellt.

Vom Steinbruch zum Granitzentrum

Steinbruch Schachet mit Arbeitern Bild vergrössern Steinbruch Schachet mit Arbeitern. Bildarchiv Granitzentrum Bayerischer Wald, Sammlung Josef Kinadeter

Im Steinbruch Schachet, vom Steinmetzmeister Josef Kinadeter im Jahr 1885 eröffnet, wurde Hauzenberger Granodiorit bis 1985 abgebaut. Er war als "tiefblauer Hauzenberger Schachetgranit" weltweit bekannt und geschätzt. Neben Pflastersteinen entstanden aus dem Werkstein vielfältige Steinmetzarbeiten wie Denkmale und Grabsteine, Mausoleen wurden sogar für Abnehmer in New York angefertigt.
Nach der Betriebseinstellung 1985 entwickelten die Stadt Hauzenberg und der Landkreis Passau schließlich das Konzept zur Einrichtung eines "Granitzentrums Bayerischer Wald" auf dem Steinbruchgelände. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 bietet es neben einem Museumsbereich, den Stein-Welten, auch einen Schausteinbruch und eine Beratungsstelle. Hier können sich Architekten, Bauämter und andere Interessenten über Material, Regelwerke und Bautechnik informieren.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern
Zeittafel. Der Granodiorit entstand zur Zeit des Karbon

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