Helvetikum bei Burgberg

Weithin sichtbar überragt der Grünten, der "Wächter des Allgäus", den Alpenrand bei Sonthofen. Zum größten Teil besteht er aus steil stehenden Kalk- und Sandsteinen des Helvetikums, die im Steinbruch bei Burgberg zu sehen sind. Eisenerz-führende Lagen in diesen Schichten standen über Jahrhunderte an der Südseite des Berges in Abbau.

Felsflanken im Steinbruch Bild vergrössern Felsflanken im Steinbruch

Anfahrt - So finden Sie nach Burgberg

Die A7 an der AS Durach verlassen und auf der A980 bis zur AS Waltenhofen. Weiter auf der B19 bis Sonthofen. Im Stadtgebiet auf die B308 in Richtung Bad Hindelang abbiegen. An der ersten Kreuzung die Grüntenstraße (St2007) nach links in Richtung Burgberg fahren. Durch Burgberg weiter auf der St2007 in Richtung Agathazell. Das Geotop befindet sich etwa 300 m nördlich des Ortsausgangs von Burgberg.

Der hintere Teil des Steinbruchs darf wegen Steinschlag- und Absturzgefahr nicht betreten werden!

Beschreibung

Gesteine und Bau der Helvetikum-Zone

Die Gesteinsabfolge am Grünten gehört zum so genannten Helvetikum, einer Baueinheit der Alpen, die in Bayern den gesamten Alpenrand begleitet, aber nur im Allgäu großflächig verbreitet ist. Weite Bereiche nimmt sie dagegen weiter im Westen in den Schweizer Alpen ein, woher auch ihre Bezeichnung stammt. Entstanden sind die Gesteine des Helvetikums in einem Meer am Südrand der Europäischen Kontinentalplatte. Zwischen der ältesten Unterkreide vor 145 Millionen Jahren und dem Alttertiär vor 40 Millionen Jahren wurden hier unterschiedliche Sand-, Kalk- und Mergelsteine abgelagert. Vor allem die Sandsteine aus der Mittleren Kreide sind durch Glaukonit, ein Mineral, das nur in seichten Meeren entsteht, auffällig grün gefärbt. Das quarzreiche Sediment stammt vermutlich aus Böhmen und wurde durch Flüsse ins Helvetische Schelfmeer transportiert. Typisch für die Serien des Alttertiärs sind Eisenvererzungen sowie Massenvorkommen von cm-großen, schalentragenden Einzellern.

Schematischer Schnitt durch den Steinbruch Bild vergrössern Schematischer Schnitt durch den Steinbruch

Detailaufnahme von Fossilresten im Gestein Bild vergrössern Roterz mit massenhaften Fossilresten

Als zu Beginn der Tertiärzeit das damalige Europa mit der Adriatisch-Afrikanischen Kontinentalplatte kollidierte, wurden die helvetischen Gesteinsschichten von ihrer Unterlage abgeschert, verfaltet und nach Norden verfrachtet. Zusammen mit den Gesteinen, die seit der Trias in den nördlichen Bereichen der Adriatisch-Afrikanischen Platte entstanden waren, stapelten sie sich in Form von mächtigen tektonischen Baueinheiten ("Decken") übereinander. So bildet das Helvetikum heute ein tektonisches Stockwerk des alpinen Deckengebirges.

Steinbruch an der Schanz

Lehrbuchhaft ist im "Steinbruch an der Schanz" auf engem Raum eine große Vielfalt der Schichtenfolge des Helvetikums zu sehen. Zwei Gesteinsarten beherrschen die Abbauwand, an der undeutlich eine Sattelstruktur erkennbar ist: grünliche Sandsteine der Garschella-Formation ("Gault-Grünsandsteine") und hellgrauer Seewerkalk. Im Kern des Sattels befindet sich der Brisisandstein, ein grünlich-grauer, dickbankiger Sandstein. Darüber folgen verschiedene dunkelgrüne Sandsteine. Über dieser Serie liegt der Seewerkalk, ein sehr reiner, hellgrauer, gut gebankter Kalkstein, der vor allem aus den Überresten von planktonisch lebenden Einzellern entstanden ist.

Allgäuer Eisenerzbergbau

Am Südhang des Grüntens ging über Jahrhunderte Bergbau auf schmale Eisenerzflöze in den helvetischen Serien um. Das feinkörnige, rote Erz mit einem Durchschnittsgehalt von circa 30% Fe weist eine oolithische Struktur auf und ist durch ein dichtes, tonig-kalkiges, erzhaltiges Bindemittel verkittet. Die Gewinnung von Eisenerz ist seit dem Jahr 1471 urkundlich belegt und hielt mit wechselndem Erfolg bis zum Jahr 1859 an. Heute kann man im Schaubergwerk der Erzgruben-Erlebniswelt noch einen Eindruck der beschwerlichen Arbeit unter Tage gewinnen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Das Gestein entstand zur Zeit des Helvetikum (Kreidezeit, Beginn Tertiär)

Weiterführende Informationen

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