Quaderkalkbruch Kleinochsenfurt

Im Gebiet zwischen Würzburg und Rothenburg o.T. kommt im obersten Muschelkalk eine besondere Gesteinsausbildung vor, die als Quaderkalkfazies bezeichnet wird. Hier sind viele der Kalksteinbänke besonders dick entwickelt und bestehen hauptsächlich aus Schalenresten fossiler Tiere. Die Quaderkalke werden seit Jahrhunderten als begehrter Naturwerkstein in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut.

Quaderkalkblöcke Bild vergrössern Quaderkalkblöcke

Anfahrt - so finden Sie zum Quaderkalkbruch Kleinochsenfurt

Die A3 an der Anschlussstelle Würzburg, Randersacker verlassen und auf die B13 Richtung Süden bzw. Ochsenfurt abbiegen. Weiter auf der B13 durch Sommerhausen, danach im Kreisverkehr noch der B13 folgen und nach weiteren ca. 600 Metern auf Höhe der ersten Häuser von Kleinochsenfurt nach links abbiegen. Nach 30 Metern nochmals links in die Ochsentalstraße und dieser ca. 200 Meter bis zum Wanderparkplatz folgen. Zu Fuß wieder ein Stück zurück und die erste Straße rechts über eine Brücke gehen, dann erneut rechts hoch dem Panoramaweg ca. 20 Minuten bis zum Geotop folgen.

Das Geotop ist Teil des Naturschutzgebietes und Lebensraum gefährdeter Arten. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Stürmische Zeiten im Oberen Muschelkalk

Zur Zeit des Oberen Muschelkalks vor ca. 235 bis 238 Millionen Jahren waren weite Teile Mitteleuropas von einem warmen Flachmeer bedeckt, in dem vorwiegend kalkige und tonige Sedimente abgelagert wurden. Die Schichtfolge enthält markante Kalksteinbänke, die vor allem aus Bruchstücken von Fossilien bestehen. Diese Gesteine entstanden, als tropische Stürme Organismenschalen zusammenspülten, die anschließend durch Kalkspat verkittet wurden. Derartige Bänke werden daher als Tempestite ("Sturmschichten") bezeichnet. Die Schalenbruchstücke in solchen Schillkalk-Bänken stammen überwiegend von Muscheln und Brachiopoden (Armfüßern).

Die Quaderkalkfazies

Kartenausschnitt mit Verbreitungsgebiet des Quaderkalks Bild vergrössern Verbreitung des Quaderkalks

Der oberste Muschelkalk ist im Bereich zwischen Würzburg und Rothenburg o.T. durch das Vorkommen bis zu mehrere Meter mächtiger Schillkalke gekennzeichnet ("Quaderkalkfazies"). Entstanden sind diese im Bereich der Gammesfelder Barre, einer schwellenartigen Untiefe im Muschelkalkmeer. Hier herrschten günstige Lebensbedingungen für schalentragende Organismen, außerdem wurden hier aufgrund der vergleichsweise stärkeren Wellenbewegungen die Schalenreste leichter zerbrochen und umgelagert. So wurden enorme Schillmengen in Form mehrerer übereinander liegender, zungenförmiger Gesteinskörper abgelagert. Gegen die Ränder werden diese Schillzungen immer dünner und verschwinden schließlich.

Profilschnitt durch den Steinbruch Bild vergrössern Profil des Steinbruchs

Der Begriff "Quaderkalk" beruht auf der in den Steinbrüchen erkennbaren natürlichen klotzigen Absonderung der Schillkalke, die durch zwei mehr oder weniger rechtwinklig zueinander stehende Kluftsysteme gebildet wird. Je nach Art der Schalenreste, Ausbildung der Grundmasse, Mengenverhältnis zwischen Schill und Grundmasse existieren viele verschiedene Varietäten der Quaderkalke.

Steinbruch Kleinochsenfurt

Regional existieren große Unterschiede bezüglich der Mächtigkeit und der lokalen Verbreitung der verschiedenen Quaderkalk-Horizonte. Im Gebiet zwischen Sommerhausen und Ochsenfurt dominiert der "Untere Hauptquaderhorizont", der auch die massigen Bänke im unteren Teil des Steinbruchs Kleinochsenfurt bildet. Dieser Steinbruch wurde in den 1940er Jahren zunächst für den Bau der darunter liegenden Main-Staustufe angelegt. Die Quaderkalke sowie manche der überlagernden Schichten wurden später für verschiedene Bauzwecke verwendet. Der seit langem stillgelegte Steinbruch liegt im Naturschutzgebiet und ist dank der Beweidung nicht zugewachsen. So bietet er einen seltenen Lebensraum für spezialisierte Arten und einen der wenigen gut erhaltenen und leicht zugänglichen Aufschlüsse im Quaderkalk.

Unterhalb des Geotops befindet sich das Triasmuseum. In ihm sind unter anderem fossile Funde aus diesem Steinbruch sowie alte Steinbruchfotographien ausgestellt.

Quaderkalk – ein weltweiter Exportschlager

Quaderkalk ist auch in mehreren benachbarten Steinbrüchen aufgeschlossen, die partiell und temporär noch in Betrieb sind. Er war und ist noch immer der begehrteste Werkstein Unterfrankens. Im südlichen Maindreieck war das Gestein vor einem Jahrhundert der wichtigste Wirtschaftsfaktor: Er wurde nicht nur innerhalb Deutschlands verwendet, sondern auch weltweit exportiert, z.B. für den Bau der Grand Central Station in New York.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Der Quaderkalkbruch Kleinochsenfurt entstand zur Zeit des Trias

Weiterführende Informationen

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