Mainauen bei Ziegelanger

Zwischen Steigerwald und Haßbergen bietet das Maintal interessante Einblicke in die jüngere Flussgeschichte. In der Sandgrube Ziegelanger sind holozäne Sande erschlossen, die im Maintal mehrere Auenterrassen bilden. Darin findet man häufig "Rannen"– mächtige fossile Baumstämme – von denen mehrere gut erhaltene Exemplare entlang eines Rundweges zu sehen sind.

Eine noch im Boden befindliche Ranne Bild vergrössern Ranne im Boden

Anfahrt - So finden Sie die Mainauen bei Ziegelanger

Die A70 an der Anschlussstelle Knetzgau Richtung Haßfurt/Knetzgau verlassen und geradeaus der St 2276, später der St 2427 folgen. Nach ca. 3,6 km rechts abbiegen und ca. 2,3 km weiter zu einer Kreuzung. Hier geradeaus auf die B26 Richtung Bamberg und nach ca. 1,5 km auf Höhe Ziegelanger rechts Richtung Main abbiegen zum Parkplatz und zum Naturerlebnisweg Ziegelanger. Tipp: Das Geotop lässt sich auch durch einen kurzen Abstecher vom Weinradweg ab Ziegelanger erreichen.

Beschreibung

Flussgeschichte des Mains

Die Geschichte des Mainlaufes hängt eng mit dem "Kampf um die europäische Wasserscheide" zwischen Donau und Rhein zusammen. Wie beispielsweise Gerölle des seltenen Gesteins "Lydit" aus dem Frankenwald belegen, entwässerten die Flüsse aus dem fränkischen Raum früher nach Süden. So floss der "Ur-Main" über die nördliche Frankenalb und die heutige Regnitzsenke zum Altmühltal und mündete dort in die "Ur-Donau".
Etwa mit dem Beginn der Kaltzeiten des Quartärs, vor etwa 2,6 Millionen Jahren, verstärkte sich die Erosionskraft der Rheinzuflüsse. Dies führte zur Anzapfung der trägen "Südflüsse" mit geringem Gefälle durch erosionsstarke, nach Westen gerichtete Bäche mit hohem Gefälle. Dadurch weitete sich das rheinische Einzugsgebiet nach Osten aus: Dem "Ur-Main" wurde buchstäblich das Wasser abgegraben, als sein Oberlauf bei Bamberg nach Westen abgeleitet wurde. In der Folge bildete sich allmählich das heutige, zum Rhein hin orientierte Flusssystem des Mains heraus, das auch die Regnitz einbezieht.
Der "Kampf um die Wasserscheide" hält auch heute noch an. Durch die erosionsbedingte Verlagerung des Steigerwald-Westrandes nach Osten werden die zur Regnitz entwässernden Täler hier immer kürzer.

Grafik zur Verdeutlichung der damaligen Verhältnisse Bild vergrössern Laufverlagerungen des Mains

Sand- und Kiesgruben Ziegelanger

Ziegelanger liegt am westlichen Ausgang des "Durchbruchtales" des Mains zwischen Steigerwald und Haßbergen. Hier wurden im Verlauf des Quartärs mächtige Schotter und Sande abgelagert, die in zahlreichen Gruben abgebaut wurden und werden. Seit dem Beginn des Holozäns, vor etwa 11.500 Jahren, entstanden die so genannten Auenterrassen, als der Main in seinem breiten Tal stark mäandrierte und mit der Verlegung seiner Schlingen auch ältere Schotter umlagerte. Die Ablagerungen bestehen vorwiegend aus kiesigen Sanden, deren buntes Geröllspektrum Ausdruck der vielen verschiedenen geologischen Zonen ist, die der Main auf seinem Lauf bis hierher durchlaufen hat. Neben Quarzen, Sandsteinen und Karbonatgesteinen findet man auch die charakteristischen schwarzen Lydite aus dem Frankenwald.

Detail des Mainkieses Bild vergrössern Lydit aus dem Frankenwald (Kreis)

Rannen – Baumstämme aus einer fernen Zeit

In den kiesigen Sanden der Auenterrassen werden beim Abbau häufig so genannte "Rannen" gefunden. Darunter versteht man vom Fluss mitgerissene und einsedimentierte Baumstämme. Sie sind durch Einbettung im Flusskies und Wasser gedunkelt oder leicht inkohlt. Die Sandgrube Ziegelanger enthält viele gut erhaltene Stämme, meist in gestörter, selten in natürlicher Lagerung. Mit der "Radiocarbon-Datierung (14C) -Methode" bzw. "Dendrochronologie" (Analyse der Wachstumsringe) ist eine Altersbestimmung möglich. Sie ergab für die rannenführenden Auenablagerungen des Mains den Zeitraum von etwa 8000 Jahren v. Chr. bis 250 Jahre n. Chr.

Bedeutung der Sandgrube Ziegelanger

Dauerhafte Aufschlüsse in Auensedimenten sind äußerst selten. In der Sandgrube Ziegelanger entstand auf einer ökologischen Ausgleichsfläche der Stadt Zeil am Main ein Naturerlebnispfad (mit Mainschottern aus benachbarten Gruben), der einen hervorragenden Eindruck von Auensedimenten und den in ihnen gefundenen Rannen vermittelt. An vielen Stellen der Umgebung gibt es noch natürliche Auenbereiche mit jüngsten Flussschlingen und Rinnen.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Mainauen bei Ziegelanger entstand zur Zeit des Quartär

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