Röslauschlucht Gsteinigt

Schluchtartig hat sich die Röslau oberhalb von Arzberg in verschiedene metamorphe Gesteine eingeschnitten. Besonders auffällig sind markante Felsen aus Phyllit im unteren Teil der Schlucht. Hier befindet sich auch das Mundloch eines historischen Stollens, der das benachbarte westliche Arzberger Bergbaurevier unterfährt.

Phyllit mit Schieferungsflächen Bild vergrössern Phyllit mit Schieferungsflächen
Eisenerz im Stollen Bild vergrössern Eisenerz im Stollen

Anfahrt - So finden Sie die Röslauschlucht

Am besten kann man die Röslauschlucht Gsteinigt während einer Wanderung von Arzberg (Parkplatz beim Rathaus) zum Gasthaus Elisenfels oder umgekehrt erleben. Durch die Schlucht führen mehrere ausgeschilderte Wanderwege: Fränkischer Gebirgsweg, Röslauweg, Rundweg 1 und Rundweg 6 ("Alexander-von-Humboldt-Weg") der Stadt Arzberg.
Der schnellste Zugang zum Geotop erfolgt von Arzberg aus: Die A93 (Regensburg – Hof) an der Ausfahrt Marktredwitz Nord verlassen und der B303 Richtung Schirnding/Tschechien ca. 5 km bis zur Ausfahrt Arzberg West folgen. Ab hier auf der WUN78 ca. 1,5 km nach Arzberg fahren und kurz nach dem Ortseingang rechts abbiegen (Wegweiser Richtung Gsteinigt) und der Straße "s`G`steinigt" ca. 100 m folgen zu einem kleinen Parkplatz. Ab hier zu Fuß in wenigen Minuten zum Geotop.

Das Geotop ist ein Naturdenkmal. Bitte bleiben Sie auf den Wegen!

Beschreibung

Das Saxothuringikum im Fichtelgebirge

Vor allem Einheiten des "Variszischen Grundgebirges" bauen das nordostbayerische Mittelgebirge auf, in dem man aufgrund von unterschiedlichen Gesteinsarten und deren geologischer Geschichte mehrere Zonen unterscheidet. So zählt das Fichtelgebirge zu einem Bereich, der als "Saxothuringikum" bezeichnet wird. In diesem Gebiet wurden vom Präkambrium bis zum Karbon Gesteine in einem Meeresbecken abgelagert. Später, vor allem während der nachfolgenden variszischen Gebirgsbildung vor etwa 300 bis 330 Millionen Jahren, wurden diese Gesteine überprägt und gefaltet. Ihren höchsten Grad erreichte die Überprägung im Fichtelgebirge, wo die ehemaligen Sedimentgesteine (Tonsteine, Sandsteine, Kalksteine) zu metamorphen Gesteinen (Phyllite, Glimmerschiefer, Gneise, Marmore) umgewandelt wurden.
In den Gneisen und Quarziten der möglicherweise präkambrischen "Elisenfels-Serie", die auch im oberen Teil des Gsteinigt vorkommt, vermutet man die ältesten Gesteine des zentralen Fichtelgebirges. Darüber folgt die weniger metamorphe "Arzberger Serie", deren Ausgangsgesteine wahrscheinlich im Kambrium und Ordovizium abgelagert wurden. Mit der "Frauenbach-Gruppe" (im unteren Teil des Gsteinigt aufgeschlossen) beginnt schließlich eine Abfolge von Sedimentgesteinen aus dem Ordovizium, die aufgrund ihrer nur schwachen Überprägung mit Gesteinen der "Thüringischen Fazies" in Sachsen und Thüringen parallelisiert werden kann.

Phyllit – der "blättrige Seidenstein"

Druck-Temperatur-Diagramm Bild vergrössern Das Druck-Temperatur-Diagramm zeigt, bei welchen Bedingungen welche Gesteine entstehen.

Weite Bereiche des zentralen Fichtelgebirges bestehen aus "Phylliten" verschiedener Formationen des Erdaltertums. Bei Phylliten (nach griech. phyllon = Blatt) handelt es sich meist um graue, dünnschiefrige, blätterige Gesteine mit durch feinverteilten, hellen Glimmer "Serizit", nach griech. serikon = Seide) seidenartig glänzenden Schieferungsflächen. Sie entstehen bei der Gesteinsmetamorphose aus Tonschiefern. Dabei werden die ehemaligen Tonminerale vollständig in feinkörnige Glimmer umgewandelt.

Eisenerzbergbau um Arzberg

Nördlich des Gsteinigt liegen in der "Arzberger Serie" ebenfalls Phyllite, aber auch der "Wunsiedler Marmor". Vor allem bei Arzberg ist dieses Gestein von Eisenvererzungen durchsetzt, die früher bergmännisch gewonnen wurden. Der im Gsteinigt angesetzte St.-Georg-Stollen zeugt heute noch davon. Wann der Bergbau in Arzberg begonnen wurde, ist nicht bekannt, jedoch erfolgten erste urkundliche Erwähnungen bereits im 13./14. Jahrhundert. Auf dem Gelände des letzten Bergwerkes, das 1941 im östlichen Revier schloss, wurde die Naturpark-Infostelle "Kleiner Johannes" eingerichtet, die ausführlich über den ehemaligen Bergbau informiert.

Röslauschlucht Gsteinigt

Das steinige Flussbett und viele Felsfreistellungen haben zur Namensgebung des "Gsteinigt" beigetragen. In der Schlucht findet man zwei verschiedene Gesteinstypen: Im oberen Teil gebänderte Gneise und Quarzite der "Elisenfels-Serie", im unteren Teil Phyllite der Frauenbach-Gruppe. Diese Phyllitfelsen zählen zu den größten Aufschlüssen dieser Gesteinsart in Bayern. Die naturnah erhaltene Schlucht stellt einen wichtigen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten dar. Daher ist das Gsteinigt als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen!

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär) Bild vergrössern Zeittafel. Die Röslauschlucht entstand in der Zeit des Präkambrium bis zum Karbon.

Weiterführende Informationen

Links zu anderen Angeboten (unsere Geotop Paten)

Dokumente zum Download/Bestellen