Vulkankrater Gebirgsstein

Am Gebirgsstein bei Oberbach in der Rhön wurde durch den Abbau von Basalt die Struktur eines ehemaligen Vulkankraters wieder sichtbar. Der im Zentrum des Kraters angelegte Steinbruch erschließt unterschiedliche Gesteine, die bei verschiedenen Ausbruchsphasen entstanden. Sie zeugen so eindrucksvoll vom Werden und Vergehen der Rhöner Vulkane.

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Anfahrt - So finden Sie zum Vulkankrater Gebirgsstein

Die A7 an der Anschlussstelle Bad Brückenau/Wildflecken verlassen und auf der B286 ca. 2,5 km Richtung Bad Brückenau fahren. Rechts abbiegen Richtung Wildflecken, der St2289 ca. 5,5 km folgen und beim Infozentrum "Haus der Schwarzen Berge" nach Oberbach abbiegen.
Am schönsten lässt sich der Besuch des Gebirgssteins mit einer ausgedehnten Wanderung über den "Basaltweg" verbinden, eine "Extratour" zum Premium-Wanderweg "Der Hochrhöner". Der Basaltweg führt zu weiteren Geotopen, wie dem Lösershag oder dem Kellerstein und bietet mit der Kissinger Hütte auf dem Schwarzenberg auch eine Einkehrmöglichkeit.
usgangspunkt des Basaltwegs ist ein Wanderparkplatz am Ortsrand von Oberbach. Hierher vom Zentrum von Oberbach über den Treiweg.
Wer direkt zum Geotop möchte, wählt als Ausgangspunkt den Wanderparkplatz am Hahnenknäuschen. Hierzu im Zentrum von Oberbach rechts abbiegen Richtung Gefäll und auf der Kreisstraße 45 ca. 4,7 km bergauf fahren zum Wanderparkplatz. Hier parken, zu Fuß entlang der Straße ca. 400 m zurück gehen und dem hier rechts abzweigenden Feldweg ca. 1,5 km eben zur Rhönklubhütte Oberbach folgen. Wenige Meter weiter befindet sich der Eingang zum Steinbruch.

Das Geotop liegt in einem Naturschutzgebiet und darf im März und April nicht betreten werden!

Beschreibung

Der Vulkanismus in der Rhön

In der Zeit des Tertiär war der Bereich, den heute Nordbayern, Hessen und Thüringen einnehmen, ein Festland mit flachen Hügeln und Senken. Flüsse transportierten Verwitterungsmaterial in die Becken, wo es abgelagert wurde. Gleichzeitig fanden innerhalb der Erdkruste bedeutende Bewegungen statt. Weit im Süden wurden die Alpen aufgefaltet, in anderen Gegenden wie im Oberrheingraben und in der Hessischen Senke kam es zum Einbruch von Grabenstrukturen. Dort wo an tief reichenden Brüchen vor etwa 10 bis 30 Millionen Jahren Magma aus dem Erdmantel bis an die Erdoberfläche steigen konnte, entstanden ausgedehnte Vulkangebiete, z.B. im Westerwald, dem Vogelsberg und in der Rhön.
Lange, nachdem die vulkanische Aktivität beendet war, begann sich das Gebiet zu heben. Gleichzeitig wirkte die Erosion und die Rhön wurde als Mittelgebirge herauspräpariert. In der bayerischen Rhön entstanden zwei unterschiedliche Landschaftsformen, deren Merkmale durch die vulkanischen Gesteine aus dem Tertiär bedingt sind: Die "Lange Rhön" im Norden bildet durch die dort erhaltenen horizontalen Lavadecken eine Hochfläche, während die "Kuppenrhön" im Süden durch viele einzelne Berge, erodierte Reste ehemaliger Vulkanschlote, gekennzeichnet ist.

Was ist hier zu sehen?

Im Steinbruch Gebirgsstein kommen zwei verschiedene Gesteine vulkanischen Ursprungs vor: rote "Tuffbrekzie" und schwarzer "Basalt". Die Tuffbrekzie (auch "Schlacke" genannt) ist das Produkt einer explosiven Phase des Vulkanismus und bildete einen "Schlackenkegel". Der schwarze Basalt entstand in einer ruhigeren Phase, als sich Magma entweder von unten aus dem Förderschlot oder von der Seite in den Krater ergoss. Dort bildete es einen See aus glühender Lava, der langsam abkühlte, erstarrte und so mit der Zeit den Schlackenkegel auffüllte. Die Kontaktfläche von Brekzie und Basalt ist allseitig ins Steinbruch-Zentrum gerichtet. Dies bedeutet, dass man sich auf der heutigen Steinbruchsohle im Inneren des ehemaligen Vulkankraters befindet. Die spätere Überdeckung des kleinen Vukankegels durch jüngere Schichten hat ihn bis heute konserviert.

Erkalteter Lavasee im Krater La Cazoleta (Insel Lanzarote) Bild vergrössern Erkalteter Lavasee im Krater La Cazoleta (Insel Lanzarote)

Basaltgewinnung am Gebirgsstein

Der Steinbruch Gebirgsstein war von 1937 bis 1962 in Betrieb. Allerdings war nur der massige schwarze Basalt des Lavasees Ziel des Gesteinsabbaus, für die rote Tuffbrekzie des Schlackenkegels bestand kein Interesse. Verwendung fand das abgebaute Gestein vor allem als Eisenbahnschotter, aber auch beim Straßenbau sowie für Pflastersteine. Schließlich diente der Steinbruch nach Einstellung des Abbaus als Erdaushub-Deponie. Doch erfolgte die Verfüllung nur teilweise, so dass heute noch die steinerne Geschichte der verschiedenen Ausbruchs-Phasen des Vulkans zu lesen ist.

Skizze der Lavasee-Phase (Ein Lavasee im Vulkankrater) Bild vergrössern Die Lavasee-Phase
Skizze der heutigen Situation (allmählicher Abtag des Kraterwände duch Erosion bzw. Steinbruchbetrieb, in der Mitte der heutige Steinbruch) Bild vergrössern Heutige Situation

Bedeutung als Geotop

Normalerweise sind die Vulkane aus dem Tertiär so weit erodiert, dass ihre Kraterform nicht mehr zu erkennen ist. Der Steinbruch Gebirgsstein zeigt dagegen in einzigartiger Weise einen Querschnitt durch den Schlackenkegel mit dem darin liegenden Lavasee. Heute rekultiviert stellt er als Geotop ein wichtiges Forschungs- und Lehrobjekt dar.

Schild Naturschutzgebiet Bild vergrössern Schild Naturschutzgebiet

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Vulkankrater Gebirgsstein entstand zur Zeit des Tertiär

Weiterführende Informationen

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